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20. Februar 2009

Neue Mittelschule: Chance oder Flop?

Unter diesem Titel hat gestern Abend in der Hauptschule Rankweil vor vollbesetztem Haus eine spannende Podiumsdiskussion stattgefunden. Der weite Weg von Wien ins Ländle hat sich gelohnt. Der "Arge Gemeinsame Schule" ist es mit einem hochkarätig besetzten Podium gelungen, einerseits das Positive der momentanen Entwicklung herauszuarbeiten (viel Bewegung und Engagement an den Hauptschulen, pardon: Neuen Mittelschulen), andererseits aber auch auf das zentrale Problem hinzuweisen: Solange die politisch Verantwortlichen im Land nicht klar das Ziel der Schulversuche vorgeben, kann das Ergebnis "nur" eine Verbesserung der Hautschule sein, nicht aber der notwendige Schritt hin zu einer gemeinsamen Schule.
Lassen wir aber am besten jemand anders erklären, warum das so ist. Karl Heinz Gruber, er lehrt Vergleichende Erziehungswissenschaft an der Universität Wien, hat im "Standard" die entscheidende Frage beantwortet, warum die Neue Mittelschule das Problem der zu frühen Auslese nicht beseitigen, sondern verschärfen wird. Und er hat erklärt, warum es bei uns in Sachen Bildungsreform noch immer keine konsequenten Schritte in die richtige Richtung gibt: Die gemeinsame Schule der 6- bis 14-Jährigen sei für die Konservativen im Land halt noch immer ein "Politisches Teufelszeug"!

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Kommentare
Alimentarius (Gast) - 20. Feb, 08:58

Gesamtschule Allheilmittel oder "Irrweg"?

Die Gesamtschule in Form einer Ganztagsschule ist zweifellos die Schulform der Zukunft, vorausgesetzt die wirtschaftlichen Verhältnisse bleiben trotz Wirtschaftskrise so stabil, dass wir uns diese auch leisten können. Dennoch haben beispielsweise die Bayern mit dem "alten" Schulsystem beachtliche Erfolge.

Der Vergleich macht sicher:

"Die PISA-E-Studie hat erneut ergeben, dass bayerische Schülerinnen und Schüler mit den Spitzenländern Finnland, Kanada und Korea ohne Probleme mithalten können. "Gerade unsere bayerischen Realschüler schneiden im Vergleich sehr gut ab. So erreichten die Schüler in der naturwissenschaftlichen Kompetenz die gleiche Punktzahl wie der Spitzenreiter Finnland, nämlich 563 Punkte!", so Huber stolz. Der Erfolg des gegliederten Schulwesens in Bayern ist auch an der Tatsache festzumachen, dass nur ein geringer Prozentsatz von Realschülern und Gymnasiasten in Bayern die Kompetenzstufe II im Lesen und in Mathematik nicht erreicht haben. Bundesweit liegt das Nichterreichen hingegen bei 15,7 Prozent. Bestätigt wird die bayerische Bildungspolitik zudem, weil aus der PISA- und der heute veröffentlichten TIMMS-Studie klar hervorgeht, dass die deutschen Integrierten Gesamtschulen die Ergebnisse der Grundschulen noch einmal um bis zu 190 % verschlechtern. "Diese Ergebnisse sollten doch endlich zeigen, dass die Gesamtschule ein Irrweg ist."

Georg Schelling (Gast) - 20. Feb, 20:35

Dr. Walser verstummt!

Dr. Walser hat es ob dieser überzeugenden Gegenrede offensichtlich die Sprache verschlagen - der Herr Oberlehrer taumelt derzeit mit seiner grünen Chaostruppe ohnehin von einem Desaster ins andere - das soll uns aber nur recht sein, immerhin sind heuer ja Landtagswahlen im Ländle!!
harald.walser - 21. Feb, 01:08

Nicht gerade verstummt, aber viel zu tun!

Ich weiß nicht auf welche PISA-Studie sich Alimentarius bezieht, im Internet habe ich folgende Aussendung der GEW Bayern gefinden:
Bayern liegt zwar im nationalen Vergleich ganz vorne, belegt aber im internationalen Vergleich keine Spitzenpositionen. Bayern liegt hier auf den Plätzen 10 (Lesen), 11 (Mathematik) und 12 (Naturwissenschaften).
Bayern unterscheidet sich offensichtlich bei den Schülerinnen- und Schülerleistungen von den anderen Bundesländern positiv, aber Bayern gelingt es nicht, wie den bei PISA international erfolgreichen Ländern, zwei Ziele miteinander zu vereinbaren: gute Leistungen und höhere Bildungsabschlüsse für möglichst viele Schülerinnen und Schüler.
Bei den Schulabgängerinnen und Schulabgängern mit Hochschulreife liegt Bayern an letzter Stelle von allen Bundesländern mit 28,7 % (19,7 % Allgemeine Hochschulreife, 9,0 % Fachhochschulreife). Die bei PISA international führenden Länder Finnland und Irland haben Hochschulzugangsquoten von 89 % !
23 % aller nicht-deutschen Schülerinnen und Schüler erreichen in Bayern nicht einmal den Hauptschulabschluss.
Die Unterschiede in der Bildungsbeteiligung zwischen den einzelnen Regionen Bayerns sind enorm und sicher nicht auf „angeborene Begabungsunterschiede“ zurückzuführen. So beträgt der Anteil der Hauptschülerinnen und –schüler in der Jahrgangsstufe 7 in den Landkreisen München und Starnberg ca. 25 %, während er in Hof bei ca. 60 % liegt (Schuljahr 1996/97).
„Es gibt also keinen Grund für das bayerische Kultusministerium in Selbstzufriedenheit zu verharren. Trotz der guten PISA-Ergebnisse besteht Reformbedarf. Bayern sollte sich dabei an den bei PISA-International erfolgreichen Ländern wie Finnland orientieren“, so Schorsch Wiesmaier.
dieter (Gast) - 21. Feb, 20:52

Wieder mal Zahlenklauberei der Statistikbanausen.

GEW Bayern schreibt: "Bayern liegt zwar im nationalen Vergleich ganz vorne, belegt aber im internationalen Vergleich keine Spitzenpositionen. Bayern liegt hier auf den Plätzen 10 (Lesen), 11 (Mathematik) und 12 (Naturwissenschaften)."

Positionen in einem Ranking sind völlig wertlos zur Einschätzung der Situation. Man muss die Punktezahlen kennen, die Normierung der Skala und ob abhängig von der Stichprobe überhaupt ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Plätzen besteht.

Darüber hinaus bezieht sich das Zitierte auf die Studie von 2003, nicht auf 2006.

2006 hat Bayern zugelegt und liegt mit Finnland gleichauf. Sachsen liegt aber mit einer Gesamtschule noch vor Bayern.

Wir wissen letztlich praktisch gar nichts. Es ist unzulässig von der Leistung der Schüler monokausalistisch auf Schulsysteme zu schließen und noch unzulässiger ein paar Zahlen aus dem Datensalat herauszupicken, um sich die eigenen ideologischen Vorurteile zu bestätigen.

Hier ist die letzte PISA-Studie:
https://www.polixea-portal.de/index.php/Common/Document/field/document/id/73818

Wenn man die Frage wirklich aufklären will, ob die Gesamtschule schulische Leistungen in Österreich fördert, müsste man statistisch verwertbare Feldversuche machen. Also einen Teil jeweils vergleichbarer Schulbezirke auf Gesamtschule umstellen und dann beobachten.

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