Der 12. November und die österreichische Geschichtsvergessenheit
harald.walser | 12. Nov, 19:02 | 1 Kommentar
Ganz ehrlich: Wie viele unter Ihnen wissen, dass heute vor 96 Jahren, am 12. November 1918, die Geburtsstunde der ersten demokratischen Geschichtsepoche in Österreich war? Sie markiert nicht nur das Ende eines von Österreich-Ungarn mitverantworteten Krieges, sondern mit der Ausrufung der Ersten Republik durch die Provisorische Nationalversammlung auch einen völligen Neubeginn, mit dem viele Hoffnungen und Chancen verbunden waren. Das allgemeine Wahlrecht auch für Frauen war dabei nur eine von vielen Leistungen der Ersten Republik.Dieser 12. November war in der Ersten Republik nicht nur Nationalfeiertag, sondern auch der „Gedächtnisort“ der Sozialdemokratie, deren Identifikation mit dem „Tag der Republik“ sehr viel größer war als jene der Christlichsozialen. Diese veranstaltete schon am ersten Jahrestag – quasi als Gegenprogramm – in Fortsetzung der habsburgischen Tradition eine Wallfahrt zu Ehren des heiliggesprochenen Babenbergers Markgraf Leopold III. Ein systematischer Boykott der Republikfeiern und schließlich auch Störaktionen waren ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr sich die Christlichsozialen von der Republikgründung entfernten. Die Auseinandersetzungen rund um diesen Feiertag kulminierten am 12. November 1933, als es bei Aufmärschen der Sozialdemokratie an der Ringstraße zu Massenverhaftungen kam. Abgeschafft wurde der Feiertag dann nach dem Bürgerkrieg 1934.
Der Anteil der Christlichsozialen an der Demontage der Ersten Republik geht also über deren endgültige Zerstörung im Jahr 1933 deutlich hinaus. Die ÖVP täte gut daran, auch dieses Kapitel ihrer Geschichte aufzuarbeiten und den 12. November 1918 nicht totzuschweigen, wie sie es beharrlich auch im heurigen Jahr getan hat.
Jedoch opferte auch die Sozialdemokratie nach 1945 ihren einstigen „Gedächtnisort“ 12. November 1918 zugunsten der großkoalitionären Einigkeit. „Der Staat wider Willen“ oder „Der Staat, den keiner wollte“ als Bezeichnungen für die Erste Republik knüpften an die Negativzuschreibungen des Austrofaschismus und des Nationalsozialismus an und wurden charakteristisch für den politischen und populärwissenschaftlichen Diskurs, den auch die SPÖ aufnahm.
Die SPÖ versammelt sich zwar alljährlich am 12. November beim Republikdenkmal neben dem Parlament, doch scheint dies schon längst zur Pflichtübung verkommen zu sein. So verzichtete oder vergaß man im letzten Jahr – immerhin am 95. Jahrestag der Republikgründung – sogar auf den traditionellen Kranz, was heuer durch eine üppigere Dekoration wettgemacht wurde. Und Bundeskanzler Werner Faymann vermeldete via Presseaussendung: „Mit Stolz können die GenossInnen auf wichtige soziale Errungenschaften, die mit der Gründung der Ersten Republik unter Viktor Adler und später mit Reumann und Hanusch einhergingen, zurückblicken.“ Dumm nur, dass Victor Adler mit der direkten Gründung der Ersten Republik und mit deren sozialen Errungenschaften nichts mehr zu tun hatte, denn er verstarb bereits am 11. November 1918. „Lernen Sie Geschichte!“, meinte einst Bruno Kreisky zu einem Reporter. Dieser Aufforderung sollte sich auch die SPÖ nicht verschließen.
Im Juli habe ich bereits von einem
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Worüber muss man denn in Österreich noch diskutieren? Menschen, die bei uns um Asyl ansuchen als „Erd- und Höhlenmenschen“ herabzuwürdigen, ist menschenverachtend und abstoßend. Das muss doch Konsequenzen haben!
Das ist die Frage, wenn man das Schulrundschreiben 14-2014 der GÖD-Tirol durchliest (
Jahr für Jahr das gleiche Ritual am Nationalfeiertag: Hintereinander legen Bundespräsident und Regierung einen Kranz in der Krypta im Äußeren Burgtor ab. Es ist ein Totengedenken – welcher Toten da (auch) gedacht wird, scheint nicht so wichtig zu sein.
Die „Standardisierte Reifeprüfung“ hat auf diesem Blog schon zu vielen Einträgen und - wie im Unterrichtsausschuss - zu heftigen Diskussionen geführt. Wer sich darüber informieren möchte: Bitte in der Suchfunktion oben einfach den Begriff „Zentralmatura“ eingeben.
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