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Bildung

2. Februar 2009

Kein Denkverbot beim Religionsunterricht!

Auf meine Kritik am derzeitigen Zustand des Religionsunterrichts habe ich in den letzten Tagen eine Vielzahl von Mails bekommen - von Religionslehrern und Vertretern der (katholischen) Standesvertretung.
Von "Verwunderung" und "Enttäuschung" war da zu lesen. Und es wurde widerlegt, was nie behauptet wurde: Der katholische Religionsunterricht sei "demokratiegefährdend". Ist er nicht! Diskutieren wir aber doch darüber, worüber geredet werden muss: eine Neuorganisation des Religionsunterrichts (ohne existenzielle Gefährdung der jetzigen ReligionslehrerInnen!).
Ich habe bislang ja nur Stellung bezogen gegen Tendenzen im islamischen Religionsuntericht. Da geht es um die Ablehnung der Menschenrechte und der Demokratie - und das hat an einer Schule nichts verloren.
Darüber hinaus habe ich mir erlaubt, die jetzige Regelung des RU, die im Prinzip auf das Konkordat mit der katholischen Kirche aus dem Jahr 1933 zurückgeht und im Religionsunterrichtsgesetzt aus dem Jahr 1949 sowie in einem Vertrag aus dem Jahr 1962 inzwischen erneuert wurde, in Frage zu stellen. Die Zeiten ändern sich: Wir brauchen heute eine generelle Diskussion über die Inhalte des konfessionellen Religionsunterrichts und die dienstrechtliche Stellung der Lehrpersonen. Das fordert ja auch der Religionsrechtler Richard Potz von der Universität Wien: Er möchte einen rechtlichen Mechanismus, der dem Ministerium die Möglichkeit gibt, einzelne problematische LehrerInnen zu sanktionieren.
An die StandesvertreterInnen: Gerade um die wichtige Arbeit der ReligionslehrerInnen zu schützen (!) und ihre Position zu stärken, ist es notwendig, Standards durchzusetzen. Eine Diskussion darüber, ob ein verpflichtender Ethikunterricht statt eines konfessionellen Religionsunterrichts eingeführt werden soll, muss aus meiner Sicht ebenfalls geführt werden. Die Entwicklungen der katholischen Kirche in den letzten Jahren und speziell die letzten Signale des Papstes sind eine interne Angelegenheit der Kirche: Eine Organisation aber, die - wie sie - Fundamentalisten vom Schlage eines Gerhard Maria Wagner (der als frauenfeindlich gilt und in Harry Potter ein Werkzeug des Satans sieht) zum Weihbischof ernennt oder Holocaust-Leugner rehabilitiert und sektenähnliche Organisationen wie die Pius-Bruderschaft ("Gaskammern dienten nur der Desinfektion") stärkt etc. etc., darf sich nicht wundern, wenn inzwischen auch Kommentatoren wie der nicht unbedingt als "Linker" oder heißsporniger "Pfaffenfresser" verschrieene Chefredakteur der "Presse" auf Distanz gehen: "Ab in den Gulag!"
Von solchen Entwicklungen wie den oben geschilderten möchte ich Kinder zumindest in (!) unseren Schulen geschützt wissen. Diskutieren wir doch das Pro und Contra des Religionsunterrichts bzw. eines verpflichtenden Ethik- und eines freiwilligen Religionsunterrichts ohne Scheuklappen, ohne Diffamierungen, aber auch ohne Tabus!
1. Februar 2009

Religionsunterricht - und die Rolle des Staates!

Einige UserInnen haben gemeint, die Forderung nach staatlicher Kontrolle für den Religionsunterricht gehe zu weit, weil dadurch die Religionsfreiheit eingeschränkt werde. Das kann man so sehen. Ich sehe es anders.
Das "profil" von nächster Woche berichtet unter dem Titel "Hohe Funktionen für Fundamentalisten" über ein Schulbuch für den islamischen Religionsunterricht, in dem ausgerechnet Anas Schakfeh, der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, für einen Text und ein Bild verantwortlich zeichnet, in welchen religiöse "Märtyrer" heroisiert werden. Lesestoff für österreichische Kinder?
In den letzten Tagen hat Schakfeh - im Nebenjob Konsulent der saudi-arabischen Botschaft - Grundwerte wie die "absolute Loyalität gegenüber dem Staat, der Rechtsstaatlichkeit, der Demokratie und der Bundesverfassung" eingefordert. "profil" zeigt diese Seite aus einem offiziellen Schulbuch für den islamischen Religionsunterricht für Volksschulen, auf der ein auf einem Schlachtfeld sterbender "Märtyrer" zu sehen ist. Zu lesen ist: "Ein Muslim, der auf dem Weg Allahs und zur Verteidigung der Heimat stirbt, ist ein Märtyrer (Sahid). Er wird von Allah mit dem Paradies belohnt, wie Allah es im Koran versprochen hat." Gerechtfertigt wird das von Schakfeh jetzt damit, es handle sich um die Geschichte der Belagerung Medinas. Die war im Jahr 627. Das Bild aber zeigt einen Soldaten mit Gewehr und Handgranaten! Kommentar wohl überflüssig.
Übrigens: Ich möchte auch nicht, dass katholische Geistliche aus der in Österreich sehr erfolgreichen Pius-Bruderschaft auf unsere Kinder losgelassen werden. Oder Holocaust-Leugner! Ich möchte auch nicht, dass Menschen wie der Ende letzter Woche vom Papst zum Weihbischof ernannte Gerhard Maria Wagner das Sagen über die Benennung von ReligionsleherInnen haben. Der erzkonservativ Kirchenmann hält die "Harry Potter"-Romane für Teufelszeug. Wirbelsturmdramen wie jenes in New Orleans und andere Umweltkatastrophen bezeichnet er in zynischer Art als Folge der "geistigen Umweltverschmutzung".
Wenn solche Leute in einer Organisation wie der Kirche aufsteigen und an zentrale Machtpositionen gelangen, ist das prinzipiell die Angelegeneit der Kirche und ihrer Mitglieder und nicht die Angelegenheit des Staates. Wenn Leute wie Wagner oder Schakfeh aber entscheidenden Einfluss darauf haben, was unseren Kindern in den vom Staat bezahlten Schulen von den vom Staat bezahlten ReligionsleherInnen beigebracht wird, dann - bitte - hat der Staat zu handeln!
29. Januar 2009

Religionsunterricht ohne Kontrolle?

„Wer die Menschenrechte ablehnt, hat an einer Schule nichts verloren!“ Unter dieser Überschrift habe ich heute mehr staatliche Kontrolle über den Religionsunterricht gefordert - und schon heftige Reaktionen erhalten. Nein, es geht nicht um einen Kampf gegen Religionen - es geht um das Primat des Staates in seinen Bildungseinrichtungen.
Ich fordere eine generelle Diskussion über die Inhalte des konfessionellen Religionsunterrichts und die dienstrechtliche Stellung der Lehrpersonen. Eines muss jedenfalls klar sein: Wer die Menschenrechte ablehnt oder die Todesstrafe für abtrünnige Muslime befürwortet, hat an einer österreichischen Schule nichts verloren!
Die bestürzenden Ergebnisse der Untersuchung des Religionssoziologen Mouhanad Khorchide von der Universität Wien in Bezug auf das Demokratieverständnis islamischer ReligionslehrerInnen müssen Konsequenzen nach sich ziehen. Es darf nicht sein, dass der Staat an Österreichs Schulen keine Kontrolle und keinen Einfluss darauf hat, was im Religionsunterricht der anerkannten Konfessionen unterrichtet wird. Eine demokratiefeindliche Grundhaltung ist mit einer pädagogischen Tätigkeit an einer öffentlichen Schule nicht vereinbar!
Die derzeitigen Regelungen zum Religionsunterricht an Schulen gehen auf die Zeit des Austrofaschismuszurück (Artikel VI des Konkordates vom 5. Juni 1933).
In einem Zusatzvertrag 8.3.1971 heißt es in § 3 (2): "Als Religionslehrer dürfen nur solche Personen angestellt werden, die von der Kirchenbehörde als hiezu befähigt erklärt und vorgeschlagen sind." Sollte diese Aufgabe nicht der übernehmen, der die LehrerInnen auch bezahlt - also der Staat?
Derzeit gibt es in Österreich 390 muslimische ReligionslehrerInnen, 60% von ihnen unterrichten seit den 80er Jahren, 40% haben überhaupt keine Ausbildung. Deshalb wurden ReligionslehrerInnen mit oft zweifelhaften Grundhaltungen (so Ednan Aslan, Professor für Reliogionspädagogik in Wien) „importiert“. Sie unterrichten nach einem Lehrplan aus dem Jahr 1982, in dem unter anderem die islamische Gesetzgebung und der Islamische Staat gefordert werden.
Um es ebenfalls deutlich zu sagen: Es geht nicht gegen den islamischen Religionsunterricht. Ich hätte ebenso wenig Verständnis für eineN ReligionslehrerIn, der oder die Thesen der Pius-Bruderschaft vertritt.
Übrigens fordert auch Richard Potz, Professor für Religionsrecht an der Uni Wien, einen rechtlichen Mechanismus, der dem Ministerium die Möglichkeit gibt, einzelne problematische LehrerInnen zu sanktionieren. Derzeit liegt vieles im Argen: Bei der Ausbildung der Religionslehrer schreibt das Gesetz zwar Standards vor, doch das wurde nicht immer respektiert.
27. Januar 2009

Neue Mittelschule oder nur Rosstäuscherei?

In einer Pressekonferenz möchte ich heute auf den als Schulversuch zur gemeinsamen Schule getarnten „bildungspolitischen Pakt der Mutlosen“ - also vor allem LR Stemer und BM Schmied - eingehen.
Die „Neue Mittelschule“ steht laut BM Schmied für mehr Chancengerechtigkeit und individuelle Förderung. Die soziale und regionale Herkunft der Kinder soll für den Zugang zu höherer Bildung keine Rolle mehr spielen. Trotz des großen Engagements vieler beteiligter LehrerInnen ist dem aber nicht so. Erste Anlaufstelle für die schulische Bildung der Kinder bleibt die AHS. Die „Neuen Mittelschulen“ erfreuen sich auf Grund der zusätzlichen Ressourcen ebenfalls regen Zulaufs, was bereits zu Abweisungen geführt hat. In den Hauptschulen, die per Gesetz parallel weiterbestehen müssen, sammeln sich daher die sozialen Randgruppen.
Das Ziel der Schulversuche soll die Verschiebung der Bildungslaufbahnentscheidung von der 4. auf die 8. Schulstufe sein. Individuelle Förderung der Kinder könnte mit den vom Unterrichtsministerium zur Verfügung gestellten 6 Wochenstunden pro Mittelschulklasse erreicht werden. Diese Förderung kommt jedoch sehr unterschiedlich bei den SchülerInnen an. In der Steiermark zahlt das Land zusätzlich 6 Wochenstunde, wodurch Förderunterricht, Teamteaching und Zusatzangebote in der Begabtenförderung möglich werden. In Vorarlberg kommen jedoch nur zwei der sechs Wochenstunden in den Mittelschulklassen an. Die übrigen 4 Wochenstunden werden vom Landesschulrat anderweitig verwendet.
Auf die gesetzlich eigentlich bei Schulversuchen nach § 7a SchOG verbotenen, leider aber oft beharrlich weitergeführten Leistungsgruppen bin ich auf diesem Blog schon eingegangen - vor allem ein Vorarlberger Problem.
In Niederösterreich wiederum dauert der gemeinsame Unterricht bloß zwei Jahre. Wenn es für die Kinder interessant wird, also ab der 7. Schulstufe, wenn in der AHS-Unterstufe eine zweite lebende Fremdsprache eingeführt wird, ist es auch schon wieder vorbei mit der gemeinsamen Schule.
„Wer arme Eltern hat, hat schlechte Chancen auf eine gute Ausbildung. Das gilt heute leider immer noch in Österreich“, sagt Gabriele Schmid, Leiterin der Bildungsabteilung der AK, anlässlich der 7. österreichischen Armutskonferenz im März 2008.
Der Bildungsstand der Eltern wird weitervererbt. Eine OECD-Studie belegt: 96% der Buben und 97% der Mädchen aus Akademikerfamilien machen Matura, aber nur 3% bzw. 5% aus Familien der unteren Mittelschicht. Es gibt also ein soziales Problem.
Das alles wird derzeit nicht einmal ansatzweise angegangen: Wir wollen endlich Reformschritte in die richtige Richtung - wie übrigens auch viele Eltern, LehrerInnen und Fachleute (politisch) sehr unterschiedlicher Richtung!
26. Januar 2009

BM Schmied in der LehrerInnenausbildung auf den Spuren der Grünen?

Seit Jahren habe wir es gefordert, Gehrer & Co haben nur müde gelächelt und Jahr für Jahr schlechtere Ergebnisse bei den diversen internationalen Testungen in Kauf genommen. Nun hat BM Schmied - interessanterweise über das Massenblatt "Österreich" - eine Reform angekündigt, die unseren Vorstellungen in der LehrerInenausbildung sehr nahe kommt:
Eine Arbeitsgruppe soll innerhalb eines Jahres die Ausbildung aller PädagogInnen von der Kindergärtnerin bis zur/zum HochschulprofessorIn auf Uni-Niveau vorbereiten. Ausgangspunkt ist ein dreistufiges System von Bachelor, Master und Doktorat – mit einer einsemestrigen Eingangsphase. VolksschullehrerInnen müssen einen Bachelor machen, GymnasiallehrerInnen einen Master. Vorsicht ist geboten, denn wir hatten vor zwei Jahren schon einmal so einen Versuch: Die Kommission von Ex-Landesschulratspräsident Bernd Schilcher hat ja in ihren beiden Zwischenberichten genau diese Richtung vorgeschlagen - und ist sang- und klanglos gescheitert. Der angekündigte Reformschritt allerdings muss gemacht werden: Eine Verbesserung unseres Bildungssystems muss von einer Verbesserung der Ausbildung der PädagogInnen ausgehen - da wird eine Verlagerung an die Universität allein zuwenig sein: Die Ausbildung muss auch praxisnäher werden. Die Universität Innsbruck hat diesebzüglich übrigens durchaus nachahmenswerte Initiativen gesetzt.
Zu hoffen ist, dass es endlich mutige Schritte in die richtige Richtung gibt - unsere Unterstützung für so ein Vorhaben ist sicher!
24. Januar 2009

Kindern eine Chance geben!

Kinder sind der schwächste Teil der Gesellschaft. Ihnen muss unser Schutz gelten. Das gilt speziell für die Kindern, die (aus welchen Gründen auch immer) benachteiligt sind. Beispielsweise für die Kinder von Flüchtlingen: Bei einer Abendveranstaltung in Wien hat mir eine Betreuerin die Situation dieser Kinder geschildert. Weitere Recherchen haben ihre Angaben bestätigt.
Demnach gibt es in den Erstaufnahmestellen in Traiskirchen und Thalham ständig zahlreiche Familien mit schulpflichtigen Kindern. Zumeist beläuft sich der Aufenthalt dort nur auf einige Tage oder Wochen, manche warten aber auch einige Monate auf Unterbringung in einem Flüchtlingsheim im Bundesgebiet.
Es wäre wichtig, den Kindern sofort nach ihrer Ankunft in Österreich Schulunterricht zuteil werden zu lassen (die regulären Pflichtschulen in den Orten würde das überfordern). Schulunterricht würde helfen, den Alltag in der Erstaufnahmestelle zu strukturieren, er fördert das Zusammenleben unterschiedlichster Kulturen in der Erstaufnahmestelle und vermittelt erste Deutschkenntnisse.
Für Flüchtlingskinder ist es auch überaus wichtig, die Gepflogenheiten des Schulunterrichts in Österreich kennen zu lernen. LehrerInnen an Pflichtschulen, die Flüchtlingskinder in ihre Klassen integrieren, beklagen, dass diese Kinder bzw. deren Eltern mit Koedukation, Mitteilungsheften, Hausaufgaben und Vormittagsunterricht häufig nichts anfangen können. Neben diesen Voraussetzungen können an einer Schule in der Erstaufnahmestelle auch die Bildungsstände erhoben werden. Etwa wann der letzte reguläre Schulbesuch und auf welcher Schulstufe er stattgefunden hat, welche Sprachen das Kind spricht, in welcher Schriftsprache es alphabetisiert wurde.
Vorbild für die Pflichtschulen in den Erstaufnahmestellen sollen die Heilstättenschulen in Krankenhäusern sein. Diese sind organisatorisch darauf ausgelegt mit Kindern auch nur wenige Tage oder Wochen zu arbeiten, mit unterschiedlichen Leistungsniveaus und in Kleingruppen zu unterrichten. Ein dauerhafter Schulbesuch ist in dieser Schulform nicht vorgesehen, die Erstbeschulung von Flüchtlingskindern wäre aber in dieser Organisationsform bestens möglich.
Gestern habe ich einen entsprechenden Entschließungsantrag (ganzer Text hier abrufbar) eingebracht. Mal sehen, wie die KollegInnen im Unterrichtsausschuss darauf reagieren.
20. Januar 2009

Kein „Change“ in der Bildungspolitik!

Während heute Barack Obama in den USA seinen großangelegten gesellschaftlichen Reformprozess einleitet und Hoffnung in die Zukunft weckt, bejubeln Ministerin Schmied und der Vorarlberger Schullandesrat Stemer ihren bildungspolitischen Pakt der Mutlosen. Gerade in Vorarlberg wären die Voraussetzungen für einen Schulversuch zur gemeinsamen Schule ideal, weil es nach der Reform-Eiszeit unter Elisabeth Gehrer viele engagierte LehrerInnen und eine reformbereite Elternschaft gibt.
Das Vorarlberger Modell ist hauptsächlich eine Aufwertung der Hauptschulen: Das ist prinzipiell zu begrüßen, aber kein Schulversuch in Richtung gemeinsame Schule. Immer noch fällt die Schullaufbahnentscheidung, entgegen den gesetzlichen Vorgaben des Schulversuchs, mit neuneinhalb Jahren und somit viel zu früh. Statt auf die im Schulversuch vorgesehene individuelle Förderung zu bauen, setzt das Vorarlberger Modell weiterhin auf die gescheiterten Leistungsgruppen, obwohl es laut Gesetz (§ 7a Abs 3 SchOG) maximal „temporär“ eine „äußere Differenzierung“ (also Leistungsgruppen) geben dürfte. Im Vorarlberger Modell hingegen ist die Abschaffung der Leistungsgruppen nicht einmal gefordert und somit auch an kaum einem Standort umgesetzt.
Eine der Ursachen dafür: Während in anderen Bundesländern bis zu 12 zusätzliche Stunden pro Klasse zur Verfügung stehen und somit wirkliche Reformmöglichkeiten eröffnet werden, sind es in Vorarlberg gerade einmal zwei (!) Stunden. Das führt zurecht zu großem Unmut unter den LehrerInnen und Eltern.
Nutzen wir doch die überdurchschnittlich große Reformbereitschaft der LehrerInnen und Eltern in Vorarlberg und schaffen wir eine richtige Modellregion Vorarlberg, in der alle 10- bis 14-Jährigen gemeinsam unterrichtet werden, in der es keine Leistungsgruppen, aber innere Differenzierung gibt, in der die Schwachen gefördert und die Starken gefordert werden: „Yes, we can!“
9. Januar 2009

„Schulreformmodell“ Vorarlberg?

Landesrat Siegi Stemer möchte, dass die Bundesregierung seinen „Reformmotor Vorarlberg“ weiter mit Geld schmiert und künftig 51 der 56 Hauptschulen als Vorarlberger Mittelschulen zu Schulversuchs-Standorten erklärt. Das ist auf bestehender Gesetzeslage nicht möglich, weil bekanntlich maximal 10 Prozent der Pflichtschulen an einem Schulversuch teilnehmen können.
Das große Engagement von LehrerInnen an den Hauptschulen wird derzeit missbraucht, weil das Vorarlberger Modell kein Schritt in Richtung gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen ist und nicht unser gravierendes Bildungsproblem (siehe PISA, PIRLS, TIMMS), sondern nur die politischen Probleme der Schulverwaltung (zu wenig Plätze an den Gymnasien) löst.
Einige Kritikpunkte:
1. Es findet kein gemeinsamer Unterricht von AHS- und HS-LehrerInnen statt (und ist auch nicht für die 2. lebende Fremdsprache ab der 3. Klasse vorgesehen).
2. Gesetzlich (§ 7a Abs 3 SchOG) dürfte es maximal „temporär“ „äußere Differenzierung“ (also Leistungsgruppen) geben. Im Vorarlberger Modell hingegen ist die Abschaffung der Leistungsgruppen gar nicht gefordert und wurde auch in kaum einem Standort umgesetzt.
3. Derzeit gibt es sogar Modelle, in denen die AHS-reifen Mittelschüler aus dem Klassenverband herausgelöst und eigens unterrichtet werden. Das ist den Zielsetzungen der Neuen Mittelschule diametral entgegengesetzt.
Folge: Aus einem zweigliedrigen Schulsystem mit Gymnasium und Hauptschule wird so ein dreigliedriges System zusätzlich mit der Mittelschule!
Das Problem ist nicht die 10%-Regel für Schulversuche (die ja jetzt schon umgangen wird), das Problem sind unausgegorene Schulversuche! Ziel des Schulversuchs müsste laut § 7a Abs 1 SchOG die „Verschiebung der Bildungslaufbahnentscheidung“ sein (also die spätere Trennung der Kinder statt mit 10 erst mit 14 Jahren). LR Stemer soll endlich deutlich sagen, ob er zu diesen Zielen steht. Derzeit verlangt das Ministerium weitere Schulversuche, ohne deren Zielsetzung klar zu formulieren (!!!). Das Motto: Egal wohin der Zug fährt, Hauptsache wir sind früher dort! Wenn es den Verantwortlichen um sinnvolle Reformen im Schulbereich geht, sollen sie die „Modellregion Vorarlberg“ mit einer wirklichen gemeinsamen Schule umsetzen - dazu braucht es eine gesetzliche Regelung mit 2/3-Mehrheit. Wir Grüne sind bereit, an so einem Gesetz mitzuwirken!
31. Dezember 2008

Wohin geht die Reise im Jahr 2009?

Eines ist sicher: Die Wirtschaftskrise wird uns wohl noch härter treffen, als es uns die Regierung(en) derzeit vormachen. Vor Angst den Kopf in den Sand zu stecken, macht aber bekanntlich keinen Sinn. Unsere Aufgabe ist es daher, dafür zu sorgen, dass zumindest unsere Regierung dort interveniert, animiert und investiert, wo die Zukunft gestaltet wird:
Da wäre beispielsweise der Bereich Bildung: Die Zukunft unserer Gesellschaft entscheide sich in den Klassenzimmern, meinte Unterrichtsministerin Claudia Schmied in den letzten Monaten in mehreren Interviews. Sie hat recht! Leider muss man sie aber immer wieder deutlich darauf hinweisen, dass deshalb massive Investitionen in unser Bildungssystem notwendig sind. Die Salzburger Nachrichten haben übrigens zum Jahreswechsel alle Bildungssprecher gefragt, was im kommenden Jahr zu tun sei. Ich finde es sehr interessant, wo die einzelnen Parteien Schwerpunkte gesetzt haben möchten. Nachzulesen unter "Es muss etwas geschehen!" Schmied und die rot-schwarze Regierung jedenfalls tun zu wenig für die "Klassenzimmer". Unabhängig vom parteipolitischen Hickhack sollte klar sein,
• dass jeder Euro in die Bildung mehr Chancengerechtigkeit schafft, dass jeder Euro in die Bildung die höchste volkswirtschaftliche Rendite abwirft,
• dass jeder Euro in die Bildung die zunehmenden sozialen Probleme zwar nicht löst, aber lindert (indem es weniger von der "Generation chancenlos" gibt als bisher),
• dass jeder Euro in die Bildung kontraproduktive Investitionen in die Vergangenheit (Autobahnen, Koralmtunnel, Stahlkocher und andere Megaprojekte) verhindert,
• dass jeder Euro in die Bildung zur Sicherung des sozialen Friedens beiträgt, indem er langfristig und nachhaltig unseren Wirtschaftsstandort und somit unser Sozialsystem und unsere Pensionen sichert!
Es ist die Aufgabe von Claudia Schmied, diese ganz oder teilweise zumindest theoretisch akzeptierten Fakten in der Regierung deutlich zu vertreten. Es wird wohl nicht nur im kommenden Jahr unsere Aufgabe sein, sie noch deutlicher daran zu erinnern! Die Weichen für die Zukunft werden in den nächsten Monaten gestellt werden. Dann wird klarer als jetzt sein, wohin die Reise geht!
20. Dezember 2008

Das böse Wien ist wieder einmal schuld!

"Wir brauchen Spielraum zum Arbeiten, man soll uns nicht beim Arbeiten stören", sagte LH Sausgruber am Freitag in Bezug auf das Thema Vorarlberger Mittelschule. Weil es derzeit "ein vom Bund verfügtes Limit gibt", seien 28 neue Vorarlberger Standorte für den Schulversuch Vorarlberger Mittelschule vorerst nicht genehmigt worden. "Weg mit dem Deckel!", forderte Sausgruber.
Interessant: "Vom Bund verfügt" bedeutet nämlich, dass eine 10%-Höchstgrenze für Schulversuche pro Bundesland mit Zähnen und Klauen verteidigt wird - und zwar von der ÖVP! Während die SPÖ diesbezüglich - wie immer - windelweich agiert und eigentlich keine klare Position hat, bekommt Sausi ausgerechnet vom Parteikollegen Hahn ein klares "Njet"! Im Kurier wird der Wissenschaftsminister so zitiert: "Zuerst müssen die Schulversuche evaluiert werden." Das bedeutet im Klartext: In vier Jahren reden wir weiter. Und ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon (wie immer mit einem heldenhaften Lavieren): "Ich sage nicht Ja zu einer gesetzlichen Änderung, aber auch nicht Nein."
Es wäre wohl an der Zeit, dass sich die Helden in der Ländle-ÖVP deklarieren: Wollen Sausgruber und Stemer die festgetrampelten Pfade verlassen und zu wirklichen Reformen im Schulbereich kommen? Dann sollen sie es bitte laut und deutlich sagen und sich nicht hinter ihren Parteikollegen im Osten verstecken. Sie müssten konsequenterweise auch Ross und Reiter nennen und die Verhinderer auf Bundesebene beim Namen nennen. Stattdessen werden Nebelkerzen geworfen und das getan, was in Vorarlberg immer gut ankommt: Das "böse Wien" ist schuld!
Zur Bedeutung der Bildungspolitik in der ÖVP übrigens ein "Schmankerl" aus dem Parlament: Der Vorsitz im Bildungsausschuss wurde ohne jede Diskussion abgegeben - an die FPÖ! Und zum Bildungssprecher machte man mit Werner Amon jemanden, der in der Gehrer-Ära jeden Kaputtsparvorschlag mitgetragen hat. Zudem sitzt Amon als Bildungssprecher nicht einmal im Parlament!

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