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1. November 2009

Wir brauchen die Ganztagsschule!

Drei von vier LehrerInnen sind ohne Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen bereit, an einer „echten“ Ganztagsschule zu unterrichten. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter mehr als 1000 LehrerInnen in Vorarlberg. Auf die Frage „Wären Sie bereit, in ganztägig geführten Schulen zu unterrichten, sofern keine längere Anwesenheitspflicht besteht?“ haben 76,5% mit „Ja“ und nur 16,1% mit „Nein“ geantwortet, der Rest hat keine Antwort gegeben.
Was leistet eine Ganztagsschule mit verschränktem Unterricht? Sie bietet den Eltern nicht nur die gesicherte Betreuung der Kinder am Nachmittag, das tun Horte auch. Ganztagsschulen erlauben es, die Hochleistungsphasen der Kinder am Vormittag und am Nachmittag zu nutzen, den Tagesablauf in der Schule kindgerecht zu gestalten, flexibel auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen und allen Kindern gleichermaßen die notwendige Unterstützung bei der Bewältigung der schulischen Anforderungen zu bieten.
Kinder in Ganztagsschulen mit verschränktem Unterricht haben keine Schultaschen. Sie nehmen keine Arbeit mit nachhause. Das tägliche Hausaufgabendrama zuhause mit den Eltern, unter Anleitung älterer Geschwister oder gar teuer bezahlt in externen Instituten entfällt. Nach der Schule haben die Kinder tatsächlich frei. Sie können entweder von den schulischen Angeboten wie Sport- oder Musikunterricht Gebrauch machen, gemeinsam mit ihren Eltern andere Freizeitangebote nutzen oder einfach nichts tun.
Die räumliche Ausstattung einer Ganztagsschule mit verschränktem Unterricht ist natürlich eine andere als bei einer reinen Vormittagsschule. Eine Schulküche mit angeschlossener Mensa für SchülerInnen und LehrerInnen ist notwendig. Kinder sollen nicht den ganzen Tag in einem Klassenraum verbringen. Freizeiträume, Erholungsbereiche, Rückzugsmöglichkeiten, Sportanlagen und Freiflächen und nach Möglichkeit ein großer Garten, bieten eine abwechslungsreiche und anregende Umgebung.
Die für Kinder besonders gut geeignete Form des verschränkten Unterrichts bleibt bei der Realisierung dieses Vorschlags hauptsächlich jenen Kindern vorbehalten, deren Eltern sich diese Form des Unterrichts leisten können. Nicht umsonst bieten bereits heute viele Privatschulen den verschränkten Unterricht an. Er wird von den Eltern gefordert, weil er für die Kinder am besten geeignet ist. Wo eine Wahlmöglichkeit besteht, gibt es auch immer Selektion anhand sozialer Kriterien. Im öffentlichen Schulsystem, vor allem in der Pflichtschule, hat diese Selektion nichts verloren.

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Kommentare

Ich halte die Fragestellung in der Untersuchung – "bei keiner Veränderung der Anwesenheitsverpflichtung" - für nicht ehrlich oder sonst für nicht durchdacht. Wenn man gute Ganztagsschulen im Ausland anschaut, die mit Verschränkung arbeiten, sind zumindest die Pausen auch am Vormittag länger, gibt es mehr "Löcher" in der Unterrichtszeit, die mit anderen Aktivitäten gefüllt sind. Die Qualität von Ganztagsschulen steht und fällt genau damit, dass Lehrpersonen für Kinder und Jugendliches als Ansprechpersonen mehr verfügbar sind und dass sie nicht von Unterrichtsstunde zu Unterrichtsstunde, von einer Klasse in die andere, hetzen (in der Sekundarstufe).

Ich wünsche mir als Grüne dringend die Unterscheidung zwischen Lehrverpflichtung und Anwesenheitspflicht. Über eine erhöhte Lehrverpflichtung muss man nicht diskutieren, aber über Anwesenheitspflicht? Ich meine, dass mehr Anwesenheit langfristig für die LehrerInnen Entlastung bedeutet, dass dies eine Qualität sein wird - für LehrerInnen wie für SchülerInnen. Natürlich muss das eingebettet sein in ein neues, modernes Dienstrecht, das diese und viele andere Dinge regelt.

harald.walser - 2. Nov, 08:41

Da stimme ich dir natürlich vollständig zu!

Immerhin haben aber auch auf die Frage „Begrüßen Sie die Einführung ganztägiger Schulformen?“ mit „Ja“ und 16% mit „Ja und Nein“ geantwortet. Das war vor einigen Jahren noch ganz anders - die „Front“ bröckelt. Übrigens: Derzeit gibt es in Österreich bereits 90 „verschränkte“ Ganztagsschulen.
Plumps! (Gast) - 2. Nov, 10:19

Abstrakt JA! Konkret DERZEIT SICHER NICHT!

Selbstverständlich sind Ganztagsschulen die bessere Lösung. Aus vielen, unterschiedlichen Gründen.

Konkret sieht es jedoch anders aus, wie das Beispiel einer Bekannten zeigt: In einer ersten Klasse eines ottakringer Gymnasiums gibt es 1 (sprich EINEN) Schüler ohne Migrantenhintergrund. Einigermaßen korrektes, altersgemäßes Deutsch spricht kaum jemand. Die Umgangssprache ist ein Grammatikloses Pidgin, das jedes Kabarett locker in jeden Schatten stellt. Viele Kinder können trotz 4 Jahren Volksschule in Wien praktisch nicht lesen.
Solange es keine Zwangsmaßnahmen für MigrantInnen gibt, die ihre Kinder ohne Deutschkenntnisse aufwachsen lassen, ist die soziale Trennung am Nachmittag leider notwendig.

Und noch mein ceterum censeo:
Solange die Grünen (und Teile der SPÖ) sich ahnungslos und blauäugig für Integrationsverweigerer einsetzen, werden die rechten Parteien weitere Zuwächse bekommen. Und die unterscheiden in ihrer Politik dann nicht zwischen Flüchtlingen, integrationsbereiten MigrantInnen, Integrationsverweigerern und organisierter Kriminalität.

KFWB (Gast) - 2. Nov, 15:45

Wer hat diese Umfrage,

auf welche Sie sich beziehen, gemacht? Waren es vielleicht die Sozialisten unter Nesensohn? Eine neutrale Umfrage brächte jedenfalls ein anderes Ergebnis.

errorking - 4. Nov, 17:38

herr walser

Sie schreiben:"die hochleistungsphasen der kinder nutzen....."
das ist natürlich ein absolut menschenverachtender gedanke. die kinder...glauben Sie mir, wissen schon selber, wann sie ihre phasen wie nutzen sollen. die städtischen -oft übergewichtigen erwachsenen, welche zweiverdiener und damit die ganztagsschule brauchen, um sich ein unnötiges auto(wieviel grüne haben eigentlich kein auto????)trotz öffis zu leisten, denken wahrscheinlich genauso kinderfeindlich und möchten vor allem ein für die geldorientierte gesellschaft und deren firmen ein möglichst "produktives" kind.
in fast allen gesllschaftspolit. fragen bin ich sehr ihrer meinung herr walser, aber nun sind Sie ganz weit weit von ursprünglich grünem gedankengut. vielleicht wollen Sie sich dazu auch äussern,wenn Sie möchten und zeit haben.
Sie könnten mir natürlich vorwerfen, ich würde alle ganztagseltern über einen kamm scheren. ich lehne natürlich die ganztagsschule nicht völlig ab, es wir immer wieder eltern geben , die das echt brauchen. aber die breite masse braucht das nicht. eine meiner töchter war selbst kurzzeitig (ein riesenirrtum)ein jahr in einer ganztagsschule.....da habe ich alle elterntypen kennengelernt...von denen, die sich weigern, dem kind ein besseres essen...das 3 euro mehr pro tag gekostet hätte, zu zahlen, bis zu denen, die mit dem dicken bmw gekommen sind....der kostet im monat mehr, als 70% der österreicher verdienen.....
harald.walser - 4. Nov, 21:32

Warum soll der Begriff "Hochleistungsphase" ...

menschenverachtend sein? Die Ganztagsschule gibt allen Kindern eine Chance zu lernen, zu kommunizieren, zu spielen - und genügend Zeit zu haben für all das. Das zeigen alle Beispiele, wo diese Form des Unterrichtens sinnvoll angewendet wird. Was daran kinderfeindlich sein soll, erschließt sich mir beim besten Willen nicht.
errorking - 5. Nov, 11:22

es

scheint mir, dass durchs andauernde politische zweckdenken hier eine andere technische sprache um sich greift.

allererstes schreiben sie von gesicherter Betreuung (das erinnert mich fast an das Wort "Sicherheitsverwahrung" und dann von hohen leistungen....
wie wärs mit den worten : liebevolle, kreative, fröhliche Betreuung?
die worte "sicher" und "hochleistung"in verbindung mit kindern lehne ich ab.(was ist mit kindern, die müde, krank, gestresst oder behindert sind und nur ZUNEIGUNG oder kuscheln brauchen?)
denn "sicher"...was soll das genau heissen? das ist doch hoffentlich nicht einmal erwähnenswert, dass eine Betreuung sicher ist, gibts soviele unsichere Betreuungen für Kinder auch?

In wirklichkeit steckt ja ein ganz anderer gedanke hinter dem wort: sichere betreuung. dahinter versteckt sich das, was der politiker nicht sagen möchte: das kind würde sonst allein "unsicher"zu hause oder auf strasse oder dem spielplatz sein...und die von mir erwähnte abschiebung des kindes , da die eltern selber mit zwei berufen möglichst viel "hochleistung" erreichen möchten,um das teure auto oder sinnlosen luxus zu konsumieren.
diejenigen echt armen familien, die zwei jobs wirklich brauchen oder alleinerzieher sind in den ganztagsschulen nämlich eine absolute minderheit.

das ergebnis: die eltern sehen die kinder gerade am abend vor dem schlafengehen....am wochenende sitzen sie dann die meiste zeit am hintersitz des autos im stau. ein armeseelige gesellschaft...und die grünen schweigen leider!
das ist eine wesentliche gesellschaftliche frage....die grünen schweigen aber dazu, weil sie zuviele leute ärgern würden....im gegenteil...die konservative övp besetzt nun diesen themenkreis! die grünen waren früher für mich eine echte hoffnung. aber jetzt ist das gesellschaftlich einzig !zukunftsweisende programm unter den eleganten worten und themen "internat. klimaschutz" und "gegen rassismus"verschwunden.
in beiden fragen muss man nämlich gar niemand so richtig verärgern...da ist eh die mehrheit dafür. dass die grünen aber auch dinge sagen müssten, die eine mehrheit für unwichtig und verzichtbar hält (kreative familienwerte, ablehnung der übertechnisierung)wird aus angst vor stimmenverlust nicht getan....

danke fürs zuhören...habs nur geschrieben, weil ich die grünen im kern noch immer liebe, sonst würd ich ja gar nichts dazu schreiben.

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