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23. August 2008

Hausverstand statt Ideologie in der Kindergartendiskussion!

Die Diskussion um die Kindergärten wird extrem ideologisch geführt. Die ÖVP will jetzt die steuerliche Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten. Natürlich kann man darüber reden. Tatsache ist aber, dass davon vor allem Besserverdienende profitieren würden. Das sagen nicht (nur) die Grünen, das sagt das WIFO und fordert auch gleich Gratis-Kindergartenplätze. Finanziell werden Eltern in Österreich nämlich schon jetzt überdurchschnittlich gefördert. Wirklich geholfen wird den Familien und vor allem berufstätigen Frauen durch den Ausbau der Betreuungseinrichtungen. Oder wollen wir, dass die "Betuchten" ihre Kinder künftig in private Einrichtungen schicken und die Normalbürger sich das nicht leisten können? Die nächste Regierung muss dafür sorgen, dass - realistisch gesehen - zumindest die letzten zwei Jahren des Kindergartens gratis sind.
Und die Kosten? Die werden auf etwa 150 Millionen Euro geschätzt. Vergleichsweise wenig, wenn man bedenkt, dass die Regierung zuletzt die Erbschaftssteuer mit etwa diesem Volumen ersatzlos gestrichen hat (nur zum Vergleich: Allein die Mehrkosten beim verkehrspolitisch unsinnigen Achraintunnel betragen 100 Millionen, die Mehrkosten beim Pfändertunnel 105 Millionen).
Die ehemalige Wirtschaftspartei ÖVP unterschlägt auch andere Aspekte in dieser Diskussion: Der bildungs- und gesellschaftspolitisch notwendige Ausbau des Kindergarten könnte sich zum Beschäftigungsmotor für die österreichische Wirtschaft entwickeln. Das meinen Wirtschaftsforscher im heutigen "Standard". Da behauptet der Wissenschaftler Helmut Maringer, dass die Einführung des verpflichtenden Gratiskindergartenjahres die Beschäftigungsquote von Müttern um sieben bis zehn Prozent steigern würde. Das wäre auch für den Arbeitsmarkt vorteilhaft, weil junge Mütter deutlich besser qualifiziert sind als andere Gruppen mit niedriger Erwerbsquote.
Weiters: Neben den baulichen Investitionen müssen auch neue Arbeitsplätze geschaffen geschaffen werden: Wir brauchen laut ExpertInnen mindestens doppelt so viele KindergartenpädagogInnen wie derzeit, wenn wir die Kinder auch entsprechend fördern wollen. Das ist sogar kurzfristig möglich: Viele ausgebildete KindergartenpädagogInnen arbeiten derzeit nicht in ihrem Beruf: Der Frust sitzt momentan noch tief: wegen der schlechten Rahmenbedingungen, des geringen Einkommens und des niedrigen Sozialprestiges.
Und auch in Sachen Integration und sozialer Gerechtigkeit würde uns der Ausbau des Kindergartens helfen: Bei gezielter Sprachförderung könnten sowohl Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund als auch einheimische Kinder aus bildungsfernen Schichten (die oft vor dem Fernseher aufwachsen)gezielt gefördert werden und hätten so größere Chancen auf eine positive Bildungskarriere.
Der Ausbau der Kindergärten hilft Familien und vor allem Frauen, ist relativ günstig, schafft mehr soziale Gerechtigkeit und ist daher eine zentrale Forderung an die künftige Regierung!

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