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13. September 2008

Muss das "Bildungsrad" neu erfunden werden?

Ich komme gerade von einer sehr spannenden Diskussion in Tschagguns zurück: Neben Klimawandel und sozialer Gerechtigkeit ging es vor allem um Bildung.
Finnland oder Schweden als Vorbild für das österreichische Schulsystem? Das war unter anderem ein Thema. Daheim vor dem Computer liest man dann, was die heimischen PolitikerInnen zu diesem Thema absondern.
Die Vorarlberger Bildungspolitik scheint davon überzeugt zu sein, selbst zu wissen, was unseren Schulen Not tut. Was sich in anderen Ländern tut, ist anscheinend nicht so wichtig. In einem gemeinsamen Antrag fordern ÖVP und FPÖ für die Länder im Schulbereich noch mehr Einfluss. Die angekündigte Reform der Schulverwaltung von Bundesministerin Schmied gehe in Richtung Zentralisierung, befürchten die beiden Parteien. Organisation und Zuteilung von Lehrern, Schulversuche sowie Schwerpunktschulen sollten den Ländern überlassen werden.
Es ist wirklich kaum auszuhalten: Österreich fällt international immer weiter zurück (PISA-Studie, PIRLS-Studie etc.), unseren PolitikerInnen fällt dazu nur eines ein: mehr Macht in unseren Einflussbereich!
Wir müssen das Rad nicht neu erfinden: Nehmen wir uns doch jene Länder zum Vorbild, in denen das Schulsystem bestens funktioniert: In Sachen schulischer Integration und der Förderung von Kindern mit einer anderen als der vorherrschenden Sprache wäre das bspw. Kanada, in Sachen schulischer Frühförderung sind es Länder wie Korea, in Sachen Niveau (sowohl was die Förderung der schwächeren SchülerInnen als auch was die Förderung von Hochbegabten anbelangt) sind es Länder wie Finnland und Schweden.
Vorarlbergs BildungspolitikerInnen aber sind wieder einmal überzeugt, den Stein der Weisen gefunden zu haben und selbst zu wissen, wo es langgeht. Es ist unerträglich, wie selbstgefällig bei uns (nicht nur) in dieser Frage operiert wird!

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Kommentare
hc voigt (Gast) - 13. Sep, 08:39

lieber freund,
es ist auch kaum auszuhalten, dass der ruf nach einer weniger dilettantischen bildungspolitik immer wieder an der feststellung aufgehängt wird, dass "Österreich in den Rankings der PISA-Studie (et al.) international zurückfallt".
So what!!!
wir haben hier seit jahrzehnten eine rückschrittliche bildungspolitik und brauchen pisa-referenzen das festzustellen? unser schuog datiert aus den 60ern und schwafelt von katholischer soziallehre.

die reformen otto glöckels sind noch keine 100 jahre her und wären zum heutigen status quo ein fortschritt, wenn wir nur zu damaligen reformansätzen zurückkehrten.

ja, es ist unerträglich wie selbstgefällig bei uns bildungspolitik betrieben wird. ua. auch bei den grünen, die hier seit jahren durch dieter brosz blockiert werden

arnobraendle.com (Gast) - 13. Sep, 12:54

Österreich, das Land für Mittelmäßige !

Ich pflichte bei, dass die PISA Ergebnisse nur sehr bedingte Aussagekraft haben. Je nachdem, wie die Testgruppen zusammengestellt werden, verschiebt sich das Ergebnis deutlich. Länderergebnisse zu vergleichen ist problematisch, da die Rahmenbedingungen bis hin zu den Sprachen unterschiedlich sind. Dennoch pflichte ich bei, dass so manches in einigen anderen Ländern besser läuft.
In Österreich haben wir ein richtiges „Mittelmäßigkeitssystem“. Langsame und überwiegend kinästhetische Lerner kommen in einen Negativsog, einseitig Begabte versauern, Kinder mit Teilleistungsschwächen gehen unter, Hochbegabte werden manchmal auf absurdeste Weise demotiviert (dazu später).
Unser Schulsystem ist für die Mittelmäßigkeit optimiert. Dafür opfern wir die Schwächsten und die Stärksten. Wirtschaftlich kann ein solches Modell nicht sein. Die Schwächsten, die aussortiert in 3. Leistungsgruppen dahinvegetieren, haben auf dem Arbeitsmarkt nur bescheidene Chancen und werden in Zukunft hohe Versorgungskosten für die Allgemeinheit generieren. Die Begabtesten finden in Österreich auch keinen fruchtbaren Boden. Manche Schulen starten langsam mit Förderungsversuchen (wie zum Beispiel das von Harald Walser geleitete BG Feldkirch mit seinem Drehtürenmodell). Flächendeckend fehlt es noch an allen Ecken und Enden und für viele Lehrkräfte ist das Wort Hochbegabung immer noch ein Fremdwort. Doch genau diese Schülerinnen und Schüler könnten in Zukunft für jene Wertschöpfung sorgen, die ein Land braucht, das, mangels großer Rohstoffvorkommen, auf das Hirnschmalz seiner Bewohner angewiesen ist.
Von einem Gymidirektor mit Drehtürenmodell und der Erkenntnis, dass der frühe Selektionszeitpunkt in Österreich mehr Schaden anrichtet als nützt, erwarte ich mir für die Zukunft mehr und bessere Impulse in der Bildungspolitik als sie in der Vergangenheit für den Grünen gegeben wurden.
Für Vielleser hier noch die Demotivierungsfarce aus der Volleyballschülerliga Absurdistan:
Meine Tochter begann unlängst noch zwölfjährig die sechste Klasse (10. Schulstufe) des Gymnasiums. Vor drei Jahren hat sie ihre Liebe zum Volleyballspiel entdeckt. Als sie noch in der Unterstufe war, war sie noch zu klein für die Kampfmannschaft. Letztes Jahr durfte sie „gnadenhalber“ spielen, da sie altersmäßig noch ca. 2 Jahre spielberechtigt gewesen wäre. Für heuer wurde eine „Lex-Elena“ geschaffen. Es gibt keine Altersangaben mehr. Alle Schüler und Schülerinnen der Unterstufe sind spielberechtigt, Oberstufenschüler und –schülerinnen nicht. Repetentinnen, die 3 Jahre älter als meine Tochter sind, dürfen spielen, sie aber soll ihr Glück in der Oberstufenmannschaft versuchen. Der Leser kann selber beurteilen, wie groß dort ihre Chancen als Zwölfjährige sind. So werden in Absurdistan besondere Schulkarrieren belohnt.

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