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3. Juni 2010

LehrerInnen mit Hungerlohn!

Volle Beschäftigung an einem Gymnasium plus Überstunden und dann insgesamt ein Nettogehalt von 1.233,68 €? Da steckt doch der Wurm drin! Solche Lehrkräfte sind zu bewundern, wenn sie ihren Job auch noch mit viel Engagement ausüben. Es besteht Handlungsbedarf! Und da kommt die Politik ins Spiel.
Unterrichtsministerin Claudia Schmied hat ja viele gute Ideen. Wenn da nicht auch noch die Umsetzung wäre ... Eine der guten Ideen ist, dass es für unser „System Schule“ gut wäre, wenn wir mehr qualifizierte Personen aus der Privatwirtschaft, aus Kunst und Kultur für einen Job im Lehrbereich gewinnen könnten. Das erfordert allerdings auch die Entwicklung und Verwirklichung von Umstiegs- und Ausstiegsszenarien für PädagogInnen und eine entsprechende Gehaltskurve. Damit schaut es derzeit aber trist aus.
Gestern war ein Lehrer mit seinem Gehaltszettel bei mir. Er unterrichtet an einem Wiener Gymnasium Musik, ist fachlich hervorragend qualifiziert, hat eine akademische Ausbildung, ist seit 2007 im Beruf und sein Job gefällt ihm. Dienstrechtlich wird er als „Vertragslehrer IIL“ eingestuft, weil er kein Lehramtszeugnis hat. Was er allerdings hat, ist ein „Lehrbefähigungs-Zeugnis“ des Joseph-Haydn-Konservatoriums und weitere Diplome. Dem Amtsschimmel reicht das nicht, den SchülerInnen schon. Das Entlohnungsschema II L ist für Vertragslehrer wie ihn vorgesehen, sie unterrichten ausschließlich sogenannte „nicht gesicherte Stunden“ und müssen jeden Sommer um ihren Job zittern: Wir er verlängert? Wird er nicht verlängert?
Immerhin hat der Kollege einen Job, könnte man einwenden. Richtig, wenn da nicht die beschriebenen Finanzen wären. Denn er muss noch länger warten, bis er auf einen gerechten Lohn kommt. Der Kollege unterricht nicht nur voll, er hat sogar fast drei Überstunden (genau sind es 2,581), ist fleißig und betreut zusätzlich noch das Kustodiat, was extra bezahlt wird. Das führt insgesamt (!) zu einem Bruttolohn von 1.774,39 € und zu einem Nettogehalt von 1.233,68 €. Und das nach drei Jahren Unterrichtstätigkeit zur vollsten Zufriedenheit von SchülerInnen und Vorgesetzten! Übrigens: Letztes Jahr hat er sogar erfolgreich die Matura abgenommen.
Ein zusätzliches Problem: Im Gehaltszettel des Kollegen steht zwar die Gehaltsstufe 12, aber das ist leider falsch. In seinem Schema (II-L/L2b1) gibt es nämlich keine Gehaltsstufen. Er wird also über sein jetziges Einkommen nicht hinauskommen, bekommt in den nächsten Jahren aber vielleicht einen sogenannten Artikel-10-Vertrag, der wieder nur befristet ist. Dieser neue Vertrag kann nach nach zehn Jahren auf Dauer ausgestellt werden (muss aber nicht). Ob die Ministerin da noch viele qualifizierte Menschen aus der Privatwirtshaft, aus Kunst und Kultur bekommt, ist wohl mehr als fraglich.
Falls es weitere Betroffene gibt, bitte melden! Ich glaube, es wäre an der Zeit, eine gesetzliche Initiative zur Besserstellung zu starten.

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Kommentare
zrambafurg - 4. Jun, 08:19

"Am Gelde hängt, zum Gelde drängt..."

So ähnlich klang es schon bei Goethe. Die Lösung wäre einfach: Alle Lehrer mit einem Bruttoeinkommen von über 4.000,-- Euro treten davon 10% an ihre notleidenden Kollegen ab. Das wäre natürlich politisch nicht durchsetzbar, schon wegen dem "bösen" Neugebauer. Doch nicht Neugebauer ist böse, sondern die Lehrer sind es. Die halten sich nämlich Neugebauer, den derzeit (noch) mächtigsten Gewerkschafter Österreichs.
Interessant liest sich auch der Beitrag zur Neuen Mittelschule von Andreas Unterberger, auch wenn ich dabei etwas schmunzeln musste:
https://www.andreas-unterberger.at/2010/06/die-realitat-der-gesamtschule-erfahrungsberichte/

Tobias (Gast) - 4. Jun, 12:26

warum die Aufregung?

Ich arbeite wirklich 40+Stunden (nicht wie staatliche Lehrer 20St. + Vorbereitung) in der Woche als Trainer für Migranten und verdiene netto keine 1300€, muss mich bei der SVA versichern und bin damit nochmal schlechter gestellt. Da hab ich über Urlaub noch nicht gesprochen... Reg ich micht dauernd auf? Nein - habs mir ja selber ausgesucht.

Das gejammer aus dem geschützen Bereich Schule konnte ich früher (als Student) noch nachvollziehen. Heute weiß ich wie gut es Lehrer an den Schulen haben. Vieleicht wäre es gut wenn diese LehrerInnen auch mal 2-3 Jahre vor der PH einer privatwirtschaftlichen Arbeit nachgehen müssten. Dann wäre das gejammer schnell vorbei.

Bernd (Gast) - 4. Jun, 23:47

2,5 Überstunden/Woche?

Wahnsinn! Das ist ja fast schon menschenunwürdig!

Im Ernst: Jede/r, der oder die MusiklehrerIn erden möchte, weiß, dass hier nicht viel zu verdienen ist. Und schon gar nicht am Anfang.

Veröffentlichen Sie doch einmal wie viel ein durchschnittlicher AHS-Lehrer nach 15, 20 Dienstjahren verdient oder wieviel Sie, Herr Walser, als Direktor bekommen haben. War nicht viel weniger asl Ihr jetziges ordentliches Nationalratsgehalt.

Giacomo Barazzuti (Gast) - 5. Jun, 00:05

Liebe Grüne! Ihr seid so fad geworden. Ihr habt Matura-Niveau. Immerhin.

harald.walser - 6. Jun, 14:55

Merkwürdige Logik, die hier von einigen ...

vertreten wird: Weil es anderen schlecht geht, soll es auch LehrerInnen schlecht gehen. Wir brauchen gut ausgebildete PädagogInnen mit einem ordentlichen Gehalt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
alsomalehrlich (Gast) - 6. Jun, 16:55

Fakt

Fakt ist einfach, dass durch eine große Pensionierungswelle in den nächsten fünf bis zehn Jahren Österreich massiv die LehrerInnen ausgehen wird. Auch Personen aus der viel gelobten Privatwirtschaft sollen dann an die Schulen gelockt werden. Diese würden nach dem oben beschriebenen Gehaltsschema angestellt werden. Etwas mehr als 1000 € bei voller Lehrverpflichtung - ohne Gehaltserhöhungen (und Absicherung).
Wer glaubt da wirklich, dass jemand dem Unterrichtsministerium die Türen einrennen wird und ganz laut rufen wird: "Ja, bitte ich unbedingt!" ?
Der Mangel an Lehrkräften in Bildnerischer Erziehung und Musikerziehung wird derzeit schon so kompensiert und viele KünstlerInnen fragen sich im Moment in allem Ernst: "Weshalb soll ich mir das antun? - Als freischaffende(r) KünstlerIn verdiene ich gleich schlecht."

Tanja (Gast) - 6. Jun, 17:48

Gut ausgebildete und engagierte Menschen ...

Immer wieder fasziniert mich, dass keine sachliche Diskussion möglich ist, sobald es um Schule oder besser LehrerInnen geht.
Unser aller Ziel sollte es sein, ein Bildungssystem zu schaffen, das es allen Kindern und Jugendlichen ermöglicht, Fähigeiten zu entdecken und auszubauen und v.a. zu erleben, dass Lernen etwas Gutes und Spannendes ist. Dazu braucht es engagierte und hochmotivierte LehrerInnen. Wir können die schönsten Schulen bauen, ausgeklügelte Curricula basteln und pädagogisch wertvolles Material zur Verfügung stellen. Das alles ist selbstverständlich wichtig. Letztlich aber geht es in der Schule um Menschen, die sich begegnen. Im besten Fall sind dies nicht nur PädagogInnen, sondern auch SozialarbeiterInnen, Personen aus der Wirtschaft oder eben KünstlerInnen. Schule sollte ein offener Lernort sein, an dem die verschiedenen Menschen Spaß an der gemeinsamen Arbeit haben (ein offener Lernort auch in der Hinsicht, dass das Lernen nicht ausschließlich in den dafür vorgesehenen 4 Wänden passiert). Um dieses Ziel zu erreichen braucht es u.a. auch vertragliche Bedingungen, die es für gut ausgebildete Menschen attraktiv macht, an diesem Ort zu arbeiten.
Dass es daneben viele Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen gibt, ist kein Geheimnis. Wir sollten aber eher darauf aus sein, Arbeitsverhältnisse im Allgemeinen zu verbessern als uns gegenseitig möglichst schwierige Bedingungen zu wünschen.

xorxe (Gast) - 6. Jun, 20:54

ganz offensichtlich...

...ist die situation für diesen Herrn sehr unbefriedigend

doch das verallgemeinern von einzelfällen unter reißerischer überschrift macht keinen guten eindruck

dass in diesem (einen) fall etwas getan werden sollte, kann man einsehen. doch imho berechtigt das nicht zu artikeln, die sogar noch (von sympatihsanten) als kleinkarriert und nicht aussagekräftig eingestuft werden könnten

einen anstoß möchte ich noch geben:
lieber bei den großen problemen ordentlich schreien, denn wer kleinigkeiten dramatiesiert, dem hört man in echten notfällen nicht mehr zu

und notfälle gäbe es momentan genug

HG (Gast) - 14. Jun, 17:47

Unerlaubte Vergleiche?

Als Selbstständige und EPU kenne mich bei all den Tarifen und Entlohnungsschemata der Pädagogen nicht aus. Stutzig macht mich aber, dass in unserer Gesellschaft für Automechaniker, die unsere Kraftfahrzeuge in Schuss halten, ein weit höherer Stundensatz bezahlt wird, als für den Unterricht unserer Kinder. Auch für einen Liter Benzin sind wir bereit mehr hinzulegen, als für einen Liter Milch. Irgendwas liegt schief.

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