„Entscheidungsgesellschaft“ und gemeinsame Schule!
harald.walser | 25. Nov, 13:26 | 1 Kommentar
Am vergangenen Sonntag hat der Klagenfurter Mathematiker und Philosoph Rudolf Fischer auf dem Zukunftskongress der Grünen einen spannenden Vortrag gehalten. Es ging um die „Entscheidungsgesellschaft“.
Fischer hatte gleich eine gute Nachricht parat: Entscheiden kann gelernt werden. Indem man es tut - und das möglichst gemeinsam. Unser gegenwärtiges Bildungssystem nimmt den Menschen Entscheidungen allerdings weitgehend ab. Es gibt ein paar Verzweigungsentscheidungen, sonst wird man an der Hand geführt, von einer Wichtigkeit zur nächsten. Die wichtigsten Entscheidungen im Bildungsprozess betreffen die Gestaltung desselben. Hier sind die Mitwirkungsmöglichkeiten der Lernenden nach Alter unterschiedlich - von Kindergartenkindern kann man nicht so viel Gestaltungsverantwortung erwarten wie von Studenten. Die Möglichkeiten sind aber weit größer, als derzeit realisiert wird.
Der Ort, an dem die Heranwachsenden verpflichtend mit Fremdheit konfrontiert werden, ist die Schule, eventuell bereits der Kindergarten. Heutzutage erfolgt diese Konfrontation in einem Ausmaß, wie das seit Einführung der Schulpflicht noch nie der Fall war. Schule und Kindergarten stellen Übungsfelder für den Übergang von Fremdheit zu Nähe dar. Fischer hat auf einen wesentlichen Umstand hingewiesen: „Es kann dabei auch zu Überforderungen kommen, daher ist behutsam vorzugehen. Niemandem, der sich gegen diese Überforderungen wehrt, sollte man deswegen vorschnell einen Vorwurf machen, z. B. den der Fremdenfeindlichkeit.“ Dem kann ich nur zustimmen, denn zu Empathie kann niemand gezwungen werden. Jede(r) hat ihre/seine Empathie-Grenze. Es geht darum, Verständnis zu schaffen.
Fischer hat auch gesagt, dass dies ein (!!) Grund sei, warum er für eine gemeinsame Schule der Schulpflichtigen ist: In dieser Schule kann (!) eine Integrationsleistung erbracht werden: „Vielfach werden der Gedanke der schulischen Integration und der Gedanke der Begabungs- und Begabtenförderung bzw. Elitenbildung gegeneinander ausgespielt. Ich habe eine durchaus positive Einstellung zur Vorstellung, dass Eliten gebraucht werden. Allerdings: Eliten, die durch Absonderung erzeugt bzw. gefördert werden müssen, die sich möglicherweise dann dadurch auszeichnen, dass sie nur miteinander können, aber nicht mit anderen – ich nenne sie in Analogie zu Fach-Idioten Elite-Idioten – brauchen wir weniger dringend als Kommunikations- und Verantwortungseliten, die mit anderen gemeinsam etwas zustande bringen.“
Fischer hatte gleich eine gute Nachricht parat: Entscheiden kann gelernt werden. Indem man es tut - und das möglichst gemeinsam. Unser gegenwärtiges Bildungssystem nimmt den Menschen Entscheidungen allerdings weitgehend ab. Es gibt ein paar Verzweigungsentscheidungen, sonst wird man an der Hand geführt, von einer Wichtigkeit zur nächsten. Die wichtigsten Entscheidungen im Bildungsprozess betreffen die Gestaltung desselben. Hier sind die Mitwirkungsmöglichkeiten der Lernenden nach Alter unterschiedlich - von Kindergartenkindern kann man nicht so viel Gestaltungsverantwortung erwarten wie von Studenten. Die Möglichkeiten sind aber weit größer, als derzeit realisiert wird.
Der Ort, an dem die Heranwachsenden verpflichtend mit Fremdheit konfrontiert werden, ist die Schule, eventuell bereits der Kindergarten. Heutzutage erfolgt diese Konfrontation in einem Ausmaß, wie das seit Einführung der Schulpflicht noch nie der Fall war. Schule und Kindergarten stellen Übungsfelder für den Übergang von Fremdheit zu Nähe dar. Fischer hat auf einen wesentlichen Umstand hingewiesen: „Es kann dabei auch zu Überforderungen kommen, daher ist behutsam vorzugehen. Niemandem, der sich gegen diese Überforderungen wehrt, sollte man deswegen vorschnell einen Vorwurf machen, z. B. den der Fremdenfeindlichkeit.“ Dem kann ich nur zustimmen, denn zu Empathie kann niemand gezwungen werden. Jede(r) hat ihre/seine Empathie-Grenze. Es geht darum, Verständnis zu schaffen.
Fischer hat auch gesagt, dass dies ein (!!) Grund sei, warum er für eine gemeinsame Schule der Schulpflichtigen ist: In dieser Schule kann (!) eine Integrationsleistung erbracht werden: „Vielfach werden der Gedanke der schulischen Integration und der Gedanke der Begabungs- und Begabtenförderung bzw. Elitenbildung gegeneinander ausgespielt. Ich habe eine durchaus positive Einstellung zur Vorstellung, dass Eliten gebraucht werden. Allerdings: Eliten, die durch Absonderung erzeugt bzw. gefördert werden müssen, die sich möglicherweise dann dadurch auszeichnen, dass sie nur miteinander können, aber nicht mit anderen – ich nenne sie in Analogie zu Fach-Idioten Elite-Idioten – brauchen wir weniger dringend als Kommunikations- und Verantwortungseliten, die mit anderen gemeinsam etwas zustande bringen.“
Auf den Transparenten waren Parolen wie „Bildung fängt viel früher an, jetzt ist der Kindergarten dran“ und „Wir haben keine 25 Hände“ zu lesen. Ich habe das natürlich - wie viele KollegInnen im Parlamentsklub - unterstützt. Qualität im Kindergarten läuft derzeit über Selbstausbeutung der PädagogInnen oder das Einkommen der Eltern, die sich teure Privatkindergärten leisten können. Auch die Postleitzahl und die Weltanschauung der BürgermeisterInnen spielt eine Rolle, wenn es um den Standard in den Kindergärten geht.
Es gibt auch Motivierendes zu berichten aus dem österreichischen Schulwesen. Sowohl in öffentlichen als auch im privaten Schulen gibt es erstaunlich positive Beispiele. Das motiviert. Einen solchen Motivationsschub habe ich gestern in der Montessorischule Pragerstraße in Wien erhalten. Hier kann man hautnah erleben, was engagierte PädagogInnen schon jetzt erreichen. Diese Montessori-Schulen wird als Volksschule und Sekundarschule geführt und wird von der Gründerin Mag. Brigitta Weninger geleitet. Tolle und meist selbst hergestellte Materialien, SchülerInnen, die selbstständig einen ganzen Tag arbeiten, LehrerInnen, die 38,5 Stunden in der Woche an der Schule sind und danach auch wirklich frei haben (keine Korrekturen oder Vorbereitungen zuhause etc.). In der Pragerstraße gibt es keine unbegrenzte Freiheit, sondern klare Regeln, Freiraum unter klaren Rahmenbedingungen. Selbstdisziplin und Verantwortung - diese Ziele der Montessori-Pädagogik spürt man hier.
Reden, Anträge und Ausschussarbeit