Österreich nicht reif für die gemeinsame Schule?
harald.walser | 27. Jun, 08:17 | 0 Kommentare
Gestern Abend hat Vorarlbergs Schullandesrat Siegi Stemer in der ZiB2 gemeint: „Österreich ist derzeit absolut nicht reif für eine gemeinsame Schule.“ („Bilanz: Vier Jahre neue Mittelschule“)Leider macht Stemer hier den Fehler vieler Schwarzer: Er verwechselt Österreich mit der ÖVP. Österreich ist überreif für eine moderne gemeinsame Schule, und wir haben beim besten Willen nicht die Zeit, darauf zu warten, bis das auch die ÖVP kapiert. Und hier nochmals zur Erinnerung, warum diese Reform seit Jahren überfällig ist:
• Stemer und seine ÖVP benachteiligen den ländlichen Raum: Im Bezirk Bregenz haben nur Kinder mit maximal einem „Gut“ im Zeugnis der 4. Klasse Volksschule eine Chance auf einen AHS-Platz, im ersten Bezirk in Wien haben heuer 94,12% Platz an einer AHS gefunden!
• Der Ansturm auf die AHS-Unterstufe ist ungebrochen (ÖVP-Bildungspolitik: tarnen und täuschen!).
• Stemer und seine ÖVP benachteiligen Kinder aus sozial schwachen Schichten: Seit über 40 Jahren rügt die OECD: bei uns wird höhere Bildung wegen der zu frühen Trennung der Kinder mit neuneinhalb Jahren „vererbt“.
• Im OECD-Durchschnitt erwerben 31% der Kinder aus bildungsfernen Schichten einen höheren Bildungsgrad als ihre Eltern , in Österreich sind es nicht einmal 20%.
• Bei allen internationalen Testungen im Bildungsbereich fällt Österreich seit eineinhalb Jahrzehnten zurück.
• Ein Drittel der 15-Jährigen in Österreich kann nach neun Jahren Schulpflicht nicht sinnerfassend lesen!
• Rund 8.000 Jugendliche verlassen jährlich mit maximal einem Pflichtschulabschluss die Schule.
• Die Wirtschaft jammert: Egon Blum, der „Lehrlingsbeauftragten“ der ÖVP-FPÖ-Regierung, gibt zu, dass es nicht mehr genug „ausbildungsfähige“ 15-Jährige gibt!
• Die Arbeiterkammer schlägt Alarm: 265.000 Kinder in Österreich brauchen Nachhilfe! In Finnland kennt man nicht einmal das Wort „Nachhilfe“.
• Die Eltern gaben für Nachhilfeunbterricht im letzten Jahr 107 Millionen Euro aus.
• Laut AK-Präsident Herbert Tumpel können sich immer weniger Eltern teure Nachhilfe leisten.
Wie war das noch einmal, Herr Landesrat? „Österreich ist derzeit absolut nicht reif für eine gemeinsame Schule“? Österreich kann sich diese reformunfähige ÖVP nicht mehr leisten!
Für uns gilt daher in der „Grünen Schule“: „Kein Kind zurücklassen!“
In Finnland - das Bild links stammt aus einer Schule in der Stadt Jyväskylä, die ich im Rahmen einer Studienreise durch das finnische Schulsystem besucht habe - ist sogar der Begriff „Nachhilfeunterricht“ unbekannt. Schule findet nämlich in der Schule statt. Klingt doch vernünftig - oder?
Die heutige „Pressestunde“ mit Unterrichtsministerin Claudia Schmied hat nichts wesentlich Neues gebracht. Ihre Vorstellungen einer Bildungsreform gehen durchaus in die richtige Richtung. Seit vielen Jahren! Und genau da liegt das Problem: Es geht nämlich bekanntlich vor allem darum, Ankündigungen auch umsetzen.
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