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4. März 2009

Bildungskarrieren entscheiden sich im Kindergarten!

Das wissen eigentlich alle Fachleute, das sagen die ExpertInnen der Ministerin. Und was geschieht? Statt durchdachter Konzepte und klugen Strukturreformen gibt es markige Sprüche, Kampfansagen an die LehrerInnengewerkschafter, peinlichen Budgetpoker und
LehrerInnen-Bashing.
Der am Montag präsentierte Bericht der Expertengruppe zu den PISA-Ergebnissen beinhaltet eigentlich alles, was wir brauchen und analysiert die Probleme richtig: Wohlsituierte und gut ausgebildete Eltern geben ihre Kinder früh in den Kindergarten und sorgen so für die optimale Frühförderung. MigrantInnen und sozial schwache Familie können sich für ihre Kinder diesen "Luxus" meist nicht leisten. Ihre Kinder werden bei Platzmangel abgewiesen. Dieser bildungspolitische Zynismus muss beendet werden. Wir brauchen einen Rechtsanspruch auf einen Gratis-Kindergartenplatz.
Frühförderung ist der Schlüssel zum Erfolg, gefolgt von einem ganztägigen Schulangebot und einer gemeinsamen Schule.
Auf einen Einwand möchte ich näher eingehen, weil ich in der letzten Zeit einige Mails dazu bekommen habe und auch Blog-Einträge in diese Richtung gingen: Man raube den Kindern durch die Ganztagsbetreuung ihre Kindheit und den Eltern ihre Kinder. Ganztagsbetreuung ist im Bereich des Kindergartens und der Schule notwendig, weil die gesellschaftliche Realität sich nicht an überkommene Wunschvorstellungen von der "heilen Familie" (möglichst noch mit der Großmutter) hält. In vielen Familien werden die Grundbedürfnisse von Kindern nach Nähe nicht oder nicht ausreichend befriedigt, sie bleiben in der Sprachentwicklung und in der Erlangung von Sozialkompetenzen zurück und benötigen daher Unterstützung und Hilfe. Eine gut geführte Ganztageseinrichtung ist eine Möglichkeiten, diesen Kindern diese Entwicklungsmöglichkeit zu geben, sie gibt ihnen die Chance, ihre Defizite auszugleichen. Das hat nichts mit Verstaatlichung des Privaten zu tun - es ist als Angebot zu verstehen.
Das ist im Übrigen bei Fachleuten unbestritten: "Die Ganztagsschule ist eine notwendige Voraussetzung für ein erfolgreiches Schulsystem", sagt beispielsweise Bildungsforscher Andreas Schleicher, der Koordinator der PISA-Studie. Sie dürfe aber keine "Kinderverwahranstalt am Nachmittag" sein. Und der Hirnforscher Manfred Spitzer attestiert: "Die alternative sinnvolle Nachmittagsgestaltung ist wichtiger denn je."
Darüber sollten sich Schmied und Pröll unterhalten und geeignete Maßnahmen beschließen, damit Österreich international im Bildungsbereich wieder eine Spitzenposition einnehmen kann.

Trackback URL:
https://haraldwalser.twoday-test.net/stories/5557295/modTrackback

Trackbacks zu diesem Beitrag

mariolechner.twoday.net - 4. Mär, 11:10

SPÖ wieder im strategischen Out-back.

Klassisch, wie sich die Roten von... [weiter]
Kommentare
Andy (Gast) - 4. Mär, 01:28

Naja.....

Ich gebe zu, dass ich nicht studiert habe, aber das auf den nicht besuchten Kindergarten zu schieben, würde mir im Traum nicht einfallen - egal, wieviele Experten das annehmen würden!
Ich gebe zu, nach meiner Kindheit vormittags bei der Grossmutter (meine Mutter war Alleinerzieherin, der grosse Bruder war Student), fiel mir der Gang in die Volksschule anfangs schwer, noch dazu, weil der Schock des Halbinternats bei den Piaristen wartete...

Es war aber nach relati kurzer Eingewöhnungszeit gar nicht so schlimm, im Gegenteil, ich hatte vorher weit mehr gelernt als meine Klassenkameraden, die durchwegs vorher im KiGa waren, denn während die beim ersten Asterix noch über die lustigen Zeichnungen lachten, wusste ich schon von meiner Familie, warum welche Sprechblase witzig gemeint war und welchen Hintergrund die jeweils hatte!
Für alle, die jünger sind:
Das erste Heft in Österreich war übrigens "Asterix und Cleopatra", nicht, wie fälschlicherweise angenommen, "Asterix, der Gallier".

steppenhund - 4. Mär, 01:37

Also ich weiß nicht. Ich kam mit sechs in die Schule. Vorher hatte ich nur Kontakt mit den Eltern, der Schwester und vielleicht mit einem oder zwei Jungen, die auch im Vorgarten der Wohnungssiedlung in Linz spielten.
Ich unterrichte heute nebenberuflich an der TU Wien und an der TU Leipzig und kann mich mit vier beherrschten Sprachen durchaus durch die Welt schlagen.
Ich war übrigens nur auf öffentlichen Schulen, genau diejenigen, die immer am nächsten zum Wohnort lagen - einmal in Linz, einmal in Wien.
Ich habe über diese Geschichte mit der Frühförderung schon geschrieben. https://steppenhund.twoday.net/stories/wie-vertrottelt-kann-es-noch-werden/main
-
Ich gebe zu, dass meine Kinder mit vier in den Kindergarten kamen. Sie wären sonst nicht in die betreffende Schule (eine Waldorfschule) aufgenommen worden. Und ich habe durch 16 Jahre hindurch gerne die entsprechenden Schulbeiträge bezahlt, weil ich den Einsatz der Lehrer für bewundernswert empfand. Andere kaufen sich statt dessen teure Autos und den Flachbildschirm 5*3 Meter.
Nichts gegen einen vernünftigen Kindergarten. Vielleicht können die Kindergärtnerinnen wirklich pädagogisch wirksamer agieren als die Eltern. Dann aber bitte ab 6 Wochen. Denn irgendwo gibt es auch Experten, die meinen, dass die Zeit vor dem dritten Geburtstag die prägende ist.

steppenhund - 4. Mär, 01:40

Bildungskarrieren entscheiden sich übrigens auch, wenn die Mütter während der Schwangerschaft rauchen und Alkohol trinken. Vermutlich wird da schon viel nachhaltiger der mögliche Bildungsweg beschnitten.

heinz starchl (Gast) - 4. Mär, 09:22

Bei der letzten Landtagswahl

haben sich die Vorarlbergs Grüne namentlich gegen den Gratiskindergarten ausgesprochen! Das Geld solle man lieber in Projekte stecken, die (gutbürgerlichen und angeblichen) "Alleinverdienerinnen" entgegenkommen.

Wenn sie jetzt auf den fahrenden Zug aufgesprungen sind, dann brauchen sie sich da nicht gleich als Fahrlehrer aufspielen. Fakt ist, dass weder Kinder noch Schulen für die Grünen bis zur Kandidatur von Harald Walser eine Rolle gespielt haben, bestenfalls in Sachen gesundes Pausenbrot und idiotischem Mülltennungstraining. Mülltrennen, sprich Abfallwirtschaft ist wichtiger als Deutsch und Mathematik.

Bleibt noch die Frage, was grüne LehrerInnen darüberhinaus tun:
https://raetischerbote.blogspot.com/2009/03/schulstreit-einheitsfront-der.html

steppenhund - 4. Mär, 09:43

Gut, auch wenn ich bei dem Thema der "frühen" Erziehung ziemlich allergisch reagiere, möchte ich die Leistung von Dr. Walser nicht schmälern. Wie Sie geschrieben haben, vorher war nichts oder wenig, jetzt gibt es wenigstens ein Sprachrohr.

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