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29. Juli 2011

FPÖ nur noch mit „dogmatisch Belehrbaren“?

KoenigshoferDer inzwischen aus Partei und Klub der FPÖ ausgeschlossene Werner Königshofer ist ziemlich mitgenommen und versteht die Welt nicht mehr. Warum soll jetzt plötzlich all das falsch sein, was bislang in der FPÖ als richtig angesehen wurde?
Sein Ausschluss wurde von FPÖ-Führer Heinz-Christian Strache damit begründet, der Tiroler sei „dogmatisch unbelehrbar“. Dass in der FPÖ nur „dogmatisch Belehrbare“ Platz haben, habe ich immer schon vermutet. Dass die Parteiführung das aber so offen sagt, erstaunt. Hingegen erstaunt nicht, dass in einer autoritären Partei der Parteiführer vom Urlaubsort aus einen Ausschluss aus Partei und Klub verkündet und nicht irgendwelche demokratischen Gremien. Wo kämen wir denn da hin!
Ich habe gestern in zwei Blogeinträgen schon auf einige Freiheitliche hingewiesen, die „dogmatische“ - noch besser aber schlicht sachliche - Belehrbarungen notwendig hätten: Susanne und ihr Sohn Michael Winter, John und sein Sohn Johann Gudenus. Hier ein paar weitere Vorschläge für zumindest bislang Unbelehrbare:
• der steirische FPÖ-Boss Gerhard Kurzmann, dessen „Moschee-baba-Spiel“ von der Staatsanwaltschaft gestoppt werden musste, weil dort Muezzine „abgeschossen“ wurden.
• Der Vorarlberger FPÖ-Boss Dieter Egger, der mit antisemitischen Rülpsern gegen den Direktor des jüdischen Museums Hohenems („Exil-Jude aus Amerika“) auf Stimmenfang gegangen ist.
• Und wenn wir schon in Vorarlberg sind: zu belehren wären auch die damaligen Mitglieder der FPÖ-Fraktion in Götzis. Beim einen hat man im Februar dieses Jahres ein ganzes Arsenal von Waffen, Munition, Uniformen und Hakenkreuzfahnen gefunden, der andere hat auf einer Neonazi-Website die Wiedererrichtung des Großdeutschen Reiches gefordert. Sind sie noch Mitglieder?
• Der FPÖler Karl Mayrhofer, die Nummer 4 auf der Gemeinderatsliste in Bludenz, hat gemeint: „Von Museln als Nazi bezeichnet zu werden empfinde ich als Auszeichnung. Dann wissen sie wenigstens zu was man noch fähig sein wird und auch fähig sein muss. Es gibt europaweit nur mehr die Gewaltoption.“ Mayrhofer wurde von der FPÖ aus dem Verkehr gezogen.
• Und belehren könnte sich Strache schließlich auch selbst. Bei den vergangenen Europawahlen ließ er Plakate mit dem Slogan „Abendland in Christenhand. Tag der Abrechnung.“ drucken. Wundert es jemanden, dass der Attentäter von der Insel Utoya die Freiheitlichen wörtlich als „Brüder“ bezeichnet?
• Für die „dogmatischen Belehrungen“ übrigens bitte nicht die Referentin Elisabeth Sabaditsch-Wolff vom Freiheitlichen Bildungsinstitut einsetzen. Sie war wegen des Verdachts der Verhetzung ein Fall für die Staatsanwaltschaft.
Und mit dieser Truppe kann sich ÖVP-Chef Michael Spindelegger eine Koalition vorstellen!
28. Juli 2011

Königshofer aus dem nationalen Spiel genommen!

Der Druck auf die FPÖ hat einen Erfolg gebracht: Der Tiroler Nationalratsabgeordnete Werner Königshofer ist heute Nachmittag mit sofortiger Wirkung aus der FPÖ und dem freiheitlichen Parlamentsklub ausgeschlossen worden. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hatte angesichts der unglaublichen Entgleisungen des (sogar in der FPÖ) Rechtsaußen und massivem öffentlichen Druck keine andere Wahl mehr, obwohl viele in der Strache-FPÖ die Königshofer-Positionen insgeheim oder offen teilen.
Ich darf daran erinnern, dass die Liste der politisch zweifelhaften KandidatInnen in den Reihen der Blauen eine sehr lange ist.
Die Nationalratsabgeordnete Susanne Winter ist rechtskräftig wegen Verhetzung und der Herabwürdigung von religiösen Lehren verurteilt. Ihr Sohn Michael ist ebenfalls rechtskräftig verurteilt, weil er dem Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl empfohlen hat, „als Sofortmaßnahme gegen muslimisch-türkische Vergewaltigungen eine Schafherde im Stadtpark grasen lassen“.
John Gudenus, ehemaliger FPÖ-Bundesrat, ist wegen NS-Wiederbetätigung rechtskräftig verurteilt. Sein Sohn ist der jetzige FPÖ-Klubobmann in Wien Johann Gudenus, er operiert gerne mit dem NS-Begriff „Umvolkung“. Und erst diese Woche wurde mit Elmar Podgorschek ein freundlich lächelnder FPÖ-Abgeordneter aus Ried entdeckt, der bei einem Treffen mit dem inzwischen inhaftierten Gottfried Küssel zugegen war. Da wartet auf den diesbezüglich auch nicht ganz unbekannten Parteiführer Strache (angeblicher Paintball-Spieler, dreifingriger Bierbesteller ...) noch viel Arbeit. Denn die Liste wäre noch lang ...
Und mit dieser Truppe kann sich ÖVP-Chef Michael Spindelegger eine Koalition vorstellen!

Königshofer, Winter, Martin Graf ... die Liste ist lang!

KoenigstigerKann es sein, dass das rechte Treiben des „Königstigers“ jetzt sogar der FPÖ zu viel ist? Werner Königshofer nennt sich ja gerne nach dem gleichnamigen Wehrmachtspanzer.
Nur um klarzumachen, um was für einen Herren es sich beim FPÖ-Abgeordneten handelt: Man muss nämlich nicht in den hohen Norden schauen, um rechtsextremistische und brandgefährliche Manifeste zu lesen. Jenes des norwegischen Rechtsextremisten und Massenmörders Anders Behring Breivik erinnert fatal an jenes von Königshofer. Es war auf seiner Homepage - bis er diese wegen der Turbulenzen vom Netz nahm - herunterladbar. Hier einige Zitate (inklusive Rechtschreibfehler):
• „Tat oder Tod - Es liegt in der Hand der Tiroler. Das Recht ist unzweifelhaft auf ihrer Seite und ist ein Notwehrrecht. "Es ist 10 Minuten nach 12.00 Uhr".“
• „Bleiben die Moslems im Lande, werden sich die Tiroler langfristig den Moslems unterwerfen müssen oder sie müssen bald etwas dagegen tun.“
• Wie stellt sich Königshofer die von ihm geforderte „Ent-Orientalisierung Tirols“ vorstellt, drückt er in einem „Gedicht“ aus:
Was keiner wagt, das sollt ihr wagen,
was keiner sagt, das sagt heraus,
was keiner denkt, sollt ihr befragen,
was keiner anfängt, das führt aus.
• „Wer heute einen Neger in Afrika rettet, ist schuld, dass in einigen Jahrzehnten deshalb 10 Neger sterben, die sonst nicht geboren worden wären. Wer heute Orientalen und Afrikaner ins Land bringt, schafft grosse Probleme und sicher viel Leid allen Landesbewohnern für die Zukunft.“
Einige Fakten zur Biographie Königshofers:
• In seiner Studentenzeit war er Mitglied der rechtsextremen Burschenschaft Brixia
• 1971 Eintritt in die inzwischen wegen „Wiederbetätigung“ verbotene Nationaldemokratische Partei (NPD)
• 1977 2. Landessprecher für „Gesamttirol“ der NDP
• Königshofer verlangt von Kardinal Schönborn, er soll sich in seiner Kirche um die „warmen Brüder, Klosterschwuchteln und Kinderschänder kümmern“.
• Im Jänner 2010 bezeichnete er unseren Tiroler Landtagsabgeordneten Gebi Mair als „Landtagsschwuchtel“.
• Im März 2011 wurde bekannt, dass er die rechtsextremistische Internetplattform „Alpen-Donau.info mit Informationen versorgte.
• Im Juni 2011 stellte das Handelsgericht Wien das als erwiesen fest.
Königshofer ist bei den Freiheitlichen alles andere als ein Einzelfall. In der FPÖ-Nationalratsriege tummeln sich weitere Kaliber von seiner Art: Susanne Winter wurde im Jänner 2009 wegen Herabwürdigung religiöser Lehren und Verhetzung verurteilt und ist laut „Kleiner Zeitung“ mit bekennenden Neonazis befreundet, von Martin Graf und den vielen anderen Mitgliedern der meist rechtsextremen Burschenschaften gar nicht zu reden! Über ihn habe ich auf diesem Blog ja schon mehrfach berichtet.
Und mit dieser Truppe kann sich ÖVP-Chef Michael Spindelegger eine Koalition vorstellen!
26. Juli 2011

Schulreform: Schmied hat resigniert!

Gestern hat mich die Unterrichtsministerin Claudia Schmied in einem Interview aufgefordert, ich solle mich als „ehemaliger AHS-Direktor“ für die Neue Mittelschule stark machen. Zum Grundsätzlichen: Wenn die Unterrichtsministerin von einem Oppositionspolitiker verlangt, er soll ihren Job erledigen, spricht das Bände für Ihre Ratlosigkeit in Sachen Bildungsreform!
In den „Vorarlberger Nachrichten“ konnte ich heute zu den merkwürdigen Angriffen Stellung beziehen. Hier das VN-Interview:

Bildungsministerin Claudia Schmied hat im gestrigen VN-Interview gemeint, Sie könnten als ehemaliger AHS-Direktor ein bisschen für die Teilnahme von Gymnasien an der Neuen Mittelschule werben. Was halten Sie davon?
Walser: Da kann ich nur schmunzeln. Tatsache ist, dass sogar Experten aus ihrer eigenen Partei von der Neuen Mittelschule als zweitem Klassenzug unseres Schulsystems sprechen. Und dann meint die Ministerin allen Ernstes, ich soll für diesen Etikettenschwindel zur Verfügung stehen. Tut mir leid, aber das geht mit mir nicht.
Was würden mit Ihnen gehen?
Walser: Mit den Grünen geht eine ordentliche Schulreform, wie sie alle Bildungsexperten fordern. Das heißt, eine moderne gemeinsame Schule, die leistungsfähig ist, die von sehr guten Schülern Leistungen abfordert, es ihnen ermöglicht, zu ihren Höchstleistungen zu kommen, die aber gleichzeitig auch jene Schülerinnen und Schüler fördert, die Leistungsdefizite haben.
Andererseits gibt es die Befürchtung, dass dann alle Schüler nur noch Mittelmaß sind.
Walser: Das ist genau die Situation, die wir in Österreich schon haben. In Finnland beispielsweise gibt es dreimal mehr Spitzenschüler, aber nur ein Fünftel unserer Risikoschüler. Das belegt: Schüler können gemeinsam lernen und sie können voneinander lernen. Durch das frühe Separieren erreichen wir das nicht, sondern höchstens das Gegenteil.
Das neue Dienst- und Besoldungsrecht soll noch vor den nächsten Wahlen kommen.
Walser: Ich erinnere daran, dass wir in den letzten Monaten einen unausgegorenen Vorschlag nach dem anderen aus dem Bildungsministerium gehört haben. Vorwärts gegangen ist de facto nichts. Glauben tu ich an dieses neue Dienst- und Besoldungsrecht dann, wenn es vorliegt.
Was halten Sie davon, Freizeitpädagogen für die Nachmittagsbetreuung an die Schulen zu bringen?
Walser: Ich halte das für eine fatale Entwicklung. Einerseits sprechen ÖVP und SPÖ davon, dass alle Lehrkräfte universitär ausgebildet werden, und dann entwickelt man ein neues Berufsbild von Freizeitpädagogen, die am Nachmittag die Kinder betreuen sollen, ihnen aufgrund der Schmalspurausbildung aber nicht einmal bei den Hausaufgaben helfen dürfen. Das ist absolut der falsche Weg. Wir wollen eine solide Ausbildung für alle und wir wollen Ganztagsschulen mit einem pädagogischen Konzept und nicht, wie sich das jetzt entwickelt, Aufbewahrungsanstalten für Kinder, die zu Hause keine Aufsicht haben.

Und damit wir nicht vergessen, worum es in der Schule eigentlich geht: „Kein Kind zurücklassen!“
25. Juli 2011

Engelbert Dollfuß - Täter und Opfer!

DollfussDas Bild rechts verdeutlicht das ideologische Umfeld des heute vor 77 Jahren durch Mitglieder der damals verbotenen NSDAP bzw. der SS ermordeten Engelbert Dollfuß. War Dollfuß „Heldenkanzler“ oder doch nur „Arbeitermörder“?
Fakt ist, Dollfuß hat die Demokratie beseitigt, einen Bürgerkrieg mit Hunderten von Toten zu verantworten, ein austrofaschistisches Regime etabliert und lange auf eine Verständigung mit den Nazis gehofft. Sein Feind stand „links“. Diese Einschätzung hat ihn das Leben gekostet.
Was bis heute ungelöst ist: Die Justizopfer und andere Verfolgte des Austrofaschismus sind nach wie vor nicht rehabilitiert. Im März 2009 habe ich gemeinsam mit meinem Kollegen Albert Steinhauser einen Brief an einige österreichische HistorikerInnen (Rathkolb_Brief (pdf, 16 KB)) geschrieben und um Unterstützung für eine Initiative zur Rehabilitierung der Justizopfer des Austrofaschismus gebeten. Es folgte eine parlamentarische Initiative, die in einem Entschließungsantrag mündete. Ein ganzes Jahr blieben wir die Einzigen, die sich in diesem Zusammenhang eingesetzt haben: „Überfällige Rehabilitierung der Februarkämpfer“.
Nach fast einem Jahr hat sich dann eine Initiative von 97 HistorikerInnen unseren Forderungen angeschlossen und in einem Brief an alle Nationalratsabgeordneten „die Rehabilitierung all jener Menschen“ gefordert haben, „die im Gefolge der Februarkämpfe 1934 von Standgerichten des Regimes abgeurteilt wurden“.
Im Jänner dieses Jahres habe ich dann im Parlament erneut einen Entschließungsantrag „betreffend die Rehabilitierung von Justizopfern des Austrofaschismus“ eingebracht. Das hat zu erfreulicher Bewegung in dieser Sache geführt. Derzeit sind wir mit SPÖ und ÖVP in intensiven Verhandlungen über die überfällige Rehabilitierung von Verfolgten und Justizopfern des Austrofaschismus. Ich bin durchaus optimistisch, dass wir gegen Jahresende soweit sind, dass wir im Parlament eine zufriedenstellende Regelung beschließen können.
22. Juli 2011

Hymnendiskussion und Habsburg - der nächste Vorschlag!

Karl-HabsburgKarl Habsburg als Kaiser? Keine Bange, das ist nur ein Alptraum! Die Gefahr besteht nicht. Aber ein paar Gedanken sowohl zur Nostalgie rund um das Haus Habsburg als auch zur Diskussion um unsere Hymne darf man sich machen.
Hier ein Vorschlag aus der 1. Republik: Gegendert ist er allerdings nicht - der kreative Text zur alten Hymne, die so gut zur Sehnsucht nach der angeblich so guten alten (Habsburg-)Zeit passt. Immerhin aber ist es der Text aber wert, (schmunzelnd) zur Melodie der alten Kaiserhymne und der jetzigen deutschen Nationalhymne gesungen zu werden. Er stammt von keinem geringeren als Karl Kraus, der diese republikanische Parodie auf die österreichische Kaiserhymne im Jahr 1920 geschrieben hat, weil - wie er sich treffend ausgedrückt hat - die „Melodie [Haydns] seit jeher, seit dem guten Kaiser Franz, schlecht aufgehoben“ war:

Gott erhalte, Gott beschütze
vor dem Kaiser unser Land!
Mächtig ohne seine Stütze,
sicher ohne seine Hand!
Ungeschirmt von seiner Krone,
stehn wir gegen diesen Feind:
Nimmer sei mit Habsburgs Throne
Österreichs Geschick vereint!

Fromm und bieder? Wahr und offen
lasst für Recht und Pflicht uns stehn!
Nimmermehr, so lasst uns hoffen,
werden in den Kampf wir gehn!
Eingeheizt die Lorbeerreiser,
die das Heer so oft sich wand!
Gut und Blut für keinen Kaiser!
Friede für das Vaterland!

Was des Bürgers Fleiß geschaffen,
schützet keines Kriegers Kraft!
Nicht dem Geist verfluchter Waffen
diene Kunst und Wissenschaft!
Segen sei dem Land beschieden;
Ruhm und Wahn, sie gelten gleich:
Gottes Sonne strahl' in Frieden
auf ein glücklich Österreich!

Lasst uns fest zusammenhalten,
in der Eintracht liegt die Macht!
Mit vereinter Kräfte Walten
wird das Schwerste leicht vollbracht.
Lasst uns, eins durch Brüderbande,
gleichem Ziel entgegengehn:
Ohne Kaiser glückts dem Lande –
dann wird Österreich ewig stehn!

Uns gehört, was Gott verwaltet,
uns im allerhöchsten Sinn,
reich an Reiz, der nie veraltet –
Reich der Huld, arm an Gewinn!
Was an Glück zuhöchst gepriesen,
gab Natur mit holder Hand.
Heil den Wäldern, Heil den Wiesen,
Segen diesem schönen Land!
20. Juli 2011

Habsburg - keine politische Seligsprechung in Sicht!

Habsburg-BegraebnisDer Pomp beim Begräbnis von Otto Habsburg lässt einen Republikaner doch etwas verstört zurück. War´s doch mehr als nur Otto Habsburg? Der letzte Kaisersohn? Der letzte Thronfolger? Der Letzte?
Man sollte aus der in den letzten Tagen und Wochen doch deutlich geschönten Biographie einiges zurechtrücken. Auf der „Haben-Seite“ fällt mir ein, dass Habsburg im US-Exil einen Beitrag zum Wiedererstehen eines souveränen Österreich nach Kriegsende geleistet hat. Das zu einem Zeitpunkt, an dem nur sehr wenige an Österreich geglaubt haben und eine Loslösung vom „Deutschen Reich“ unmöglich erschien. Was er selbst für sich und seine Familie damit für Ziele verfolgt haben mag, ist in diesem Fall nicht erheblich.
Sein Beitrag zur österreichischen Innenpolitik war mir allerdings schon vor Jahrzehnten ein Problem, als ich ihn - wie das Armin Thurnher im „Falter“ so schön beschrieben hat - in den damals stramm konservativen „Vorarlberger Nachrichten“ keineswegs als Liberalen oder gar „Linksabweichler“ erlebte, sondern als erzreaktionäre Stimme der Vorgestrigen.
Schwer wiegt auf der „Minus-Seite“, dass Otto Habsburg bis zu seinem Tod am politischen Mythos „Österreich als erstes Opfer Hitlerdeutschlands“ festgehalten hat. Völkerrechtlich war Österreich das „erste Opfer“, dass ein großer Teil der Bevölkerung Hitler jubelnd empfangen hat, gehört aber genauso zur Geschichte. Noch im März 2008 sagte Habsburg in einem jenseitigen Auftritt im Parlament: „Wenn es immer wieder blamable Diskussionen darüber gibt, ob die Österreicher Mitschuldige oder Opfer waren, dann muss ich sagen, dass es keinen Staat in Europa gibt, der mehr Recht hat, sich als Opfer zu bezeichnen!“
Es zeugt zudem nicht von politischem Format, wenn sich jemand zu solchen verharmlosenden Aussagen über die „Anschluss“-Begeisterung am Heldenplatz hinreißen lässt: „Wenn irgendwo ein großer Rummel ist, dann kommen viele und jubeln. Wenn man von den 60.000 am Heldenplatz spricht - bei jedem Fußballmatch sind auch 60.000!“ Nein, Herr Habsburg, so kann man mit diesem Teil unserer Geshichte nicht umgehen - ganz abgesehen davon, dass rund 250.000-300.000 NS-Anhänger Hitlers „Vollzugsmeldung“ auf dem Heldenplatz bejubelt haben. Wir vergessen auch nicht, dass die zahlreichen österreichischen NS-Täter bei Otto Habsburg nie eine Rolle gespielt haben!
Was ihm anzurechnen ist: Er war am 19. August 1989 und somit am Ende des Kalten Kriegs Initiator und Schirmherr des „Paneuropäischen Picknicks“ an der österreichisch-ungarischen Grenze, bei dem mehr als 600 DDR-Bürger nach Österreich flüchteten.
Aber auch hier ist Vorsicht geboten, immerhin konstatierte sein Sohn Karl: „Für ihn [Otto Habsburg] war die EU die Fortsetzung der Reichsidee, des habsburgischen Vielvölkerstaates.“ (im Interview mit Conny Bischofberger, "Eine neue Ära beginnt", KURIER 08.07.11). Schon einmal etwas vom „Völkerkerker“ gehört?
Für Habsburg-Nostalgiker mag das Positive ausreichen, wie bei seinem Vater Karl sind auch bei der Katholischen Kirche „höhere Weihen“ nicht auszuschließen - für einen geschichts- und demokratiebewussten Republikaner reicht die Biographie Otto Habsburg aber nicht für eine politische Seligsprechung.
17. Juli 2011

Wer kennt das längste Wort auf Deutsch?

In Sachen Bürokratie können die Deutschen ja bekanntlich sogar mit uns ÖsterreicherInnen locker mithalten. Ein Gesetz mit einem Namen in der Länge von „Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz“ habe ich allerdings noch nie mitbeschließen müssen. Mit 63 Buchstaben ist eines der längsten Hauptwörter der deutschen Sprache. „Die Zeit“ hat kürlich darüber berichtet, aber gleichzeitig darauf spöttisch gewarnt: „Mehr Buchstaben machen noch keine bessere Politik“!
Das obrige Gesetz stammt übrigens aus dem Jahr 1999 und hat auch eine Kurzform: „RflEttÜAÜG“. Na also. Es geht also auch kürzer.
Allerdings gibt es da noch die „Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung“, die sogenannte „GrundVZÜV“. Die hat sogar 67 Buchstaben und war im Jahr 2003 kurzfristig Rekordhalter. „Die Zeit“ spöttisch: „(Sie) erwies sich aber recht bald als Sackgasse der Sprachevolution, weshalb ihre 67 Buchstaben wieder aus dem Alltagsdeutsch verschwanden. Ein Akt der Gerechtigkeit. Schließlich hatte die Verordnung das Gesetz nur deshalb um Längen - vier Buchstaben! - schlagen können, weil sie selbst es nie zum Gesetz geschafft hat.“
Doch laut Artiekl sind auch die Tage des „RflEttÜAÜG“ als „Prahlhans unter den Gesetzesnamen (»Ich hab den längsten«)“ gezählt. Dafür sollen dann ausgerechnet wir Grüne mitverantwortlich sein: „Wenn von 2013 an wieder Rot-Grün regiert, wird das deutlich zu kurz geratene Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABeG) dem Ruf der neuen Regierung als Turboaussteiger angepasst. Aus dem NABeG wird zunächst ein Netzausbaubeschleunigungserweiterungsgesetz (NaBErG), dann ein Netzausbaubeschleunigungserweiterungsergänzungsgesetz (NABErErG), um schließlich mit dem Netzausbaubeschleunigungserweiterungsergänzungsnovellierungsgesetz (NABErErNoG) 66 Buchstaben und ein neues Zeitalter zu erreichen. Allerdings kommt man auch schneller dahin: Man erklärt die Atomkraft zur Green Technology und verabschiedet ein Atomkraftwerketikettierungsschwindelüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz, kurz: CDU.“
Soweit die Irrungen und Wirrungen unseres nördlichen Nachbarn. Ich kann versichern: Wir tun in Österreich unser Bestes, um mithalten zu können!
14. Juli 2011

Leben Sie am Mond?

Hier ein kurzes „Best of Reaktionen“ zur Tito-Diskussion (zum Schutz der – meist nicht anonymen – Schreiberlinge, mache ich das ohne Namensnennung, bin aber auf Nachfrage gerne bereit, die Herren zu nennen), die meist sehr originelle Rechtschreibung wurde unverändert übernommen:
• „Wie können Sie die Verbrechen vom Massenmörder Tito gutheissen? Bitte um Stellungnahme?“
• „Ich bin weder Faschist noch Neonazi oder Neoliberal!“
• „was in österreich gleich nach 1945 an geschichtskleisterung getätigt wurde fällt sehr wohl unter MÄRCHEN … diese "fakten" muss man nicht mehr weiterschleppen.“
• „Ich liebe Stalin, Tito und die Rote Fahne!“
• „Wie kommt Die Presse dazu, solchen Schmarrn abzudrucken?“
• „Partisanen stellen sich selbst außerhalb jeglicher Normen des Kriegsrechts und zwingen angegriffene reguläre Soldaten zu besonderen Maßnahmen.“
• „die aberkennung von titos orden lässt sich auch ohne junktim mit anderen suspekten ordensträgern durchführen. ein solchen (unnötiges) junktim erweckt den eindruck, dass sie sich schützend vor tito stellen..auch wenn das nicht so ist. die schiefe optik bleibt“
• „Sie Haben in Ihrem Artikel in heutigen Presse vergessen zu Erwähnen, daß es nur den Engländern zu verdanken ist, daß Südkärnten nicht Tito - yugoslawisch wurde.“
• „Sie scheinen wie viele der linken Nachkriegsgeneration der Meinung zu sein, daß bereits alle kurz vor oder Anfangs des 2. Weltkriegs Geborenen schon gestorben sind bzw. an Demenz leiden.“
• Und mein persönlicher Hit: „Leben Sie am Mond?“

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