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19. Dezember 2012

Clemens Hellsberg und die FPÖ!

Staatsoper_NSDie Reaktionen auf den heutigen Beitrag von Stefan Kappacher im Morgenjournal (Die NS-Vergangenheit der Philharmoniker) und meinen Blogeintrag bzw „Presse“-Kommentar (Wiener Philharmoniker und NS-Zeit - Historienmalerei statt Aufklärung!) waren selten heftig: Der Zorn vieler Menschen über das inakzeptable Verschweigen, Vertuschen und Verfälschen ist groß. Clemens Hellsberg ist als Vorstand der Philharmoniker verantwortlich für diesen leider nicht ganz untypisch österreichischen Zugang zur Vergangenheit. Er steht daher besonders in der Kritik. Schon im Mittagsjournal konnte Stefan Kappacher einige kritische Stimmen einfangen - unter anderem jene des ehemaligen Operndirektors Ioan Holender (NS-Zeit: Holender kritisiert Philharmoniker).
Besonders freut mich, dass sich auch Kulturministerin Claudia Schmied klar positioniert und die Philharmoniker auf ihre Verantwortung in Sachen Aufarbeitung der Geschichte hingewiesen hat.
Aber es gibt natürlich auch Verteidiger von Clemens Hellsberg. Na ja - genau genommen sind es nur zwei: die FPÖ-Kultursprecherin Heidemarie Unterreiner (Grüner Walser hetzt gegen die Philharmoniker) und der FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz (Alle Jahre wieder - grüne Schlafstörungen vor Neujahrskonzert). Wir wollen wie immer fair sein und Herrn Rosenkranz im Original zitieren: „Bewundernswert die Ruhe und Feinheit, mit der der Vorstand der Philharmoniker Clemens Hellsberg die Anwürfe pariert hat. Wenn grüne Kulturpolitik in Österreich etwas zu sagen hätte, wäre es um Österreich als Kulturland jedenfalls schlecht bestellt.“ So kann man die Forderung nach Aufarbeitung der Rolle in der NS-Zeit auch interpretieren. Der ORF jedenfalls berichtet: „Der Vorstand des Orchesters wehrt sich dagegen, eine Historikerkommission einzusetzen, um das Kapitel der Vergangenheit offensiv aufzuarbeiten. Das ergebe keinen Sinn, das Archiv stehe ohnehin für jeden Forscher offen.“ Letzteres ist die glatte Unwahrheit, wie mir auch heute wieder ein Historiker berichtet hat.
Das Rollen in dieser Auseinandersetzung sind jedenfalls klar vergeben. Das Match heißt Hellsberg mit der FPÖ gegen den Rest der Welt.

Wiener Philharmoniker und NS-Zeit - Historienmalerei statt Aufklärung!

Staatsoper_NSWann stellen sich die Wiener Philharmoniker endlich ohne Wenn und Aber ihrer Geschichte in der NS-Zeit?
Ich habe auf diesem Blog und in Gastkommentaren („Zeit des Totschweigens ist vorbei: neue Töne bei Philharmonikern“ und Wiener Philharmoniker - „Es klang wunderbar. Ganz judenrein!“) das Thema schon mehrfach aufgegriffen.
Heute berichtet Ö1 im Morgenjournal über meine erneute Kritik an Clemens Hellsberg, dem Vorstand der Philharmoniker. Er verhindert nach wie vor die umfassende kritische Aufarbeitung. In der „Presse“ habe ich dazu einen Gastkommentar verfasst: „Historienmaler Hellsberg
Darin gehe ich unter anderem auf eine Episode aus den 60er-Jahren ein. Kurz nach seiner Entlassung aus dem Kriegsverbrechergefängnis in Spandau am 30. September 1966 erhielt der ehemalige Wiener Gauleiter Baldur von Schirach Besuch von einem „geheimen Emissär der Wiener Philharmoniker“. Der Zweck des Besuchs: Schirach, der die Deportation von bis zu 185.000 österreichischen Juden wörtlich als „Beitrag zur europäischen Kultur“ bezeichnet hatte, erhielt den Ehrenring des österreichischen Staatsorchesters. Diese Episode fehlt im Buch über die Philharmoniker, mit der deren heutiger Vorstand Clemens Hellsberg 1992 bekannt geworden ist. Das erstaunt, zog doch bis 1967 mit NSDAP-Mitglied Otto Strasser der große Förderer Hellsbergs bei den Philharmonikern die Fäden – und als Ehrenvorstand auch danach.
Dass ausgerechnet Hellsberg heuer von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien die „Friedrich-Torberg-Medaille“ für die „Initiierung der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit“ erhalten hat, darf wohl auch kritisch hinterfragt werden. Immerhin wissen wir ja, dass Hellsbergs Darstellung der Ursprünge des Neujahrskonzertes schlicht falsch ist, obwohl Historiker eindeutig nachgewiesen haben: Das Neujahrskonzert ist eine Erfindung der Nazis.
Da haben einige Herren Erklärungsbedarf!
18. Dezember 2012

Gemeinsame Schule nicht als Ho-ruck-Aktion!



Die Modellregion Gemeinsame Schule als Ho-ruck-Aktion? Bitte nicht! Die Umsetzung muss sehr sorgfältig und vor allem unter Einbindung aller Betroffener geschehen. Was derzeit aber noch fehlt, ist der politische Wille: Zuerst müssen die politisch Verantwortlichen sagen: Ja, wir wollen die Gemeinsame Schule! Wir wollen sie in jener optimalen Form umsetzen, die garantiert, dass alle Kinder - von den Hochbegabten bis zu jenen mit Lernschwierigkeiten - die individuell besten Voraussetzungen haben.
Erst dann können sinnvolle Maßnahmen in die richtige Richtung gesetzt werden.
Wir sollten die Bedenken und Vorbehalte der LehrerInnen, der Eltern und der DirektorInnen ernst nehmen. In so einer Situation hilft nur eines: Alle an einen Tisch.
Auf Bundesebene fehlt die Ernsthaftigkeit, es gibt derzeit nur verantwortungsloses Taktieren. Ich habe beantragt, dass die rechtlichen Grundlagen - und noch nicht die Installierung - für Modellregionen zur Gemeinsamen Schule geschaffen werden. Wer das nicht unterstützt, kann wohl nicht behaupten, er stehe hinter so einem Projekt.
Genau das aber passiert, denn auch von den Vorarlberger Nationalratsabgeordneten Anna Franz und Elmar Mayer ist die Beschlussfassung verhindert worden. Im Land treten Schwarz, Rot und Blau für die Modellregion Gemeinsame Schule auf, im Bund sind sie dagegen. Das ist doppelbödig.
Für die „Grüne Schule“ jedenfalls gilt: „Kein Kind zurücklassen!“
15. Dezember 2012

Gemeinsame Schule: warum nicht „Modellregion Vorarlberg“?

Gruene-Schule1Im Gegensatz zu sogenannten InteressenvertreterInnen und GewerkschafterInnen sowie braven ParteisoldatInnen haben sich die Lehrkräfte und der Direktor des Gymnasiums Lustenau wohltuend sachlich über den Plan einer „Modellregion Gemeinsame Schule Lustenau“ geäußert. Die neue Vorarlberger Schullandesrätin Bernadette Mennel hat ja diese Woche eine solche Modellregion angekündigt. Leider - und das ist wirklich ärgerlich - in völlig unausgegorener Form.
Natürlich muss auf jene Bedenken eingegangen werden, die von Fachleuten wie dem Direktor und den Lehrkräften in Lustenau gestern in einem „Vorarlberg heute“-Bericht vorgebracht wurden. Jedenfalls ist dort keine Rede davon, was die Überschrift im Beitrag auf der ORF-Homepage suggeriert: „Gemeinsame Schule: Nein zu Modellprojekt
Die ÖVP-Vorarlberg wäre gut beraten, auf die von den Lehrkräften vorgebrachten Einwände ebenso einzugehen wie auf meine Forderungen und Hinweise:
• Ein dienstrechtliches „Verschlechterungsverbot“ für Lehrkräfte fordere ich ja schon seit langem. Wir brauchen ein flexibleres Dienstrecht, deutlich höhere Anfangsgehälter für LehrerInnen und eine Garantie für ältere, dass sie zumindest nicht zu den Verlierern einer Novelle zählen.
• Eine Gesamtschule in Lustenau kann nur erfolgreich sein, wenn sie neben den Lehrkräften auch von Eltern und SchülerInnen akzeptiert ist - zu nahe sind die AHS-Standorte in Dornbirn oder Bregenz.
• Zudem sind nirgendwo in Österreich sind die Voraussetzungen für eine Modellregion so gut wie in Vorarlberg: viele reformwillige Lehrkräfte und AHS-Direktoren, aufgeschlossene EltervertreterInnen und zumindest reformbereite Teile in der ÖVP: warum also nicht gleich eine „Modellregion Vorarlberg“?
Wichtig ist jetzt, dass wir jene Teile in der ÖVP unterstützen, die Bereitschaft zur Reform zeigen. Allerdings wird es auch notwendig sein, dass zur Implementierung einer Gemeinsamen Schule von Anfang an Fachleute hinzugezogen werden. Sonst scheitert der Vorstoß, bevor er überhaupt begonnen hat.
Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“
13. Dezember 2012

Strache reitet wieder!

Strache-in-Not_falsche-ZahlenNichts Neues unter der germanischen Sonne: Strache hetzt, arbeitet mit Halbwahrheiten, Lügen und Verdrehungen. Jetzt sind die Opfer von Heinrich Straches Agitation wieder einmal MigrantInnen bzw. deren Kinder.
Lügen können tödlich sein: In Wiener Kindergärten sei der Nikolo aus Rücksichtnahme auf muslimische Kinder verboten worden. Eine glatte Erfindung ohne Substanz. Ein Bild jedoch, dass stark genug war, um von Anders Behring Breivik , dem Attentäter von Oslo, in seine Begründung für den Massenmord vom 22. Juli 2011 aufgenommen zu werden. Auf Seite 550 seines „Manifests“ schreibt er: „In Vienna, Austria in December 2006, Santa Claus was removed from kindergartens. Municipal officials insisted that the sight of a strange bearded figure at the door would evoke fear in kids, but many observers accused them of kowtowing to a growing Muslim population.“
Woher kommt die Geschichte vom Nikolo-Verbot, auf die sich der rassistische Massenmörder von Oslo bezieht? Das Copyright darf sich die FPÖ an die Fahnen heften: Sie kampagnisiert seit 2006 - auch heuer wieder - gegen das nicht bestehende Nikolo-Verbot.
Nun hat sich Martin Borger, ein aus Vorarlberg stammender Antifaschist, erfreulicherweise dazu durchgerungen, Strache anzuzeigen - denn ein kürzlich erschienener Blogeintrag des FPÖ-Führers hat zu unglaublichen hetzerischen und rassistischen Beschimpfungen geführt („Klage
 gegen Strache“).
Insgesamt gab es 2.442 Kommentare und 5.363 Likes: „Skandal im rot-grünen Wien. Nikolaus wurde Zutritt in Wiener Kindergarten verweigert“ – unwahr zwar, aber mit leider erwartbaren Folgen. Viele mutmaßliche Strache-Anhänger reagierten mit ausländerfeindlichen Kommentaren, auch Aufrufe zu Gewalt und Mord waren dabei. Neben dem Hitlergruß war zu lesen: „Gleich die moslemischen (!) Kinder anzünden!!!“ Martin Borger protestierte und handelte dann. Nachdem die Postings tagelang nicht gelöscht wurden, erstattet er Anzeige.
Es ist erfreulich, dass die Zivilgesellschaft in Österreich funktioniert!
11. Dezember 2012

Erneut ernüchternde Bilanz bei Bildungstests!

Standards_MigrationDie Meldung ist nicht eben neu und sie vermag auch nicht wirklich zu überraschen. Österreichs Schülerinnen und Schüler schneiden auch bei den heute präsentierten Studien für Volksschulen und Neue Mittelschulen bzw. Hauptschulen schlecht ab.
Besonders bedrückend ist die Tatsache, dass der Reformstau im österreichischen Bildungssystem vor allem Kindern mit migrantischem Hintergrund kaum eine Chance lässt. Sie kamen nur auf einen Mittelwert von 480 Punkten, „einheimische“ Schüler auf 547. Nur 5% der Schüler mit Migrationshintergrund schaffen es, höhere Leistungen als die Bildungsstandards zu erreichen.
Besonders krass ist der Einfluss des Bildungsstandes der Eltern auf die Leistungen ihrer Kinder. 12% der Akademikerkinder erreichte die höchste Kompetenzstufe 3, aber nur 1% der Kinder, deren Eltern höchstens einen Pflichtschulabschluss haben. Umgekehrt verfehlen nur sechs Prozent aller Akademikerkinder die Standards, aber 37% der Kinder von Eltern mit maximal Pflichtschulabschluss.
In Sachen Gerechtigkeit sind wir leider auch im internationalen Vergleich Schlusslicht, das ist vielfach belegt („OECD-Studie: Nur ein Viertel schafft Aufstieg durch Bildung“). Während in fast allen OECD-Ländern die nachfolgende Generation die ältere überflügelt (Schnitt: 38%), liegt in Österreich die Quote der 25- bis 34-Jährigen lediglich bei 21% - schlechter ist nur die Türkei mit 17%.
Was tun? Eine spannende Studie gibt erste Hinweise. Es gibt in Sachen Bildungsaufstieg einen hochinteressanten Vergleich zwischen Schweden und Deutschland („Junge verlieren Glauben an Aufstieg durch Leistung“). Demnach produziert das schwedische Schulsystem im Vergleich mit dem deutschen weniger (Noten-)Druck auf die SchülerInnen und weniger Druck der Eltern auf ihre Kinder im Hinblick auf sozialen Aufstieg.
Das ist bemerkenswert, zumal weniger Druck sich offensichtlich positiv auf die Leistungen auswirkt, denn gleichzeitig gibt es in Schweden einen stärkeren Aufstiegswillen bei den Unter-30-Jährigen und größere soziale Durchlässigkeit.
Für die „Grüne Schule“ gilt daher das Motto: „Kein Kind zurücklassen!“
10. Dezember 2012

Will die FPÖ rassistische und Gewalt verherrlichende Texte subventionieren?

Gewalt-gegen-FrauenDie FPÖ sieht sich als Verteidiger der „Freiheit der Kunst“ und fühlt sich an die „linksfaschistische DDR“ erinnert.
Warum? Grund ist die Absage eines Konzerts der einschlägigen Band „Die Hinichen“ durch die Wiener Gemeindeverantwortlichen, die Absage des Konzerts riecht für FPÖ-Klubobmann Gudenus „stark nach Amtsmissbrauch“ („Kontroverse um "Die Hinichen"“).
Songs der rechten Truppe lauten etwa „Sturm aufs Frauenhaus“, „Die Fotze meiner Frau“, „Die Hure aus dem Gemeindebau“, „Kerzlschlicker“ oder „Neger am Mittelmeer“. Ein paar Textstellen aus den Songs der „Hinichen“ gefällig?
• „Und gibt´s amoi an Wickel, /in’s Frauenhaus sie türmt, /doch wir san a ned deppert, /die Hüttn, die wird gstürmt.“
• „Wir mischen auf im Frauenhaus,/ yippie, yippie, yeah,/ wir peitschen die Emanzen aus,/ yippie, yippie, yeah,/ wir treiben die Lesben vor uns her, ...“
• „Die Fotzen ja die ghörn verdroschen,/ yippie, yippie, yeah,/ zuerst auf’s Aug’ und dann in´d Goschn ...“
• „Und kriegt sie ihre Floschn,/ in's Frauenhaus sie rennt,/ i sag´ seids ja net deppert,/ die Hüttn wird niederbrennt.“
Es wird einem übel. Mehr zum Thema gibt es auf „Stoppt die Rechten“ („Die rechten Sprachdeuter: Freiheit der Kunst und die FPÖ“).
Mit einer Einschränkung von „Freiheit der Kunst“ oder gar „Zensur wie in der Ära Metternich“ hat es rein gar nichts zu tun, wenn unser Wiener Kultursprecher Klaus Werner-Lobo zurecht darauf hinweist, dass Formationen, welche „sexistische, rassistische, gewalttätige Inhalte verbreiten“, nicht mehr eingeladen werden, vor allem nicht in subventionierte Institutionen.
Und noch ein Text von Corinna Milborn als Lesetipp zum Schluss: „An die Verteidiger der Hinichen
Sie fragt ganz einfach: „Seit wann ist es Zensur, keine Subvention zu bekommen? “ Sowie: Sind Texte akzeptabel, in denen „explizite Aufrufe, Frauen zu schlagen und danach das Frauenhaus, in das sie flüchten, anzuzünden“, stehen?
Die FPÖ stellt sich selbst wieder einmal außerhalb eines akzeptablen gesellschaftlichen Rahmens!
8. Dezember 2012

Erwin Pröll: Ist das dein Ernst?

Proell_STrasserEin Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Wort. Wenn das Bild noch mit einer klaren Botschaft versehen ist, umso besser. Hier jedenfalls passen Bild und Botschaft bestens.
Und niemand soll sagen, die ÖVP hätte im Jahr 2009 nicht gewusst, auf wen sie sich da einlässt. Ich darf an meinen damaligen Blogeintrag erinnern: „Botschaften an die WählerInnen!
Damals habe ich moniert, dass „die ÖVP hat ausgerechnet jenen Mann zu ihrem Spitzenkandidaten für die EU-Wahlen nominiert“ hat, der schon Monate zuvor „politisch bloßgestellt wird“ und „als schwarzes Angebot an die Wählerschaft von rechtsaußen“ zu verstehen war: Ernst Strasser, der versprochen hat, „nie wieder in die Politik“ einsteigen zu wollen.
Was man angesichts des Korruptionsskandals schon fast vergessen hat: Die kompromisslose Umfärbung des Polizeiapparats durch Ernst Strasser hat seltsame Blüten und wurde von Peter Pilz auf seinem Blog wochenlang anhand ihm zugespielter Emails dokumentiert. Und Peter hat dann eine Art „Strasser online“-Serie gestartet und dokumentiert, wie das Innenministerium im Interesse der ÖVP an den Rand des Abgrunds gewirtschaftet worden ist.
Ob die ÖVP lernfähig ist? Es gibt leider keine Anzeichen dafür. Wir werden sie im niederösterreichischen Wahlkampf jedenfalls mit Botschaften wie diesen daran erinnern.
5. Dezember 2012

Ganztagsschule als „verpflichtende Massenschülerhaltung“?

Gruene-Schule1Die Sprache ist verräterisch: Die AHS-Lehrergewerkschaft in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) warnt vor einer „verpflichtenden Massenschülerhaltung“ und verurteilt gleichzeitig ein „primitives Lehrerbashing“. Letzteres ist natürlich vorhanden und es ist ebenso natürlich abzulehnen. Zumindest mitverantwortlich dafür aber ist die oft sture Blockadehaltung der GÖD in Sachen Schulreform.
Ganze zwei Prozent der Schulen in Österreich werden derzeit durchgehend als verschränkte Ganztagsschule geführt. Ich habe auf diesem Blog schon mehrfach auf die große pädagogische Bedeutung hingewiesen (mit weiterführenden Links beispielsweise Ganztagsschule: Keine Verschiebung auf den St. Nimmerleinstag!).
An dieser Stelle daher nur ein Aspekt: In ganztägigen Schulen kann der Unterricht in einem kindgerechten Rhythmus erfolgen. Das ermöglicht es, mehr Chancengerechtigkeit zu erreichen. Die Entscheidung darüber, ob eine Schule ein ganztägiges Angebot einführen möchte, darf daher nicht der Gewerkschaft oder den schulerhaltenden Gemeinden überlassen werden. Die Frage ist zuallererst unter pädagogischen und in zweiter Linie unter dem Gesichtspunkt der gesellschaftlichen Bedürfnisse zu diskutieren. Kinder und Eltern haben nämlich ein Recht auf die Ganztagsschule - warum gilt dieses Recht nur für jene Eltern und Lehrkräfte, die das nicht wollen?
Aufgabe der Gewerkschaft, der Schulerhalter und der Dienstgeber ist es dann (!), die nötigen Rahmenbedingungen und dienstrechtliche Vorkehrungen zu schaffen! Darauf sollte sich die GÖD im Interesse der Lehrkräfte konzentrieren.
Wer aber im Zusammenhang mit der verschränkten Ganztagsschule von einer „verpflichtenden Massenschülerhaltung“ spricht, darf sich nicht wundern, wenn die Reaktion - auch - in Form eines „primitiven Lehrerbashings“ erfolgt. Österreichs Lehrkräfte haben sich eine bessere Vertretung verdient!
Wie immer ist es dringend an der Zeit, wieder einmal an mein Motto für die „Grüne Schule“ zu erinnern: „Kein Kind zurücklassen!“

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