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27. Februar 2009

Chaos in der Bildungspolitik!

Schön langsam ist die Vorgangsweise von Ministerin Claudia Schmied nicht mehr nachvollziehbar.
Einerseits werden in Ho-Ruck-Manier gravierende Maßnahmen über die Schlechterstellung aller LehrerInnen per E-Mail öffentlich gemacht. Zwei Stunden mehr für alle - weil die LehrerInnen einen Solidarbeitrag zahlen sollen. Okay! Dann aber bitte auch MinisterInnen, BankmanagerInnen - oder alle anderen Beamten, und die Bankangestellten und und und. Der Vorschlag von Ministerin Schmied ist Populismus pur, unterstellt LehrerInnen generell, sie arbeiteten zu wenig und erinnert stark an die Gehrer-Ära.
Andererseits das Chaos in Sachen Neue Mittelschule: Inzwischen rücken immer mehr von diesem Schulversuch ab, Stellungnahmen wie jene der Wirtschaftskammer nähern sich immer mehr der Position der Grünen an. Erst wenn das Ziel der Reform klar ist, können auch zielgerichtete Maßnahmen in diese Richtung gesetzt werden. Das leuchtet wohl jedem ein. Das Ziel von Landesrat Stemer dürfte aber ein deutlich anderes sein als jenes von Mnisterin Schmied: nur sagen sie es beide nicht. Daraus resultiert das derzeitige Chaos: Es gibt nicht einen Versuch, sondern in jedem Bundsland ein eigenes Modell, innerhalb der BUndesländer - besnders krass in Vorarlberg - hat noch dazu fast jeder Standort ein anderes Modell. Was soll da evaluiert werden?
Übrigens: Die heutige Nacht im Parlament hatte es in sich. Nachdem die FPÖ uns Grünen vorwarf, wir würden in Tirol gemeinsame Sache mit den Faschisten machen, wenn es nur gegen Andreas Hofer und die "traditionellen Werte" ginge, habe ich mich in eine scharfe, aber lustvolle parlamentarische Auseinandersetzung mit einigen Radikalinskis aus der blauen Riege (Königshofer und Neubauer) eingelassen. Gegen zwei Uhr früh (!) musste ich im Parlament dann noch gegen eine weitere populistische Attacke gegen LehrerInnen Stellung beziehen: Das BZÖ brachte einen Antrag ein, der die LehrerInnen in den letzten drei Ferienwochen zu unentgeltlicher Nachhilfe verpflichten möchte. Die orangen Herrschaften nennen das in ihrem Antrag selbst eine „unkonventionelle Idee“. Präziser wäre wohl, sie als „Schnapsidee“ zu bezeichnen.
Dabei ist das Problem bei jährlich etwa 50.000 SchülerInnen mit einem oder mehreren „Nicht Genügend“ im Jahreszeugnis durchaus real. Statt aber auf Ursachenforschung zu gehen, wird versucht, mit untauglichen Mitteln Symptome zu kurieren. Derzeit organisieren viele Eltern schon für die VolksschülerInnen bezahlte Nachhilfe (laut einer AK-Studie sind es acht Prozent!).

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Kommentare
Armin Soyka (Gast) - 27. Feb, 19:38

Angesprochener Brief inkl. Anmerkungen

Wien, 26. Februar 2009

Liebe Lehrerinnen und Lehrer,
liebe Eltern,
liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!

Österreich, Europa und die gesamte Welt befinden sich in der größten Wirtschaftskrise seit 1945. Die Auftragslage der Wirtschaft verzeichnet besorgniserregende Einbrüche, Kurzarbeit und Entlassungen sind traurige Realität. Viele Menschen machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Die Arbeitslosigkeit, vor allem bei jungen Menschen, steigt an.
Die Bundesregierung setzt engagierte Schritte gegen diese Krise: Investitionen zur Konjunkturbelebung, Stabilisierungsmaßnahmen für den Finanzmarkt und Beschäftigungsprogramme. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit ist für alle eine große Herausforderung. Auch budgetär. Wir dürfen das Budget nicht aus dem Ruder laufen lassen.
Vor diesem Hintergrund wurden die Budgetgrundlagen des Finanzministeriums erarbeitet. Das Bildungsministerium erhält als eines von wenigen Ressorts ein höheres Budget. Allerdings reicht diese Erhöhung nicht aus, um die von der Bundesregierung ambitionierten Verbesserungen in den Schulen zu realisieren. Verbesserungen, die für unsere Kinder notwendig sind. Strukturmaßnahmen im Personalbereich werden vom Finanzminister gefordert.
Kleingruppenunterricht, kleinere Klassen, Förderkurse, Deutschkurse, bessere Ausstattung der Schulen, Ausweitung der Tagesbetreuung, Lehre und Matura, Verbesserung des berufsbildenden Schulwesens, Erhöhung des Fortbildungsangebotes – alle diese Maßnahmen kosten Geld(I). All diese Maßnahmen sind durch die Budgetvorgaben alleine nicht leistbar. Es gäbe daher nur zwei Möglichkeiten. Entweder wir reduzieren das Angebot für unsere Kinder, kürzen bei knappem Budget Schulstunden, vergrößern die Klassen wieder, streichen Förderkurse und stoppen damit die Bildungsreform. Oder wir erhöhen den Einsatz unserer Lehrerinnen und Lehrer im Klassenzimmer. (II)
Wer an die Zukunft unserer Kinder und unseres Landes denkt, muss sich für einen
Solidarbeitrag der Lehrerinnen und Lehrer entscheiden. Denn: Niemand will eine Jugend ohne Perspektive. Was passiert, wenn man bei der Bildung spart, haben wir vergangenes Jahr bei den Ausschreitungen in Griechenland erlebt. Mit mir wird es keine Kürzungen bei der Bildung der Kinder geben. (III)
Vor dem Hintergrund internationaler Gegebenheiten ist eine Anhebung der Zeit im Unterricht ein vertretbarer Solidarbeitrag der Lehrerinnen und Lehrer, zumal diese Leistung für bildungspolitisch so wichtige Programme, wie etwa mehr Förderkurse oder mehr Kleingruppen eingesetzt wird. Die Leistung kommt der Bildung unserer Kinder zu gute.
Wir wollen die beste Bildung für alle Kinder. Es geht nicht um Sparen, um Abbau der Lehrer, um Stundenkürzen, um Leistungsabbau. Ganz im Gegenteil! Es geht um eine Ausweitung des Angebotes, um mehr Beschäftigung der Lehrer im Klassenzimmer (IV), damit wir in der Bildung endlich an internationale Spitzenleistungen anschließen (V). Es geht auch um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Lehrerinnen und Lehrer. Die Verkleinerung der Klassen war ein wichtiger Schritt. Auch investieren wir in die Lehrer-Ausbildung und in die Schulbauten.
Der Beitrag der Lehrerinnen und Lehrer ist für die Verwirklichung der Verbesserungen unserer Schulen entscheidend. Wenn sich jetzt manche Funktionäre im Ton vergreifen (VI), dann verkennen sie den Ernst der Lage.

Diese Maßnahme ist unabdingbar. Diese Maßnahme ist im Hinblick auf internationale
Gegebenheiten und als Re-Investition in das Bildungssystem auch zumutbar. Deshalb fordere ich von den Lehrerinnen und Lehrern diesen Solidarbeitrag ein. Die Bildung unserer Kinder und die Fortsetzung des Reformkurses sind meine Motivation.

Mit herzlichen Grüßen

----
I Was die wirklichen Löcher ins Budget reißt sind die undruchdachten neuen Mittelschulen, die in 4 oder 5 Jahren als schief gegangener Versuch einer inkometenten Politikerin sowieso wieder beseitigt werden (wie auch die kooperative Mittelschule)
II Oder wir sagen nein zu inkompetenter Politik und holen uns Experten ins Bundesministerium, nicht Bankerinnen, deren einzige Berechtigung zum Ministerposten in ihren Eierstöcken zu suchen ist!
III Oder anhand Österreichs Ergebnissen beim Pisatest die letzten X Jahre
IV Der Ministerin ist anscheinend (logischer Weise, sie war ja noch nie Lehrerin) nicht bewusst, dass (gewissenhafte) Lehrer bereits weit mehr als 40 Stunden die Woche arbeiten!
V Man muss die Frau BM wohl daran erinnern, dass Österreich Weltspitze war - sehr sehr lange und nur durch inkompetentes Wirtschaften, Mutlosigkeit und Inovationsverdrossenheit der Politiker - legitimiert und geduldet durch (die ganzheitlich schlecht gebildete) Bevölkerung - wir soweit abgerutscht sind (wir sind nicht abgestürtzt, wir sind nur stehen geblieben und wurden überholt)
VI Sich im Ton zu vergreifen ist natürlich nicht lobenswert - sich in der Art so daneben zu benehmen und derart relevante Themen per Medien auszurichten ist ja wohl UNTER JEDER SAU - Was ich darin sehe ist ein krampfhaftes Wichtigmachen und ins mediale Zentrum drängen!

wome - 28. Feb, 13:42

am eigentlichen Kern vorbei

Geht die Aufregung, die die Aussage der Ministerin, sie wolle LehrerInnen 2 Stunden in der Woche mehr in der Klasse (an der Schule) sehen, nicht am eigentlichen Kern vorbei. Die Ministerin hat ja für die LehrerInnen nicht die 48 Stundenwoche gefordert. Sie möchte, wenn ich sie richtig verstehe, dass die LehrerInnen mehr bei den SchülerInnen sind. Was soll daran falsch sein. LehrerInnen sind wichtige Bezugspersonen für die Jugendlichen. Die Zeit, die sich miteinander täglich verbringen, ist unter umständen mehr, als die verbrachte Zeit der Kinder mit den Eltern.
Ob Mittelschule hin oder her, eine Ganztagsschule wäre auch in Österreich sinnvoll. Ich bin selber in der Schweiz in eine solche (Primarschule) gegangen. Der Kontakt mit meinem Lehrer war sehr wichtig. Er wurde für mich zu einer wichtigen Bezugsperson. Setzt allerdings voraus, dass LehrerInnen dafür auch gut ausgebildet sind.

Armin Soyka (Gast) - 28. Feb, 14:04

Ja, aber

Das eine ist ohne das andere nicht zu erreichen! Wenn ich von jedem 2 Stunden mehr Klassenkontakt oder in der Klasse stehen verlange, dann muss er sich auch auf diese Stunden vorbereiten: Resultat 4 Stunden mehr!
harald.walser - 28. Feb, 15:47

Das ist durchaus der Kern des Problemes:

Auf die de facto geforderte 44-Stunden Woche hat Armin Soyka ja schon geantwortet, ansonsten soll die Ministerin offen sagem, dass aus ihrer Sicht LehrerInnen bilang weniger gearbeitet haben.
Die Forderung nach der Ganztagsschule halte ich pädagogisch für noch wichtiger als jene nach der gemeinsamen Schule: Nicht nur, aber auch dafür brachen wir ein neues LehrerInnen-Dienstrecht - und dann wird sich schnell herausstellen, wer in diesem Land für welche Schule steht und wer nur für Blockade steht!
wome - 28. Feb, 17:48

44 Stundenwoche

Lieber Harald,
wir kennen vermutlich beide genügend KollegInnen, die kaum auf eine 40-Stundenwoche kommen, wie wir auch genügend KollegInnen kennen, die schon jetzt weit über 40-Stunden für die Schule arbeiten. Das ist ja die Crux. Das Dienstrecht "belohnt" die Engagierten nicht. Daher halte ich die Kampagene der Gewerkschaft nun auch für falsch, denn sie schützt pauschal diejenigen, die schon jetzt nicht auf 40 Stunden kommen und fördert nicht die Engagierten. Dass es unter Neugebauer zu einem neuen LehrerInnendienstrecht kommt, glaubst Du wohl selber nicht. Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr.
harald.walser - 28. Feb, 18:50

Das ist ja genau das Problem,,

deshalb brauchen wir ein neues LehrerInnen-Dienstrecht, das Leistung und Engagement belohnt. Und was macht Schmied? Sie schert wieder alle über einen Kamm, "bestraft" so die Engagierten, frustriert diese und bürdet ihnen noch mehr Arbeit auf. Das halte ich für kontraproduktiv. Die "ProblemkollegInnen" überstehen diese Maßnahme hingegen fast ungerührt.
Lehrer (Gast) - 9. Mär, 09:01

Augenauswischerei

Wenn in den Medien nicht langsam ein angriffslustiger rhetorisch geschulter sarkastischer Gewerkschafter oder Lehrer auftritt, der nicht die beleidigte Leberwurst abgibt sehe ich in einer nicht konsensorientierten unsachlichlichen und unnötigen Diskussion schwarz, wo sich offenbar jeder Trottel zu Wort meldet auch wenn er keine Ahnung von Thema hat.
zwei Stunden klingen lächerlich was sie aber nicht sind. Die Medien berichten einfach populistisch und haben vergessen was Journalismus bedeutet. Recherche scheint zum Fremdwort verkommen zu sein.
Die meisten Meldungen fordern eine Aufbewahrungsstätte Schule und hacken auf Lehrer, die angeblich nicht genug arbeiten, pragmatisierte Privilegienritter sind und nur ihren Urlaub planen.
Hier wird eine Berufsgruppe auf niederträchtigste Weise verheizt.
Stellen sie sich vor wir zählen die Arbeitsstunden von Schauspielern nach ihrer Zeit auf der Bühne, Politiker wie viele Stunden sie im Parlament sitzen oder Feuerwehrleute nach ihrer Einsatzzeit, Portiere wenn sie mit einem Kunden sprechen usw. ... auf dieser Ebene bewegt sich leider die Schuldiskussion.
Wenn die Menschen wirklich vernünftig informiert würden könnte man eine sachliche Diskussion starten, die auch einmal den Schülern nützt. Wir befinden uns leider in einer Medienhetze und
das haben unserer Ministerin Schmied zu verdanken. Jetzt soll auch noch die Bezahlung vereinheitlicht werden egal wie viel man macht ohne Qualitätsforderung und Anreiz.
Mit Quantität wird Schmied nichts Positives bewirken, die Motivation der Lehrer ist kaum mehr vorhanden.
Das Schmiedsche Schulsystem wirkt wie Augenauswischerei ohne inhaltlichen Sinn, schlecht oder gar nicht durchdacht ein leeres nicht tragfähiges Gerüst.
Eine Bankerin hat im Schulsystem nichts verlohren und sollte endlich ihre Drohung wahr machen und zurücktreten.Dies wäre nicht nur für Lehrer besser, sondern auch für unsere Kinder und die Zukunft des Landes.

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