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11. Juni 2009

Kein Kind darf verloren gehen!

Ein erfolgreicher und durchaus sozial denkender Kleinunternehmer hat mir gestern sein Leid geklagt: Er würde ja gerne Lehrlinge einstellen, aber deren Ausbildung und Kenntnisse sind so schlecht, dass es für sein kleines Unternehmen kaum möglich ist.
Anders ausgedrückt: Nach neun Jahren Schulpflicht verlassen viele JUgendliche unser Bildungssystem ohne ausreichende Kenntnisse. Diverse Studien bestätigen das: Österreich ist ein Land der RisikoschülerInnen. Unter den 15- bis 16-Jährigen hat jeder Dritte Probleme mit Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Bildungsexperten halten die persönliche und schulische Entwicklung dieser SchülerInnen durch diese Defizite für„ernsthaft gefährdet“.
Das Hauptproblem ist unser verkrustetes Bildungssystem, mit zuwenig Fördermöglichkeiten, mit der zu frühen Trennung der Kinder im Alter von zehn Jahren.

Das erhält zwar die Bildungsprivilegien der Oberschicht, ist aber weder sozial zu rechtfertigen noch volkswirtschaftlich: Der schulische Erfolg hängt in Österreich zu einem großen Teil an der Unterstützung durch das Elternhaus. Laut einer Studie der Arbeiterkammer müssen täglich 56 Prozent der Eltern ihren Kindern bei den Hausübungen helfen, bereits jede/r fünfte SchülerIn unter 14 Jahren benötigt private Nachhilfe. Das kostet jährlich rund 140 Millionen Euro.
Was die österreichische Schule braucht, ist ein Masterplan zur Überführung des bestehenden Systems, das auf Selektion setzt, in eine Schule, die auf Förderung setzt. Motto: Kein Kind darf verloren gehen. Ein Masterplan besteht aus kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Maßnahmen. Das reicht somit von individueller Förderung bis zur gänzlichen Erneuerung des Schulsystems.

Trackback URL:
https://haraldwalser.twoday-test.net/stories/5755208/modTrackback

Kommentare
Steffi (Gast) - 11. Jun, 10:44

Nicht isoliert zu sehen

Nach meiner Erfahrung sind der Hauptgrund für Lernprobleme Stress und Angst (und das nicht nur bei Schülern).
Die derzeit vorherrschende Politik der menschenverachtenden "Kultur" des Aufhetzens gegen konstruierte Sündenböcke (gut ausgesucht unter den Schwächsten, die sich nicht wehren können) sägt auf lange Sicht fleißig am eigenen Ast.
Sie erzeugt ein generelles Klima der Unsicherheit, lähmt den Verstand und die Zivilcourage und führt zu einem totalitärem System, das nur wenigen nützt und denen es sehr gut geht, die Mehrheit aber ein sklavenartiges Dasein fristet.
Unter Stress läuft das Gehirn im "Überlebensmodus", beschränkt sich also auf das Hemd, das einem näher ist als der Rock. Die Möglichkeiten, sich ein Leben in Frieden, Sicherheit, Wohlstand und Fortschritt auf- und auszubauen schwinden zunehmend.
Mit welcher Rechtfertigung maßt sich die "Elite" an, über ihren Mitmenschen zu stehen? Sie um die Früchte ihrer Arbeit zu bringen (working poor - wenn 3 Jobs nicht mehr zum Leben reichen)? Der Druck steigt und steigt, die Fähigkeit unseres Gehirns, die Hintergründe zu Durchschauen und einen positiven Lösungsweg zu finden sinkt - sowohl in der Schule als auch im tgl. Leben, für das wir ja lernen.
Der einzige Weg, noch angenehme Gefühle zu haben, scheint nur noch durch Komasaufen, Drogen, Gewalt an Unterlegenen (physisch und verbal), Generation Porno und sonstigen "Suchtverhalten" möglich zu sein.
Es liegt an jedem einzelnen von uns, aufzuwachen und sich die Fähigkeit zurückzuerobern, Verantwortung für das was so passiert zu übernehmen. Nicht mehr alles mit sich machen zu lassen unter dem Motto "die Welt ist halt so und ich hab keine andere Möglichkeit, als selbst zum Täter zu werden" (siehe das Experiment "die Welle"). Es liegt an uns, nicht mehr blind vor Angst und der daraus resultierenden Dummheit auf den Nächsten einzuschlagen (im Moment sind die Grünen ein beliebtes Ziel). Was macht das für einen Sinn? Bringt das eine positive Veränderung? Das hilft nur den wirklichen Profiteuren und verschlechtert weiter unsere Lage.
Ich kann nur allen Eltern raten, ihren Kindern mit Sicherheit und Ruhe den Rücken zu stärken, sie Vertrauen in ihre Fähigkeiten spüren zu lassen, keinen Druck zu machen sondern Verständnis zu zeigen und dadurch zu wecken. Ich selbst habe diesen Weg gegen den "Mainstream" gewählt, es war nicht leicht und hat etwas gedauert, aber es war ein voller Erfolg.

harald.walser - 11. Jun, 11:27

Druck herausnehmen ...

ist sicherlich notwendig. Das Notensystem ist zumindest in der Volksschule völlig antiquiert und kontraproduktiv. Lassen wir Kindern doch die nötige Zeit zum Lernen, damit sie neugierig bleiben!
arnobraendle.com (Gast) - 11. Jun, 14:30

Ziffernnoten sind GENERELL Quatsch

Dr. Rupert Vierlinger hat schon vor vielen Jahren schlüssig die Sinnlosigkeit der Ziffernnoten bewiesen und mit der direkten Leistungsvorlage ein bedeutend sinnvolleres Beurteilungsinstrument vorgestellt.
https://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/internet/ORGANISATIONORD/VIERLINGERORD/VierlingerAbschaffung.html
Direkte Leistungsvorlage in Kombination mit einem Kompetenzraster könnten die kontraproduktiven Ziffernnoten völlig ersetzen.
arnobraendle.com - 11. Jun, 18:29

Schulnoten sind doof!

Es ist Juni. Das Ende des Schuljahres droht. Manche Schüler versuchen noch verzweifelt ihren Notenschnitt anzuheben oder überhaupt das Durchfallen zu vermeiden. Die Lehrpersonen merken, ...

Weil ich oft mehr zu sagen hätte als in einen Kommentar hinengehört, habe ich mich entschlossen, einen eigenen Blog zu eröffnen. Unter www.arnobraendle.twoday.net finden sie einen BILDUNGsblog, der nur wenig mit Parteipolitik zu tun hat.
harald.walser - 11. Jun, 18:45

@ Arno

Super Initiative - gratuliere. Wurde natürlich sofort verlinkt. Viel Erfolg!
arnobraendle.com (Gast) - 11. Jun, 18:55

@ harald

Danke sehr...und dann noch so schnell! An einem Feiertag!!! Jetzt sieht man es wieder: Politiker und Lehrer arbeiten auch an Feiertagen.
Heinz Starchl (Gast) - 11. Jun, 11:15

Toll, dieser Blog

wenn kritische Beiträger bereits automatisch als SPAMMER ausgesondert werden.

Na dann viel Glück bei kommenden wahlen ...,

harald.walser - 11. Jun, 11:25

Was soll das?

Hier wurden vor einigen Monaten drei Beiträge gelöscht, weil sie persönliche Angriffe und Unterstellungen gegen Dritte zum Inhalt hatten. Alles andere ist stehengeblieben! Es gibt kein Spam-Filter.
arnobraendle.com (Gast) - 11. Jun, 14:21

Der Titel machts

Hier irrt der Bloginhaber. Es muss einen Spamfilter geben, denn auch mir wurden schon Einträge verweigert. Der Grund dafür war, dass der Titel eine URL oder etwas URLähnliches enthielt. Mit dem Inhalt hatte das nicht zu tun. Kein Grund zur Aufregung.
ameno (Gast) - 11. Jun, 21:13

kann arno's sicht bestätigen

dürfte bei allen twoday.net blogs so sein.
Helmi (Gast) - 11. Jun, 17:05

Wir brauchen eine Entmistung des Lehrplanes, kleinere Klassen und Erhöhung der Pausen (30 ´lernen 10´ gemeinsames Wiederholen des Stoffes, 20´Pause).

harald.walser - 12. Jun, 00:54

Das ist was dran!

Weg vom starren Stunden-System - hin zu einem flexibleren, das auch auf äußere Umstände Rücksicht nehmen kann. Das ist durchaus realistisch und funktioniert in vielen Ländern.
Mand (Gast) - 11. Jun, 20:45

senf

Sg. Herr Walser!

Ich kann vielen Ihrer Ideen durchaus Positives abgewinnen. Mich würde aber Ihre Einstellung zu einigen Teilansichten meinerseits interessieren:

Die Abschaffung von Leistungsgruppen halte ich für kontraproduktiv. Wenn ich mich an meine Hauptschulzeit erinnere, dann bin ich froh, dass ich von einigen desinteressierten & nicht-so-klugen Schülern getrennt war. Ob man deren Leistungsniveau ohne Leistungsgruppen erhöhen könnte, weiß ich nicht. Aber das Leistungsniveau der "besseren" Schüler würde sicherlich gesenkt werden. Es klingt zwar immer schön, "wir wollen keinen Schüler zurück lassen". Man muss aber realistisch bleiben, man kann nicht aus jedem Schüler ein Genie machen. Das bedingte Abschaffen vom "Sitzenbleiben" befürworte ich aber ausdrücklich.

Ob Noten in der Volksschule sinnvoll sind, darf zu bezweifeln. Ich weiß jetzt nicht, ob sie die Noten darüberhinaus "reformieren" oder ganz abschaffen wollen. Ich weiß aber aus persönlicher Erfahrung wie wichtig es ist, Motivation und Druck fürs Lernen zu haben. (Nicht in der Volksschule). Das gilt auch für ein Projekt an der HAK Steyr, dass in der Presse mal auf Seite 2 unter "Alternative Schulformen" hochgelobt wurde. Es klingt schön und gut, nennt sich COOL - "Cooperatives Offenes Lernen", dabei soll "neben der "Erziehung" zu mehr Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit (selbst-gesteuertes Lernen) vor allem die Entwicklung sozialer Kompetenz in den Vordergrund gestellt werden".

In der Realität interessiert sich niemand für diesen Zweig (letztes Jahr 2 Anmeldungen glaube ich) und der Rest der Schüler sind "Übriggebliebene" die in anderen Zweigen nicht zum Zug gekommen sind. Die Ausbildung würde ich nicht gerade als "ideal" bezeichnen und viele der Schüler machen sich auch selbst darüber lustig. Ich wollte dieses Beispiel nur referieren weil ich zu etwas Realismus mahnen möchte. Manchmal bedarf es eben eines "Arschtritts" um Schüler voranzutreiben.

Visionen sind gut, aber man sollte trotz alledem realistisch bleiben. Das soll aber keinesfalls heißen, dass ich Ihre Ideen schlecht finde. Mit über 90% bin ich mehr als einverstanden!

Liebe Grüße

arnobraendle.com - 11. Jun, 23:59

Jeder gibt seinen Senf dazu

Lieber Mand!
Ich kritisiere jetzt natürlich den Falschen, denn Sie haben ja bewiesen, dass Sie für Argumente zugänglich sind. Aber warum fällt es so schwer, auf die Vorschläge von namhaften Profis einzugehen? Warum glauben Menschen zu wissen, dass gute Schüler in einer gemeinsamen Schule schlechter würden? Mehr dazu unter: https://arnobraendle.twoday.net/
harald.walser - 12. Jun, 00:52

Wenn sich Schule so abspielt wie jetzt ...

gebe ich Ihnen recht. In der jetzigen Form der Hauptschule sammeln sich die Nichtmotivierten in der 3. Leistungsgruppe, demotivieren die anderen etc. In Ländern mit funktionierenden Gesamtschulen ist das eben nicht so. In Österreich gehören inzwischen ein Drittel aller 15-Jährigen zur Risikogruppe, in Finnland sind es sieben Prozent. SchülerInnen lernen dort gegenseitig - und das Bemerkenswerte: Die guten SchülerInnen werden durch diese Schulform besser. Mit anderen Worten: Es gibt in Finnland und vergleichbaren Ländern nur einen Bruchteil der RisikoschülerInnen, dafür aber doppelt so viele in der höchsten Leistungsstufe!
@ Walser (Gast) - 12. Jun, 05:19

Dann würde ich Ihnen vorschlagen, daß Sie sich in Finnland um eine Stellung bewerben... Ich denke Österreichs Schüler und Eltern danken es Ihnen! (die Finnen eventuell nicht...)

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