ÖVP-Schulexperten als „Zauberlehrlinge“ - gegen Parteilinie!
harald.walser | 11. Jul, 13:42 | 0 Kommentare
Tja - der „Zauberlehrling“! Mein gestriger Blogeintrag („ÖVP als bildungspolitischer Zauberlehrling!“) hat heute zu vielen und sehr heftigen Reaktionen geführt - und zu Turbulenzen in der ÖVP.
Zur Erinnerung: ÖVP-Obmann Michael Spindelegger hatte ExpertInnen geladen und um Expertisen gebeten - unter anderem zur Bildungsreform. Das Ergebnis erstaunt nur innerhalb der ÖVP, denn außerhalb ist klar, dass wir in Richtung Ganztagsschule, Gesamtschule, aufgewertetem Kindergarten und Bundeskompetenz für den gesamten Bildungsbereich gehen müssen. Nun versucht die ÖVP zurückzurudern, wird aber - wie ich ja gestern mit meiner Überschrift schon angedeutet habe - die Geister, die sie gerufen hat, nicht mehr los: Bildungsreform: Experten trotzen ÖVP-Parteilinie.
„Tatsächlich bekennen sich zahlreiche Mitglieder von Spindeleggers Expertengruppe zu den Zielen des Bildungsvolksbegehrens - wie die echte Ganztagsschule mit auf Vormittag und Nachmittag verteiltem Unterricht. Die Experten sind auch für eine einheitliche Bundeskompetenz für alle Schulen der Sekundarstufe eins und für ein bundeseinheitliches Kindergartengesetz mit einem Bildungsplan für den Kindergarten - zentrale Forderungen des Volksbegehrens. Und auch zur gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen bekennen sich die Experten mehr oder weniger offen.“
Unter den ExpertInnen sind bekannte Persönlichkeiten wie die frühere Bankerin und WU-Vizerektorin Regina Prehofer, Siemens-Chef Peter Löscher, Voest-Chef Wolfgang Eder oder Flüchtlingshelferin Ute Bock. Im Mittagesjournal machte Bernhard Gröhs (Deloitte Österreich) als Sprecher der ExpertInnen-Gruppe deutlich, dass man sich nicht einfach zurückpfeifen lassen werden. „Der Herr Vizekanzler hat uns ein Versprechen abgegeben. Und das Versprechen heißt: Er werde die Ergebnisse ernst nehmen und vertreten.“ Nun will Gröhs über ein Umsetzungscontrolling nachdenken. Man darf gespannt sein.
Zum Abschluss noch ein Zitat der ExpertInnen: „In Bildungsfragen mangelt es nicht an der Analyse, sondern am Umsetzungswillen und an der Fähigkeit über den eigenen ideologischen Schatten zu springen.“
Vielleicht ist es ja irgendwann auch einmal so weit, dass die ÖVP mein Motto für die „Grüne Schule“ übernimmt: „Kein Kind zurücklassen!“
Schwarzer Tag für die Reformkräfte im Bildungsbereich: Gegen Grünen Widerstand haben alle anderen Parteien soeben die Verschiebung der sogenannten Zentralmatura beschlossen. Leidtragende sind die SchülerInnen der jetzigen sechsten Klassen. Ich habe auf diesem Blog schon mehrfach dazu Stellung bezogen - siehe etwa „
Für den heutigen „Kurier“ habe ich mit ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon ein „Streitgespräch“ über die aktuelle Bildungspolitik der Regierung geführt. Hier zum Nachlesen: „
Gestern Abend hat Vorarlbergs Schullandesrat Siegi Stemer in der ZiB2 gemeint: „Österreich ist derzeit absolut nicht reif für eine gemeinsame Schule.“ („
In Finnland - das Bild links stammt aus einer Schule in der Stadt Jyväskylä, die ich im Rahmen einer Studienreise durch das finnische Schulsystem besucht habe - ist sogar der Begriff „Nachhilfeunterricht“ unbekannt. Schule findet nämlich in der Schule statt. Klingt doch vernünftig - oder?
Die heutige „Pressestunde“ mit Unterrichtsministerin Claudia Schmied hat nichts wesentlich Neues gebracht. Ihre Vorstellungen einer Bildungsreform gehen durchaus in die richtige Richtung. Seit vielen Jahren! Und genau da liegt das Problem: Es geht nämlich bekanntlich vor allem darum, Ankündigungen auch umsetzen.
Einige interessante Zahlen zum Bevölkerungswachstum hat heute die „Statistik Austria“ („
Den Ignoranten in der FPÖ und anderen reformresistenten Organisationen wird auch das egal sein. Die „Presse“ berichtet heute: „
Reden, Anträge und Ausschussarbeit