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24. Oktober 2008

Bildung - eine Riesenbaustelle!

Es ist eine wirklich große Aufgabe, die mir heute vom Grünen Parlamentsklub übertragen wurde - und eine Riesenherausforderung! Bildungssprecher der Grünen zu sein, macht mich im ersten Moment etwas unsicher. Immerhin sind wir ja - aus meiner Sicht - die "Bildungspartei" schlechthin, haben tolle Konzepte und gleichzeitig sehr, sehr kritische WählerInnen. Ich hoffe, ich kann dem Vertrauensvorschuss meiner KollegInnen im Klub gerecht werden.
Es reizt mich natürlich, ein paar grundsätzliche Worte zu verlieren:
Wir benötigen dringend eine Schulreform, die diesen Namen auch verdient: Österreichs Schulsystem ist teuer und ineffizient. Die frühe Trennung der SchülerInnen mit zehn Jahren schwächt die schwächeren SchülerInnen und hilft den stärkeren nicht. Länder wie Finnland mit seiner Gesamtschule zeigen es vor: Dort gibt es weniger SchulversagerInnen und mehr Spitzenleistungen. Wir dürfen es aber nicht bei der plakativen Forderung nach der Gesamtschule belassen. Eine sinnvolle und erfolgreiche Schulreform muss bei den gesellschaftlichen Zielen, den Bedürfnissen der SchülerInnen, den Systemanforderungen und bei den LehrerInnen ansetzen. Gesellschaftliches Ziel von Schule und Bildung muss es sein, möglichst viele Jugendliche möglichst gut auszubilden, um Schullaufbahnverluste, Schulabbrüche, Ausbildungswechsel und Bildungsverweigerung zu vermeiden. Da müsste eine "Koalition der Vernünftigen" mit Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden möglich sein, denn unser Staat braucht hochqualifizierte Arbeitskräfte mit Weiterbildungswillen.
Bildung geht aber deutlich über Ausbildung hinaus: Schule muss Werte vermitteln: Demokratie, Toleranz, Kooperation, Gleichberechtigung. Schule muss Interessen fördern - an Kultur, Gesellschaft, Politik etc. Schule muss einen Ausgleich für gesellschaftliche Benachteiligung zumindest versuchen. Die Systemanforderungen und die berechtigten Wünsche von SchülerInnen und Eltern sind ein sozial gerechtes Schulsystem, das individuelle Förderung erlaubt und Chancen gerecht vergibt. Für die LehrerInnen in einem solchen System bedeutet das eine grundlegend andere Ausbildung hin zu Bildungscoaches und ein Dienstrecht, das Leistungsanreize schafft sowie eine Arbeitsumgebung, die es den LehrerInnen ermöglicht ,ihre Arbeit in der Schule zu erledigen. Schulen müssen also auch eine entsprechende Infrastruktur anbieten und zeitliche Freiräume für die Vernetzung der LehrerInnen in Teams bereitstellen.
Natürlich wird das alles viel Geld kosten. Die "ideale Schule" ist nicht zum Nulltarif zu haben. In Österreich wird bereits jetzt sehr viel Geld in die Schulen investiert. Doch kommt diese Geld derzeit im internationalen Vergleich zuwenig bei den SchülerInnen an und versickert in einer ineffizienten Verwaltung mit Doppelgleisigkeiten, Kompetenzüberschneidungen und proporzmäßig besetzten Kommissionen und Kollegien. Es geht also darum, das vorhandene Geld zielgerichtet einzusetzen und mehr in pädagogisches Personal als in die Verwaltung zu investieren.
Das Bildungsthema ist die Herausforderung für die Zukunft - und derzeit eine Riesenbaustelle. Mich erwartet viel Arbeit. Ich freue mich darauf!

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https://haraldwalser.twoday-test.net/stories/5277004/modTrackback

Kommentare
dieter (Gast) - 24. Okt, 21:18

Aha. Ich finde es gut, dass ein Bildungssprecher per Blog öffentlich zugänglich ist. Da kann ich ja meine radikalen Fragen anbringen.

"Die frühe Trennung der SchülerInnen mit zehn Jahren schwächt die schwächeren SchülerInnen und hilft den stärkeren nicht. Länder wie Finnland mit seiner Gesamtschule zeigen es vor: Dort gibt es weniger SchulversagerInnen und mehr Spitzenleistungen."

Gesamtschulen gibt es in vielen Ländern. Finnland hatte bisher defacto eine Nullzuwanderungspolitik. Die wenigen Einwanderer sind Estländer, wobei das Estnische eine finno-ugrische Sprache ist, die dem Finnischen also sehr nahe ist. Die Vergleichbarkeit mit Österreich ist also problematisch.

Finnland schult erst ab dem siebten Lebensjahr ein. Auch in den USA geht der Trend nun zur späten Einschulung. Ist da was dran, oder sind das, wie ich vermute, einfach nur bildungspolitische Modeerscheinungen?

Von der Argumentation ÖVP für die frühe Trennung halte ich nichts. Aber die Argumentation gegen die Trennung halte ich für genauso unschlüssig. Worin besteht denn nun der konkrete Mechanismus, der schwächeren Schülern in einer Gesamtschule zuträglich sein soll?

Welchen objektiven Nutzen hat die Beschulung gängigen Zuschnitts eigentlich? Die Vermittlung von Lesen, Schreiben und grundlegenden mathematischen Kennntnissen akzeptiere ich mal als selbstevident.
Aber darüber hinaus scheint die Schule im Wesentlichen eine Vormittagsbetreuung mit wöchentlichen Intelligenztests zu sein.

Angenommen, man würde eine Gruppe von Kindern nur einmal die Woche unterrichten, mit dem Ziel das Wissen und die Fertigkeiten zu vermitteln, die ein durchschnittlicher 25-jähriger Finne aus seiner Schulzeit behalten hat. Ich traue mich zu wetten, dass diese Versuchsgruppe im Verlauf ihres späteren Lebens keine schlechteren beruflichen, akademischen Leistungen zeigen würden und auch ihr sonstiges Leben nicht schlechter bewältigen würden, als herkömmlich Beschulte.

Für so ein radikales Experiment würde freilich der Mut fehlen. Aber wie wäre es mal mit einer objektiven und nüchternen Evaluierung dessen, was tatsächlich an Fähigkeiten und Wissen hängen bleibt bzw. realistischerweise hängen bleiben kann?

harald.walser - 24. Okt, 22:06

In Finnland gibt es sehr wohl Zuwanderung,

nicht wenig sogar aus schwarzafrikanischen Ländern. Ich war in einigen Schulen in Helsinki und habe mir vor Ort anschauen können, wie man dort mit dieser pädagogischen Herausforderung umgeht. Übrigens sind auch klassische Einwanderungsländer wie Kanada in allen internationalen Rankings vor Österreich. In der modernen Schule darf es nicht mehrvordringlich um Wissen gehen, das zu vermitteln ist, sondern um die Fähigkeit, sich in konkreten Situationen gezielt Wissen zu erwerben.
Zum späteren Beginn der Schule: Die vorschulische Erziehung beginnt in den skandinavischen Ländern teilweise schon ab dem 1. Lebensjahr - und dafür stehen hervorragend ausgebildete PädagogInnen zur Verfügung: nachahmenswert! Wenn wir hier auch solche Voraussetzungen haben, kann man über alles diskutieren.
dieter (Gast) - 25. Okt, 10:48

Laut Statistics Finland sind 4852 Somalier im Land[1]. Das ist eine vernachlässigbare Größe.
Kanada hat ganz andere Einwanderer aufgrund des anspruchsvollen Punkte-Systems.

Vergleichbar wäre Schweden. Das war doch bis vor kurzem noch das gelobte Land in das die Lehrer reisten. Aber Schweden schneidet nicht anders ab als Österreich.

Leider geht ja in Österreich nichts weiter und das Wahlergebnis verheißt noch mehr Stillstand. Sonst könnte man die Gesamtschule endlich einführen, abhaken und sich grundlegendere Gedanken über Sinn- und Unsinn im Bildungssystem machen.

"In der modernen Schule darf es nicht mehrvordringlich um Wissen gehen, das zu vermitteln ist, sondern um die Fähigkeit, sich in konkreten Situationen gezielt Wissen zu erwerben."

Klingt gut. Wichtig ist aber auch, gutes Wissen von schlechtem zu unterscheiden. Wenn in Österreich ein Herr Grander ein Ehrenkreuz für Wissenschaft bekommt - die grünen Nationalratsabgeordneten wollten das ja wieder aberkennen lassen -, dann gibt es da offenbar starke Defizite. Grander-Wasser wurde ja auch medial völlig unkritisch behandelt. Dabei könnte man die behaupteten Vorzüge von Grander-Wasser einfach auf die Probe stellen. Sowas sollte man in der Schule machen. Das bringt meiner Meinung nach mehr, als all die Jahre Schulphysik- und Chemie, die die unkritischen Journalisten beim ORF sicher genossen haben.

[1]https://www.stat.fi/tup/suoluk/suoluk_vaesto_en.html
linksvorderer (Gast) - 24. Okt, 23:03

Manchmal ist Menschlichkeit mehr als Ideologie

Sehr geeherte Herr Walser

Die Aufgabe des Bildungssprechers ist sicher eine Aufgabe, welche sehr gut von Ihnen erfüllt werden kann. Ich wünsche ihne dazu viel Glück.

Ernsthafte Sorgen mache ich mir jedoch über den heutigen Zustand der Schule, wobei ich nicht weiss ob es nicht immer schon so war?

Neulich am Elternabend an Ihrer Schule, musste ich entsetzt feststellen wie verbraucht und ausgebrannt schon junge Leherinnen den Eltern gegeüber aufgetreten sind. Es wurde mit Erwachsenen wie mit Kindern welche nicht brav waren umgegangen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Ihre angeführten Werte mit einem solchen Lehrkörper verwirklicht werden kann. Ich will nicht den Lehrern die Schuld geben, aber es kann nicht sein, dass die Schüler immer Leistung bringen sollen, und die Lehrer mit einer gewissen Abgehobenheit agieren.
Es stört mich auch, dass diese Neoliberale Leistungsprinzip ( der Starke gewinnt) an den Schulen propagiert wird. Leistung ja , aber fördern und auf keine 'Fall Schüler zu stark herausstellen. Die Ideen mit dem sogenannten Drehtürmodell finde ich gesellschaftlich richtig gefährlich. Wenn auch in einem Gymnasium selektiert werden muss, dann gute Nacht für unsere Gesellschaft.

viele Grüsse

harald.walser - 25. Okt, 09:31

LehrerInnen sind sehr belastet,

auf die konkrete Erfahrung kann ich natürlich nicht eingehen, weil ich die Umstände nicht kenne. Es gibt an meiner Schule aber sehr viele KollegInnen, die sich unglaublich bemühen, Wissensvermittlung, Menschlichkeit und Werteerziehung als Einheit zu sehen. Das "Drehtürmodell" ist dann ein Problem, wenn es zu einem falschen "Eliteverständnis" führt. Ziel ist aber, genau das zu vermeiden. Hochbegabte sind häufig unterfordert, ihnen Chancen zu eröffnen und sie aus dem Regelunterricht herauszunehmen, mach für alle Sinn: Die Betroffenen und ihre MitschülerInnen. In vielen Fällen gelingt die Rückkoppelung zum Unterricht (wenn etwa Lernhilfen für MitschülerInnen entstehen).
linksvorderer (Gast) - 25. Okt, 13:59

elite

Genau das befürchte ich , dass eine Elite entsteht. Ich denke, dass die Unterfroderung von guten Schülern eher dem übertriebenden Ehrgeiz von Eltern und Lehrern entspringt.
harald.walser - 25. Okt, 16:22

Elitenproblem?

Zwischen SchülerInnen mit überehrgeizigen Eltern und wirklich Hochbegabten ist ein Riesenunterschied - erstere wollen vor allem gute Zeugnisse, wirklich Hochbegabte aber sind bei Unterforderung in der Schule im positiven Sinn des Wortes "lästig". Ihnen geht es nicht um Noten, sondern um Auseinandersetzung mit Themen, sie sind neugierig, wollen lernen. Schule ist dazu da, ihnen auch die Chance dazu zu geben.

anton (Gast) - 25. Okt, 18:50

lästig

Meine Lehrer haben mich auch immer als "lästig" gebrandmarkt.
Jetzt weiß ich, dass ich eigentlich ein Hochbegabter bin, oder gewesen bin.
Aber Sie haben schon recht gehabt.
steppenhund - 25. Okt, 17:31

Glückwunsch zur Aufgabe und noch größere Wünsche, dass Sie etwas positives bewirken können. Ihre Statements lesen sich schon ganz gut. Mir fehlt allerdings eine Komponente, die ich auch sonst nirgendwo in der Bildungsdiskussion finde.
Bildung bedeutet nicht nur Änderung an den Schulen. Sie bedeutet auch mit den heutigen Erwachsenen auf eine neue Weise umzugehen. Die Bildung selbst muss beworben werden.
Zur Verdeutlichung: Stoßseufzer einer dreißigjähirgen Frau "endlich muss ich nichts mehr lernen!" Auf Rückfrage gibt sie an, dass sie der Meinung ist, genug gelernt zu haben.
Diese Einstellung haben viel zu viele. Wie sollen Kinder an Bildung herangeführt werden, wenn die Eltern froh sind, endlich "das Lernen" überwunden zu haben?

harald.walser - 25. Okt, 17:44

Das genau ist das Problem!

Lernen wird bei uns vielfach mit Unlust statt mit Lust verbunden - daran müssen wir arbeiten!
harald.walser - 25. Okt, 17:43

@ Dieter

Schweden liegt nach wie vor deutlich besser als Österreich. Und in Finnland gibt es sicher weniger Zuwanderung und AusländerInnen, aber dennoch eine durchaus nenneswerte Größe: Finnland hat weniger AusländerInnen als wir (bei 5,3 Mio Einwohnern etwa 133.000), die Nettozuwanderung lag 2007 bei etwa 14.000 und es gab ca. 30.000 AsylwerberInnen.
Interessant ist, dass Länder wie Kanada, Schweden, Finnland in der Lage sind, migrantische Kinder in ihr Schulsystem zu integrieren. Daran müssen wir uns orientieren!

dieter (Gast) - 25. Okt, 20:36

Woher hast du denn die Information, dass Finnland Einwandererkinder besser integrieren würde? Im Abschlussbericht der OECD zur PISA Studie 2006[1] wird Finnland im fraglichen Teil ab Seite 205 überhaupt nicht erwähnt. Berücksichtigt wurden nämlich nur Länder mit mehr als 3% Kindern mit Migrationshintergrund. Die Stichprobe wäre da wohl auch zu klein, um relevante Aussagen machen zu können.
(Österreich: 13%, Schweden: 11%)

Hast du irgendwelche andere Quellen? Ansonsten können wir über die Leistung von Einwanderkindern in Finnland schlicht und einfach keine Aussage machen.

Die unterschiedliche Zusammensetzung von Migrantenpopulationen wird im Bericht ausdrücklich als Grund für Leistungsunterschiede herausgestrichen:

"Die Art der Bildungsnachteile für ethnischen Minderheiten angehörende Schülerinnen und Schüler und/oder Migrantenkinder wird in erheblichem Maß von dem Kontext bestimmt, aus dem sie kommen, und ist offensichtlich nicht ausschließlich auf das Bildungssystem des Aufnahmelands zurückzuführen. Ein Bildungsnachteil, der bereits im Herkunftsland vorhanden war, kann sich im Aufnahmeland noch vergrößern, selbst wenn sich die schulischen Leistungen der betreffenden Schüler absolut betrachtet möglicherweise verbessert haben."

"Bei der Interpretation von Leistungsdifferenzen zwischen einheimischen Schülern und Schülern mit Migrationshintergrund gilt es zudem, Unterschiede zwischen den Ländern hinsichtlich der Merkmale ihrer Migrantenpopulation zu berücksichtigen, z.B. die nationale Herkunft und den sozioökonomischen, bildungsbezogenen und sprachlichen Hintergrund. Die Zusammensetzung der Migrantenpopulation wird überdies durch die Einwanderungspolitik und -praxis beeinflusst, und die Kriterien für die Aufnahme von
Migranten sind je nach Land sehr unterschiedlich. Während einige Länder jedes Jahr eine relativ große Zahl an Zuwanderern aufnehmen und dabei oft wenig selektiv vorgehen, sind die Zuwandererströme in anderen Ländern wesentlich geringer bzw. Gegenstand einer stärkeren Selektion. Zudem bestehen zwischen den Ländern Unterschiede in Bezug auf den Grad, in dem die soziale, bildungsmäßige oder berufliche Stellung der Zuwanderungskandidaten bei der Entscheidung über die Erteilung der Einwanderungserlaubnis oder der Staatsbürgerschaft berücksichtigt wird. Folglich stammen die Migranten in einigen Ländern tendenziell aus sozial besser gestellten Milieus als in anderen. So ist unter den OECD-Ländern festzustellen:

Australien, Kanada, Neuseeland und die Vereinigten Staaten sind Einwanderungsländer, deren Einwan derungspolitik besser qualifizierte Zuwanderer begünstigt (OECD, 2005b).
..."

Überspitzte Kurzfassung: Hochqualifizierte Einwanderer bekommen hochbegabte Kinder.

Die Grafik 4.2a zeigt keine großartigen Unterschiede zwischen westeuropäischen Ländern wie Schweden, Österreich, Belgien, Schweiz, Deutschland, Niederlande usw. Nur Großbritannien ist auffällig besser. Auffällig ist auch der gravierende Unterschied zwischen Kanada und den USA.
Hier muss man aber auch berücksichtigen, da aufgrund der kleineren Stichprobe nur sehr große Unterschiede statistisch signifikant sein düften.

Und bei den Gesamtergebnissen liegt Schweden wie aus den Tabellen zu entnehmen in den Bereichen Mathematik und Naturwissenschaft hinter Österreich, allerdings nicht statistisch signifikant. Bei der Lesekompetenz liegt Schweden vorne und erreicht dabei das Signifikanzniveau leicht, allerdings mit geringer Effektgröße. (nur 17 Punkte Abstand)

[1] https://www.polixea-portal.de/index.php/Common/Document/field/document/id/73818
harald.walser - 26. Okt, 00:06

Eine Bitte an Dieter:

Bitte nicht so lange Zitate, sondern kurz das herausheben, was wichtig ist!
Ich habe zu Finnland geschrieben, dass ich vor Ort war und einen - zugegeben subjektiv gefärbten - Eindruck von der Art und Weise bekommen habe, wie man Migrantenkindern schulische Chancen eröffnen möchte: zusätzliche Sprachkurse gab es da genauso wie den Einsatz besonders geschulter SozialarbeiterInnen. Das ist der Weg, den auch wir einschlagen wollen/sollten.
Schweden liegt in der letzten PISA-Studie im - für mich als Deutschlehrer wichtigsten, weil zentralen Untersuchungsbereich - "Leseverständnis" deutlich (507) über dem OECD-Durchschnitt (492). Vor allem aber sind die Skandinavier generell und Schweden (4. Stelle!) besonders in Sachen Chancengleichheit Vorreiter und ebenfalls deutlich über dem OECD-Durchschnitt. Also: Warum sind wir so stur und schauen uns diese Länder nicht genauer an und übernehmen das, was für uns vorteilhaft ist?

linksvorderer (Gast) - 26. Okt, 07:46

Immer dieses Vergleichen und die Kennzahlen

Es ist eine richtige Seuche geworden.
Vergleiche und Kennzahlen über eine grosse Masse zu stülpen.
Die Methode stammt aus der "vegangenen" Wirtschaftsepoche, welche gerade eingesegnet wird. Jede halbwegs gebildeter weiss, dass man mit Kennzahlen alles abbilden kann, nur keine Menschen.
Es ist Selbstbetrug und Zahlenspielerei und ändert nichts an den Zuständen. Wir brauchen Leute mit Herz und keine Mainstream´ler.

Alles Gute zum Nationalfeiertag
steppenhund - 26. Okt, 09:31

Zustimmung

Kennzahlen sind nicht das Schlimme, es sind die Menschen, die nicht wissen, was hinter den Kennzahlen steht.
10 Millionen Menschen sterben pro Jahr an Hunger. Damit fordert der Hunger mehr
Opfer als Tuberkulose, Malaria und Aids zusammen. Insgesamt sterben jährlich 30
Millionen Menschen an Hunger und dessen Folgen, wie Durchfall, Masern und Röteln. Das
sind täglich über 80.000 Menschen. (Quellen: AlertNet 2005, FIAN 2005)
Alle 5 Sekunden stirbt ein Kind an Hunger. Das sind rund 6,5 Millionen Mädchen und
Burschen im Jahr. In den so genannten Entwicklungsländern ist jedes vierte Kind unter 5
Jahren untergewichtig (rund 146 Millionen) viele davon in lebensbedrohlichem Ausmaß.
(Quellen: AlertNet/FAO 2005, UNICEF-Report "Progress for Children: A Report Card on
Nutrition" 2006)

Das sind auch Kennzahlen. Wer versteht, was dahinter steht?
-
Dass Ökonomen nur die Kennzahlen verwenden, die ihnen zu Gesicht stehen ist bekannt. Ich habe da auch eine Kennzahl: 98% aller Wirtschaftsfachleute in Banken und Konzernen sind Ar...löcher.
Wie werten wir jetzt dieses Ergebnis aus?
dieter (Gast) - 26. Okt, 23:53

@Harald:

Die PISA Studie ist auf eine Standardardabweichung von 100 normiert. Ohne die Standardabweichung kann man überhaupt nicht einschätzen, wie groß ein Unterschied tatsächlich ist. Die 17 Punkte zwischen Schweden und Österreich sind nur ein Sechstel einer Standardabweichung. Das bedeutet, dass 43% aller österreichischen Schüler immer noch besser sind, als das schwedische Mittel. Als Deutschlehrer kannst du vielleicht abschätzen, wie stark man das Niveau anheben müsste, damit 50% über die Hürde kommen. (Das alles betrifft freilich sämtliche Schüler, nicht nur den oberen Abschnitt, den die AHS abdeckt.)
Und dieser kleine Unterschied kann durch unzählige Ursachen bewirkt werden. Vielleicht lesen die Skandinavier bei dem schlechten Wetter mehr oder schwänzen die Schule seltener. Vielleicht ist die Sprache verständlicher. Vielleicht essen die Skandinavier mehr Fisch, was ein paar Punkte beim IQ bringt usw. Es ist einfach unzulässig, vorweg anzunehmen, dass die Strukturierung des Schulsystems den Unterschied ausmacht.

Wesentlich gravierender ist der Abstand zwischen Burschen und Mädchen, nämlich 45 Punkte, also eine halbe Standardabweichung. Zwei Drittel aller Burschen haben somit eine schlechtere Lesekompetenz als Mädchen im Mittel.

Und genau hier stehen die skandinavischen Länder noch um ein paar Punkte schlechter da, als Österreich. Finnland ist Schlusslicht. Wie man Burschen voran bringt, lernen wir von Skandinavien also nicht.
(Kleine Klugscheisserei: Finnland gehört übrigens gar nicht zu Skandinavien. ;-) )

Vorreiter sind Taipeh und Macau mit nur 21 Punkten Differenz. In der OECD steht die Schweiz mit 30 Punkten am Besten da. Als Deutschlehrer könntest du also mal in die Schweiz fahren und dir ansehen, was für ein Material die Burschen dort zu lesen bekommen. Das könnte man leichter auf Österreich übertragen, schließlich haben wir die gleiche Sprache und eine ähnliche Kultur. Da muss man nicht die ÖVP und die FPÖ von der Gesamtschule überzeugen.

Wenn wir die Burschen auf das Niveau der Mädchen heben könnten, dann überholen wir die Schweden mit Links. Wird Lesekompetenz, also das gezielte Verstehen von Texten im Deutschunterricht eigentlich forciert? Könnte mich nicht an derartiges aus meiner Schulzeit erinnern.

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