kostenloser Counter

A A A
HOME / /
FOLLOW

Bildung

19. Dezember 2008

Wohin geht die Mittelschule?

Meine Kritik am Vorarlberger Modell der Neuen Mittelschule hat erwartungsgemäß zu vielen Reaktionen geführt. Vor allem die Diskussion in "Vorarlberg heute" ist einigen Befürwortern des Ländle-Modells sauer aufgestoßen.
Von offizieller Seite wurde zwar geschimpft, aber kein einziger meiner Kritikpunkte widerlegt. Leider wird heute auch in einem Leserbrief in den "Vorarlberger Nachrichten" und der "Neuen" nicht inhaltlich auf die Kritik eingegangen. Ganz allgemein wird festgehalten, es sei eine "richtige Aufbruchsstimmung in der Lehrerschaft spürbar". Mir wird vorgeworfen, die Entwicklungsschritte "madig" zu machen.
Gerade wenn eine Aufbruchstimmung vorhanden ist und viele LehrerInnen sehr engagiert bei der Sache sind, sollten die Verantwortlichen doppelt vorsichtig sein, denn eine erneute Enttäuschung nach den bleiernen Gehrer-Jahren würde unserem Schulwesen nicht guttun. Und meine Befürchtung ist: Die Energie dieser KollegInnen verpufft leider, weil die Vorarlberger Mittelschule auch die zartesten Ansätze im bundesweiten Modell einer Entwicklung hin zu einer gemeinsamen Schule ignoriert und de facto neben Hauptschule und Gymansium ein dritter Schultyp geschaffen wird. Schon kurz- und mittelfristig werden die Probleme größer und nicht kleiner werden. Zusammengefasst nochmals meine Kritik an diesem Vorarlberger Modell:
• Keine Abschaffung der Leistungsgruppen
• Kein einziges Beispiel, bei dem alle SchülerInnen einer Region erfasst werden und somit kein wirkliches Gesamtschulmodell
• Keine Zusammenarbeit von AHS- und HS-LehrerInnen
• Kein einziges Ganztagsschulprojekt und kaum zusätzliche ganztägige Betreuungsangebote
Es wäre einer sachlichen Diskussion dienlich, wenn die Befürworter des Vorarlberger Modells auf diese Argumente eingehen würden! Wer etwas entwickelt, sollte wissen, wohin die Reise geht. Daher die einfache Frage: Wohin soll sich die Vorarlberger Mittelschule entwickeln? Was ist ihr Ziel?
16. Dezember 2008

Kein Reformmodell!

Die Vorarlberger Mittelschule wird als "Reformmodell" verkauft, Ministerin Schmied spricht gar vom "Reformmotor" Vorarlberg und Landesrat Stemer stimmt erfreut zu. Die Realität schaut leider anders aus, wie ich heute auf einer Pressekonferenz in Bregenz ausgeführt habe. Auf vol.at ist ein Video davon zu sehen und ein kurzes Video-Kurzstatement gibt es auch auf der Grünen Homepage:
10. Dezember 2008

Busek von der Rolle: 68er sind schuld!

Nun wissen wir es also. Erhard Busek hat die ultimative Erkenntnis für das schlechte Abschneiden österreichischer SchülerInnen bei den diversen internationalen Testungen. In der Zeitung Österreich verkündet er: „Schuld sind die 68er-Lehrer mit Anti-Leistung.“
Starker Tobak. Der ehemalige „bunte Vogel“ transportiert ein altes Vorurteil in konservativen Kreisen. Leider bleibt er uns die Erklärung schuldig, warum die 68er ausgerechnet im beschaulichen Österreich so erfolgreich waren und nicht etwa in den skandinavischen Ländern – wo sie wesentlich zahlreicher und energischer aufgetreten sind.
In Fachkreisen wird denn auch auf andere Zusammenhänge für das seit Jahren zu beobachtende Zurückfallen österreichischer SchülerInnen hingewiesen. Laut einer SORA-Umfrage müssen 85% der Eltern mit Kindern im schulpflichtigen Alter bis 14 die Hausaufgaben ihrer Kinder betreuen, mehr als die Hälfte davon täglich. Jährlich geben bei uns Eltern fast 140 Millionen Euro für Nachhilfe aus. Wäre es möglich, dass man hier ansetzen müsste? Wäre es möglich, dass die Ganztagsschule eine Lösung des Problems ist? Das österreichische Institut für Bildungsforschung stellt fest: Je weniger die Eltern verdienen, desto eher wechseln ihre Kinder nach der vierten Klasse Volksschule nicht in die AHS-Unterstufe, - auch wenn sie laut Volksschulzeugnis die AHS-Reife gehabt hätten. Das setzt sich fort über die Oberstufe bis zum Studium. In unserem Bildungssystem gehen also zu viele Begabungen verloren. Wäre es möglich, dass die von der ÖVP noch immer mit dem Kampfbegriff „Eintopfschule“ diffamierte Gesamtschule eine Lösung des Problems ist?
Es ist mutig von einem ÖVP-Politiker, in dessen Partei immer noch der Kampfbegriff der „Zwangstagsschule“ herumgeistert, ausgerechnet die wenigen 68er für den heimischen Bildungsnotstand verantwortlich zu machen und nicht die jahrzehntelange Reformverweigerung seiner Partei!
7. Dezember 2008

Österreichs Kinder haben sich die beste Ausbildung verdient!

Laut der Tageszeitung „Österreich“ schneiden Österreichs Zehnjährige in der TIMSS-Studie (5000 getestete VolksschülerInnen im Jahr 2007) in den Gegenständen Mathematik und Naturwissenschaften deutlich schwächer ab als beim letzten Vergleichstest 1995. Unter 36 an der Studie teilnehmenden Ländern klassierten sich die österreichischen Zehnjährigen im Gegenstand Mathematik an der 17. Stelle. 1995 hatte Österreich unter 16 Nationen noch den sechsten Platz belegt. Berücksichtigt man ausschließlich die Teilnehmerländer 1995, rutscht Österreich von Platz sechs auf zehn. In den Naturwissenschaften lag Österreich 1995 noch auf dem hervorragenden dritten Platz, jetzt unter den damaligen Teilnehmerstaaten auf Platz 9, unter den jetzigen 36 Nationen liegen unsere SchülerInnen auf Platz 15. Deutschland (1995 noch nicht dabei) liegt in beiden Bereichen jeweils vor Österreich auf Platz zwölf.
In allen drei großen Bildungsstudien (PISA, PIRLS und TIMMS) fällt Österreich seit Jahren immer weiter zurück. Trotzdem gibt es nur sehr halbherzige Reformschritte wie das Regierungsprogramm zeigt. Die Ursache für Österreichs Rückfall sind vielfältig, ein Hauptgrund liegt sicher in der Halbtagsschule. Laut dem deutschen Gehirnforscher Manfred Spitzer haben Kinder am Vormittag und am Nachmittag je eineinhalb Stunden volle Aufnahmefähigkeit. Durch die Halbtagsschule verzichtet Österreich auf die Hälfte der vollen Aufnahmefähigkeit. „Die alternative sinnvolle Nachmittagsgestaltung ist wichtiger denn je“, sagt Spitzer (in Focus-Schule 01/2004). Wenn Kinder am Nachmittag eine sinnvolle Beschäftigung haben, wird der Medienkonsum gesenkt. Zu viel Fernsehen und Computer schadet bekanntlich dem Lernen. Dagegen ist Bewegung einer der stärksten Stimulatoren für die Gehirnentwicklung bei Kindern. Diese seit langem bekannten Erkenntnisse werden in Österreich fast systematisch ignoriert.
Der verpflichtende Halbtagskindergarten, den die Regierung als Minimalkonsens anstrebt, bringt uns pädagogisch nicht weiter. Notwendig sind Ganztagskindergärten und Ganztagsschulen, um die volle Aufmerksamkeit der Kinder pädagogisch nutzen zu können.
2. Dezember 2008

Weltspitze in Krähwinkel?

Österreichs Bildungswesen müsse „Weltspitze“ werden, so das ambitionierte Ziel der neuen Bundesregierung. Gleichzeitig aber sind Bildungsministerin und der Wissenschaftsminister nicht in der Lage, sich über die Zuständigkeiten im zentralen Bereich der LehrerInnenausbildung zu einigen. Ich habe dazu heute in der "Presse" einen Kommentar verfasst: "Weltspitze in Krähwinkel?"
Der Befund ist nicht ganz so optimistisch wie bei Aussendungen der Minister Schmied und Hahn. Wenn wir weiterkommen wollen, braucht es nach Jahren des „Lehrerbashings“ in der Ära Gehrer ein völliges Umdenken. Ministerin Claudia Schmied hätte nun die Möglichkeit, den LehrerInnen-Beruf attraktiver zu machen. Die Probleme sind bekannt: niedrige Einstiegsgehälter, schlechtes Image, mangelhafte Ausbildung. Und was geschieht? Kompetenzgerangel zwischen den Ministerien statt konsequente Schritte in Richtung gemeinsamer Ausbildung aller PädagogInnen auf universitärem Niveau!
27. November 2008

(Teil-)Zentralmatura - ein Fortschritt?

Die "(Teil-)Zentralmatura" an AHS ist derzeit heftig in Diskussion. Ich ersuche daher alle Interessierten, hier mitzudiskutieren und mitzuhelfen, eine klare (grüne) Position zu beziehen. Meine Position schaut so aus:
Prinzipiell ist es zu befürworten, wenn Zeugnisse auch wirklich aussagekräftig sind. Eine "Zentralmatura" bietet die Chance dazu. Die Gefahr sehe ich darin, dass schulische Schwerpunkte nicht mehr so gesetzt werden können, weil ja alle SchülerInnen in allen schriftlichen Fächern ein bestimmtes Niveau aufweisen müssen. Warum soll es nicht möglich sein, am Schluss der 8. Klasse einfach den SchülerInnen ein Zeugnis über ihre jeweilige Sprachkompetenz auszustellen? Das kann ähnlich funktionieren wie beim Cambridge Certificate oder dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GERS) des Europarats und macht die Sprachkompetenz der SchülerInnen transparent und vergleichbar - die Skala reicht von A1 (elementare Sprachverwendung) bis C2 (nahezu muttersprachliche Sprachbeherrschung). Ich habe an meiner Schule befürwortet, am Pilotversuch teilzunhemen. Das ist im Sommer auch mit durchaus positiven Ergebnissen über die Bühne gegangen. Sprachen sind aber natürlich nur ein Aspekt bei der geplanten Reform.
Künftig soll die Reifeprüfung aus drei voneinander unabhängigen Modulen bestehen: einer "vorwissenschaftlichen Arbeit" (15-17 Seiten), einer schriftlichen "teilzentralen" Matura und einer mündlichen Prüfung.
Die schriftliche Prüfung besteht aus den Fächern Deutsch, Mathematik, einer lebenden Fremdsprache und einer weiteren Fremdsprache, DG, Chemie, Physik oder Biologie. Korrigiert und beurteilt werden die Arbeiten von den LehrerInnen der Schule nach einem vorgegebenen Korrekturschlüssel.
Für die mündliche Reifeprüfung können zwei Prüfungsgebiete gewählt werden. SchülerInnen ziehen die Fragen aus einem am Schulstandort festgelegten Pool von mindestens 30 Fragen pro Fach. Die Prüfung besteht nur aus der Beantwortung einer Frage, wobei in der Vorbereitungszeit eine Präsentation vorbereitet werden muss.
Die drei Bereiche der Reifeprüfungen sollen voneinander völlig unabhängig sein. Das bedeutet, dass eine negative Beurteilung im schriftlichen Bereich nicht durch eine positive Leistung im mündlichen Bereich kompensiert werden kann. Umgekehrt hindert sie aber auch nicht das Absolvieren der beiden anderen Bereiche: Wer seine vorwissenschaftlich Arbeit verhaut, kann trotzdem zu den Klausuren antreten, negative Klausuren können nach sechs Wochen wiederholt werden, und trotz negativer Klausuren kann man mündlich antreten. Die negativ beurteilten Prüfungsteile müssen aber jeweils nachgeholt werden.
Probleme sehe ich vor allem darin, dass negative schriftliche Arbeiten nicht durch mündliche Leistungen kompensiert werden können (was ja in der Schule möglich ist). Warum soll jemand eine individuelle schriftliche Schwäche nicht mündlich ausgleichen dürfen? Und ist es wirklich überall notwendig, 30 Fragen festzulegen? Das ist in Geschichte und Geographie sicher problemlos möglich, aber in einer "kurzen" (also drei- oder vierjährigen) Fremdsprache? Entweder sind die Fragen dann wohl zu detailliert oder zu ähnlich. Bei den "vorwissenschaftlichen Arbeiten" sehe ich das Problem "Copy-Paste-Taste": Wenn alle SchülerInnen eine Arbeit schreiben müssen, ist die Kontrolle sehr schwierig.
Was meint die geneigte Leserschaft?
25. November 2008

Kärnten: mangelnde Deutschkenntnisse!

Die Sorge der Grünen bezüglich Deutsch-Kenntnissen - besonders in der Kärntner Landesregierung - ist berechtigt. Wir haben daher folgende Anfrage eingebracht:
"Unter der Führung des BZÖ hat sich in der Kärntner Landesregierung eine Sprache herausgebildet, die Ähnlichkeiten mit dem hierorts üblichen Amtsdeutsch aufweist. Allerdings lassen die abweichenden Details der Scheuch´schen Rudimentärsprache den Schluss auf eine folgenreiche Entwicklung zu, die für die Zukunft Schwierigkeiten bei der Integration befürchten lässt. Am 18. November hat die Kärntner Landesregierung in ihrer Sitzung eine Resolution beschlossen. Seitdem bestehen berechtigte Zweifel, dass die von BZÖ und ÖVP gestellten Mitglieder der Landesregierung die notwendige Befähigung zum sinnerfassenden Schreiben erbringen. Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgende ANFRAGE:
1. Satz 1: „Seit dem Unfalltod von unserem Landeshauptmann…“ Ist die Beherrschung von dem Genetiv lässliches Beiwerk?
2. Noch immer Satz 1: „…reißt Berichterstattung nicht ab…“ Ist Satz so komplett?
3. Satz 2: „Die Berichterstattung des Landesstudio Kärntens zeigte Stil…“ Zeigt sie den Stil des Chef des BZÖs?
4. Satz 8: „Die ORF Redaktion stach besonders in den letzten Wochen durch top-recherchierte Berichte hervor.“ Die Kärntner Landesregierung stach in den letzten Tagen besonders durch top-gesetzte Bindestriche hervor. Dazu keine Frage.
5. Satz 9: Anstelle der Geschäftsführung des ORF wird die „Geschäftführung“ zu nichts aufgefordert. An ihrer Stelle wird der Stiftungsrat aufgefordert, „sein Anti-Kärnten-Programm mit sofortiger Wirkung zu stoppen“ und „die Kärntner Bevölkerung in seinen Beiträgen nicht mehr zu beleidigen“. Gilt auch für die Kärntner Landesregierung, dass weiblichen Hauptwörtern weibliche besitzanzeigende Fürwörter gebühren?
6. Noch immer Satz 9: Der Stiftungsrat wird weiter aufgefordert, „Respekt- und Pietätlose Berichterstattung“ zu unterlassen. Darf man in Großer Aufregung alles Groß schreiben?
7. Noch immer Satz 9: Der Stiftungsrat soll darüber hinaus dafür sorgen, „das ORF Landesstudio Kärnten mitsamt seiner Mitarbeiter in vollem Umfang zu erhalten“. Sind Sie bereit, die deutsche Sprache gegenüber ÖVP und BZÖ mitsamt Groß- und Kleinschreibung, Bindestrichen, Geschlechtsbezeichnungen, Rechtschreibung und Genetiv in vollem Umfang zu erhalten?
8. Die Resolution bezieht sich auf die Kärntner als hinterwäldlerische und zurückgebliebene Brauchtums-Bergbauern“. Welche pädagogischen Maßnahmen werden Sie zur sprachlichen Förderung der hinterwäldlerischen und zurückgebliebenen Brauchtums-Politiker in der Kärntner Landesregierung ergreifen?
2 von 2 226/J XXIV. GP - Anfrage
Auf die Anwort darf man gespannt sein!
24. November 2008

Fortschreibung des bildungspolitischen Elends!

Das war ja leider zu erwarten: Völlig ohne jeden innovativen und reformpädagogischen Anspruch präsentiert sich das Regierungsprogramm 2008 – 2013 in seinem Abschnitt zum Bereich Bildung. Von einer dringend notwendigen umfassenden Bildungsreform vom Kindergarten bis zu den Universitäten – etwa der gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen – ist nichts zu sehen.
In der Präambel wird versprochen, „durch massive Investitionen in Bildung, Wissenschaft und Forschung die Grundlagen auch für den zukünftigen Wohlstand unseres Landes“ abzusichern und „damit unserer Jugend die besten Startchancen in das Berufsleben“ zu bieten. Davon ist leider nichts zu merken. Nur einige Aspekte sollen herausgegriffen werden:
1. Das verpflichtende, kostenlose letzte Kindergartenjahr schreibt in pädagogischer Hinsicht nur den status quo fest. Schon derzeit besuchen 98 Prozent der 5-Jährigen einen Kindergarten. Die Betreuungsquote bei den Fünfjährigen in institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen lag im vergangenen Jahr laut Statistik Austria bei 93,3 Prozent, bei den Vierjährigen bei 91,2 Prozent.
2. „Ganztägige Schulformen und Ganztagsbetreuungsangebote unterstützen die ganzheitliche Entwicklung der SchülerInnen und sind bedarfsgerecht auszubauen, wobei regional die Wahlmöglichkeit sichergestellt wird.“
3. Prinzipiell ist zu begrüßen, dass „der fremd- und muttersprachliche Unterricht ausgebaut werden“ soll. Einerseits handelt es sich dabei aber um eine reine Absichtserklärung ohne jede Konkretisierung, andererseits muss die Förderung von Kindern, die der Unterrichtssprache nicht folgen können, bereits vor dem Schuleintritt erfolgen.(„Die Schuleingangsphase wird evaluiert mit dem Ziel, geeignete Fördermaßnahmen für die Aufnahme der schulpflichtig gewordenen Kinder, die der Unterrichtssprache nicht folgen können, zu entwickeln. Es werden Projekte erarbeitet und erprobt um den erfolgreichen Volksschulabschluss zu gewährleisten.“). Mit der proklamierten Herstellung von Chancengleichheit hat das nichts zu tun.
4. „Für Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden die gesetzlichen Grundlagen für die Integration nach der 8. Schulstufe erarbeitet.“ Mit keinem Wort wird im Regierungsprogramm auf die dringend notwendige Intensivierung der Integration im vorschulischen und schulischen Bereich eingegangen.
Auch im Bereich „Qualitätssicherung“ bleibt es bei unverbindlichen Absichtserklärungen. Bildungsstandards sollen „auf allen Ebenen konsequent weiterentwickelt“ werden, ebenso eine „standardisierte kompetenzorientierte Reifeprüfung mit zentralen und schulspezifischen Elementen unter Berücksichtigung schulautonomer pädagogischer Schwerpunkte“ (auf diese Teil-Zentralmatura möchte ich demnächst genauer eingehen). Nachdem in beiden Bereichen bereits intensive Vorarbeiten gemacht und Pilotprojekte durchgeführt wurden, muss auf das verbindliche Datum der Einführung gepocht werden. Auch für die „Feedback-Kultur zwischen SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern als Teil der Qualitätssicherung“ fehlen verbindliche Angaben.
Das Regierungsprogramm im Bereich der Bildung ist das, was wir seit Jahren in Österreich erleben: die Fortschreibung des bildungspolitischen Elends!
20. November 2008

Sonderpädagogischer Förderbedarf: Bericht aus Wien!

Was tut man so den ganzen Tag als Abgeordneter in Wien? Zumindest langweilig wird mir nicht. Dabei nimmt derzeit die parlamentarische Arbeit nicht den großen Teil der Arbeit in Anspruch.
Ein Beispiel: Das Recht auf sonderpädagogische Förderung wird durch die mangelnde Bereitstellung von Werteinheiten für Begleit- und FörderlehrerInnen untergraben. Derzeit geht das Unterrichtsressort davon aus, dass nur 2,7% der SchülerInnen einen sonderpädagogischen Förderbedarf haben. Tatsächlich sind es aber weit mehr, etwa 3,5%. Darüber hinaus benötigen auch SchülerInnen mit Schwächen in der Unterrichtssprache und besonders begabte SchülerInnen besondere Betreuung. Ebenso benötigen SchülerInnen nach längeren Abwesenheiten, etwa durch Auslandsaufenthalte, Schüleraustauschprogramm oder Krankheiten, Begleitung und Unterstützung bei der Wiedereingliederung in den Schulalltag.
Zwar wird von einigen Experten die bestehende Kontingentierung der Planstellen kritisiert und stattdessen ein am individuellen Bedarf orientiertes Zuteilungssystem gefordert, die Anhebung der SPF-Quote würde aber schon ein erster Schritt in Richtung Bedarfsdeckung geben und ließe sich kurzfristig umsetzen.
Ebenfalls benötigt wird der Einsatz von nichtpädagogischem Personal für unterstützende Tätigkeiten. Als wesentlicher Faktor für das Gelingen von Integration wird die Teamarbeit von Lehrern erachtet, insbesondere das Teamteaching Modell, wenn dieses mit genügend Ressourcen ausgestattet ist. Mehr Ressourcen für den Aspekt der Vernetzung, der Unterstützung, Fortbildung und Supervision im Arbeitsfeld der Sonderpädagogik ist ebenfalls eine oft gebrachte Forderung.
Daher möchte ich mit meinen KollegInnen im Klub den folgenden Entschließungsantrag einbringen:
„Die Bundesregierung wird aufgefordert, in einem ersten Schritt das Berechnungsmodell für personelle Ressourcen für den sonderpädagogischen Förderbedarf, das bundesweit von 2.7% der Schülerpopulation ausgeht, auf 4,5 % der Schülerpopulation anzuheben. Weiters wird die Bundesregierung aufgefordert Maßnahmen zu entwickeln, um mittelfristig eine bedarfsgerechte Zuteilung personeller Ressourcen unter Berücksichtigung der konkreten Situation, den Einsatz von nichtpädagogischen Personal für unterstützende Tätigkeiten sowie das Teamteaching Modell zu ermöglichen."
Für kritische Rückmeldungen aus der Praxis bin ich dankbar!
16. November 2008

Proteste gegen Bildungsabbau!

Diese Woche waren in Deutschland in 40 Städten etwa 100.000 SchülerInnen auf der Straße. Sie protestierten gegen Bildungsabbau und für mehr Investitionen. Zusätzlich kam es zu mehreren Besetzungen und der Stürmung von Bannmeilen. Eine Übersicht über den bundesweiten Schulstreik in Deutschland gibt es unter "schulaction.org".
Das war nur eine bemerkenswerte Aktion. Am 5. November gab es sogar einen globalen Aktionstag für freie und emanzipatorische Bildung und gegen die Kommerzialisierung im sogenannten (Global Action Day for Education). In Österreich führte die Hochschülerschaft ihre Aktion sinnigerweise vor der Alten Börse durch. Das Motto: "Geld für Bildung statt für Banken".
Der Hintergrund all dieser Aktionen: Seit den 90er-Jahren gibt es massive Pläne der Weltbank, den Zugang zu Bildungseinrichtungen vor allem bei kreditnehmenden "Entwicklungsländern" an Privatisierungsschritte im Bildungsbereich (wie Studiengebühren, gebührenpflichtige Aufnahmetests etc.) zu koppeln.
Die derzeitige Krise bietet auch eine Chance: Der Neolioberalismus hat durch die von ihm hervorgerufene derzeitige Krise seine vermeintliche und bei uns von Schüssel, Grasser & Co. propagierte Attraktivität verloren. Wir müssen diesem Modell im Bildungsbereich etwas entgegensetzen: freien Bildungszugang für alle! Investitionen in die Bildung (etw durch einen "New Deal" für Bildung - siehe den gestrigen Eintrag) sind nämlich auch Investitionen in einer gerechtere Welt. Und so nebenbei sind sie auch volkswirtschaftlich von Nutzen: derzeit verliert unsere Gesellschaft durch ein Bildungssystem des 19. Jahrhunderts nämlich viel "Humankapital". Nicht zuletzt Bildungsökonomen wie Ludger Wößmann weisen schon lange darauf hin: Wir brauchen das "Hirnschmalz" aller, um die Probleme der Zukunft lösen zu können.

Am meisten gelesen...

1 30624 05.11.08 Der Traum hat sich erfüllt! harald.walser 2 30050 11.05.11 Will Strache Brenner-Grenze verschieben? harald.walser 3 22265 01.05.08 Harald Walser - Lebenslauf harald.walser 4 19878 01.05.08 Meine Grundsätze harald.walser 5 15617 11.10.08 Jörg Haider ist tot! harald.walser 6 15470 01.05.08 Bilder harald.walser 7 14394 01.05.08 Kontaktdaten harald.walser 8 12532 01.05.08 Wahlplakate harald.walser 9 11417 27.11.08 (Teil-)Zentralmatura - ein Fortschritt? harald.walser 10 11356 03.11.08 Who's Nailin' Paylin? harald.walser 11 11095 11.03.11 Seminar: „Ideologie und Wirklichkeit des Nationalsozialismus“ harald.walser 12 10991 15.01.09 Cyberangriff gegen den Aufruhrversand harald.walser 13 10934 26.03.14 TTIP: No, thanks! harald.walser 14 10891 16.12.11 „Wehrt euch - occupy Austria!“ harald.walser 15 10878 14.01.13 Bundesheer laut General „megasinnlos“ harald.walser 16 10813 21.10.08 Warum Martin Graf nicht wählbar ist! harald.walser 17 10740 19.01.09 Zeichen der Hoffnung! harald.walser 18 10614 01.02.11 Karl Heinz Grasser - zu schön, zu jung, zu intelligent! harald.walser 19 10492 08.05.09 Fernando Torres nach Altach? harald.walser 20 10439 23.09.10 Ludwig XIV. als Vorbild für Josef Pröll? harald.walser 21 10391 16.11.09 Faymann und Strache als religiöse Fundis harald.walser 22 10252 02.04.11 „Ein Denkmal für Deserteure“ harald.walser 23 10195 12.10.08 Jörg Haider - und unser Umgang mit dem Tod harald.walser 24 10063 23.01.10 „Reinrassig & Echt“ - blauer Stumpfsinn! harald.walser 25 9945 22.02.11 Was ist mit der Dissertation von Johannes Hahn? harald.walser

development