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10. Januar 2011

Schulreform als schwarz-roter Etikettenschwindel!

PK_Walser_Glawi_10-1-2011Schon zu Beginn des Neuen Jahres steht fest: Beatrix Karl ist die bildungspolitische Enttäuschung und Josef Pröll ist der bildungspolitische Betonmischer des Jahres 2011.
Österreich braucht dringend ein modernes Schulsystem. Aber: Die ÖVP will das nicht und die SPÖ traut sich nicht.
Die Kernbotschaft des letzten Freitag präsentierten schwarzen Bildungsprogramms ist klar: „Die Mittelschule kommt, das Gymnasium bleibt!“ Dabei fällt die ÖVP zurück in die alten Kulturkampf-Parolen. Josef Pröll: Die Gemeinsame Schule sei ein „Einheitsbrei“ und führe „zur Nivellierung nach unten“. Man fragt sich, wieso die Spitzenländer im Bildungsbereich allesamt mit ihrem „Einheitsbrei“ besser liegen als unsere Elite in den Gymnasien. Ist die österreichische Elite dümmer als der Durchschnitt in Finnland oder Kanada?
Laut Pröll sollen sich die Schultypen ähnlicher werden, weil künftig sowohl in der NMS als auch in der AHS der Unterricht in Modulen stattfinden soll. Haben die Vor- und Nachdenker in der ÖVP schlicht vergessen, dass Hauptschule und Gymnasium schon jetzt einen wortidenten Lehrplan haben und somit schon jetzt eigentlich gleich und nicht nur ähnlich sein sollten?
Ministerin Beatrix Karl hat versprochen, dass die Bildungsentscheidung künftig erst mit 14 Jahren falle. Warum werden Kinder dann mit zehn Jahren getrennt in angeblich Begabte und weniger Begabte?
Der schwarze Prüfungswahn treibt seltsame Blüten: Künftig soll es für alle 14-Jährigen eine neue Hürde für den weiteren Bildungsweg geben – die Mittlere Reife. Sie entscheidet darüber, ob diese Jugendlichen in eine AHS und Berufsbildende Höhere Schule (BHS) gehen dürfen. Ist es nachvollziehbar, dass wir Kinder mit zehn Jahren in Begabte und weniger Begabte trennen und dann mit 14 Jahren auch die sogenannten Begabten, die erfolgreich die gymnasiale Unterstufe besucht haben, einer Prüfung unterziehen?
Jetzt muss aber auch die SPÖ in die Pflicht genommen werden. Wenn Bundesministerin Claudia Schmied dieses ÖVP-Bildungsprogramm lobt („Es ist ein Schritt in die absolut richtige Richtung.“), muss ihr entgegengehalten werden, dass das Gegenteil der Fall ist. Sie hat von Anfang an Hoffnungen erzeugt, die mit dem Modell NMS nicht verwirklicht werden können. Die Warnungen der Grünen wahr jetzt leider wahr: Die Neue Mittelschule ist ein Etikettenschwindel und hat mit der Gemeinsamen Schule nichts zu tun. Im Gegenteil: Mit ihr wurde aus einem dreigliedrigen ein viergliedriges Schulsystem (AHS, Hauptschule, Sonderschule, Neue MittelschuleI). Das bedeutet vier Verwaltungsapparate, vier Schulstandorte, vier Bildungskonzepte, viermal Schul-Inspektionen usw. Eine Aufhebung der Zehnprozentbeschränkung der neuen Mittelschule ist daher keine Reform, sondern eine Fortsetzung des bisherigen Kurses auf dem Rücken der Kinder. Wir brauchen Integration statt Selektion!
Österreich hat eines der sozial selektivsten Bildungssysteme der Welt: Den Reichen wird gegeben, den Armen wird genommen. Laut Statistik Austria besuchen nur 20% der 10- bis 14-Jährigen aus armutsgefährdeten Haushalten eine AHS, aber fast genau doppelt so viele (37%) aus nicht armutsgefährdeten Familien.
Noten sind ungerecht und widerspiegeln nicht das Leistungsvermögen der Kinder: Zwischen den formal besten MathematikerInnen (AHS oder 1. LG mit Note „Sehr gut“) und jenen, die in der 2. LG mit „Genügend“ (was nicht zum Besuch einer höheren Schule berechtigt), gibt es große Überlappungsbereiche: die obersten 20% mit einem „Genügend“ in der 2. Leistungsgruppe sind im Test besser als die untersten 20% der „Sehr gut“-SchülerInnen in den AHS!
Wo es die Wahlmöglichkeit zwischen Hauptschule und AHS-Unterstufe gibt, entscheidet die Bildungs-Herkunft der Eltern welche Schule ihre Kinder besuchen: 59 % der Kinder von Eltern mit Uni-Abschluss besuchen eine AHS, haben die Eltern keinen Schulabschluss gehen 92% in die Hauptschule.
Durchlässigkeit: ein Kind in der Hauptschule hat eine Chance von 7% die Matura zu machen, besucht ein Kind die AHS und haben die Kinder Uni-Abschluss, liegt die Chance eines Maturaabschlusses bei 93%.
Die Leistungen der obersten 20% der HauptschülerInnen in der untersten (also der dritten) Leistungsgruppe decken sich mit den untersten 20% in den AHS! Und nun kommt das „Aber“:
• die eine Gruppe (AHS) hat alle höheren Bildungswegchancen
• die andere Gruppe hat keine Chancen
Dieses System will die ÖVP erhalten!
Für uns gilt im Gegensatz zu den schwarz-roten BildungsbetoniererInnen: „Kein Kind darf zurückbleiben!“

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