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Bildung

13. September 2011

Lehramt „Türkisch“ ist überfällig!

Was an den Universitäten Duisburg-Essen oder Hamburg sehr gut funktioniert, muss endlich auch in Österreich möglich werden: Die Einführung eines Lehramtsstudiums für Türkisch ist überfällig.
Wir müssen endlich die vorhandene sprachliche Vielfalt an unseren Schulen nutzen. Immerhin leben in Österreich 263.000 Menschen mit türkischem Migrationshintergrund. Viele aus der zweiten und dritten Generation können zwar noch Türkisch sprechen, aber nicht lesen oder schreiben.
Das Fremdsprachenangebot an österreichischen Schulen ist mager und wird der vielsprachigen Realität unserer Gesellschaft nicht gerecht. Neben den autochtonen Sprachen und den Klassikern Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch wird nur noch Russisch als lebende Fremdsprache angeboten. Für ein Land im Zentrum Europas ist das zu viel wenig. Der Wirtschaftsstandort Österreich braucht gut ausgebildete und vielsprachige junge Menschen.
Insgesamt haben 17 Prozent der heimischen SchülerInnen nicht-deutsche Umgangssprache. Die derzeitige Praxis, wonach viele SchülerInnen aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse in Sonderschulen abgeschoben werden, müsse sofort gestoppt werden. Das ist ein Auftrag zur Förderung und Qualifizierung im österreichischen Schulsystem. Mit der Abschiebung in Sonderschulen werden vor allem türkisch-stämmige Kinder zu Bildungsverlierern.
Kinder profitieren von erfolgreichen Lernvorbildern. Wir brauchen daher dringend auch mehr LehrerInnen mit Migrationshintergrund. Insgesamt müssen unsere Lehrkräfte besser auf die Herausforderung der Vielsprachigkeit vorbereitet werden und Schulen mit den notwendigen Ressourcen ausgestattet werden. Das Maturafach Türkisch als zweite lebende Fremdsprache ist ein erster Schritt in Richtung Qualitätsoffensive Sprachen.
Denn für alle SchülerInnen in unseren Schulen hat zu gelten: „Kein Kind zurücklassen!“
7. September 2011

Caritas fordert Gemeinsame Schule!

Heute haben Caritas-Präsident Franz Küberl und Michael Landau ein neues Bildungspapier präsentiert: „Caritas fordert Einführung der Gesamtschule“. Das Papier reiht sich würdig ein in eine Reihe von hervorragenden Bildungspapieren von der Katholischen Aktion bis zur Industriellenvereinigung. Hier einige Forderungen der Caritas:
• „Verpflichtender, gebührenfreier Kindergarten ab dem vierten Lebensjahr: Der Kindergarten als Bildungseinrichtung fördert die Kinder frühzeitig in ihrer kognitiven und sozialen Entwicklung und schafft die Basis für eine erfolgreiche Schullaufbahn. Ebenso trägt er zur sozialen Inklusion bei. Die Kindergartenpflicht ist wie die Schulpflicht zu sehen und betrifft alle Kinder. Ziel muss es sein, auf qualitativ hohem Niveau die sprachlichen, motorischen, spirituell-religiösen, musikalischen, künstlerischen und sozialen Kompetenzen der Kinder zu fördern.
• „Ganzheitliche/ganztägige Schulformen ausbauen: Ganztägige Schulformen sind ein sehr wichtiges Angebot für Kinder bildungsferner Eltern und für Kinder in benachteiligenden Lebenssituationen und ermöglichen darüber hinaus Eltern die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Daher sollen Eltern flächendeckend zwischen einer ganztägigen Schulform oder einem Angebot mit Nachmittagsbetreuung wählen können. In allen Settings müssen ein vielfältiges (künstlerisches, musikalisches, sportliches, sozial integrierendes) Programm und Qualität in der Betreuung und Unterstützung bei Schulaufgaben gegeben sein. Um Chancengerechtigkeit herzustellen und soziale Unterschiede ausgleichen zu können, muss die Schule kostenlose Förderangebote ausbauen. Damit wird auch das Problem mangelnder Leistbarkeit von Nachhilfeunterricht gelöst.“
• „Gemeinsame Mittelstufe der 10- bis 14-Jährigen umsetzen: Um die Kinder optimal zu fördern und besser auf ihre Talente und Neigungen eingehen zu können, ist die frühe Lernwegsentscheidung zu beseitigen. Die notwendige Individualisierung des Unterrichts soll im Rahmen einer gemeinsamen Mittelstufe mit einem durchlässigeren Schulsystem das differenzierte Angebot in kleinen Lern- und Leistungsgruppen vorsehen.“
Die Caritas fordert auch die Einhaltung der von Österreich ratifizierten UN-Behindertenrechtskonvention, die eine Abschaffung der Sonderschulen und ein System der inklusiven Schule vorsieht. Alles paletti? Leider nein, denn eine Frage muss immer wieder gestellt werden: Wann wacht bildungspolitisch endlich auch die ÖVP auf?
Wie für die Caritas gilt auch für uns: „Kein Kind zurücklassen!“
6. September 2011

Schmied auf „Werbetour in der Vorzeigeschule“

In Mattersburg steht die größte Neue Mittelschule (NMS) des Burgenlands. Claudia Schmied hat ihr gestern mit viel medialem Tam-Tam einen Besuch abgestattet: „Auf Werbetour in der Vorzeigeschule
Ihre Propagandaabteilung funktioniert also - im Gegensatz zur Neuen Mittelschule. Denn allein aus den Berichten in den Medien lassen sich folgende Fakten herauslesen:
• Schmied hat bezüglich Gemeinsamer Schule aufgegeben: „Unterrichtsministerin Schmied lässt AHS unangetastet.“
• Der Zulauf ins Gymnasium ist ungebrochen: „Im Mattersburger Gymnasium … starten mit 117 Schülern um 19 mehr als im Vorjahr.“ Dort gibt es heuer übrigens somit sogar eine erste Klasse mehr als im letzten Jahr.
• Die Ergebnisse sind dürftig, der nächste PISA-Schock steht vor der Tür, wie ein Lehrer aus der NMS Mattersburg bestätigt: „Durchfallen sei fast passé, weil schwachen Schülern wenig abverlangt werde. ´Auch aus der Neuen Mittelschule kommen Kinder, die nach der Schule nur schlecht lesen und schreiben können.`“
• Wer im Gymansium keinen Platz bekommt, geht nun halt in die NMS statt wie früher in die Hauptschule: „Erdem wollte vor drei Jahren noch lieber ins Gymnasium, ´aber dafür war ich zu schwach`.“
Claudia Schmied hat das eigentliche Ziel des Schulversuchs (laut § 7a SchOG: „Verschiebung der Bildungslaufbahnentscheidung“) aus den Augen verloren. Wir hingegen bleiben dran!
Und wir bleiben auch unserem Motto treu: „Kein Kind zurücklassen!“
2. September 2011

Kein Kind darf beschämt werden!

KindergartenDie Initiative „Wir LehrerInnen fürs Bildungsvolksbegehren“ hat heute gefordert, den Grundsatz „Kein Kind darf beschämt werden“ im Zielparagraphen des Schulorganisationsgesetzes zu implementieren. Daniel Landau, der Sprecher der LehrerInnen-Initiative für das Bildungsvolksbegehren, bringt auch gleich einige konkrete Beispiele („Prinzip Respekt in der Schule“). Die Aufnahme so einer Formulierung in den Zielparagraphen ist eine hervorragende Idee, die ich voll und ganz unterstütze. Schweden und Finnland fahren nämlich gut damit, das zeigen nicht nur deren PISA-Ergebnisse. Es wird Zeit, dass wir zur Spitze aufschließen.
Kinder sind neugierig und wollen zeigen, was sie können. Diese Neugier und der Leistungswille sind Grundlage für den Lernerfolg der Kinder. Angst vor Bloßstellung kann diese kindliche Neugier und die Schul-Lust schnell brechen. Schlechte Leistung ist die Folge. Auch engagierte PädagogInnen sind machtlos, wenn Kinder ausschließlich nach kaum vergleichbaren Noten abgeurteilt werden müssen.
Ein erfolgreicher Bildungsprozess gelingt nur, wenn alle Beteiligten auf gleicher Augenhöhe miteinander kommunizieren und umgehen. Kein Kind darf zurückgelassen werden und kein Kind darf beschämt werden. Eine Anpassung des Zielparagraphen ist überfällig.
Dazu passt natürlich unser Grünes Motto: „Kein Kind zurücklassen!“
29. August 2011

Bildungsreform: Die Uhr tickt ...

Uhr-ticktDie Uhr tickt und Unterrichtsministerin Schmied läuft die Zeit davon. Immerhin geht das „Jahr der Bildung“ ins letzte Drittel. Die angekündigten Reformen müssen noch in dieser Legislaturperiode in Angriff genommen und beschlossen werden, denn derzeit spielt die ÖVP auf Zeit. Zwar scheinen immer mehr ÖVP-PolitikerInnen eine echte Schulreform zu unterstützen (Edlinger-Ploder, Platter, die IV etc.), aber wesentliche Teile (Spindelegger, Pröll, Neugebauer) blockieren. Warum? Schwart-Blau zeichnet sich immer stärker ab. In spätestens 18 Monaten beginnt der Wahlkampf, dann kann nichts mehr umgesetzt werden. Wesentliche Vorhaben wie die Reform der Oberstufe drohen zu scheitern.
Einige Beispiele:
• Die Vorarbeiten für die Zentralmatura sind mangelhaft. Der erste betroffene Jahrgang der maturaführenden Schulen ist heuere bereits in der 10. Schulstufe. Dennoch fehlen noch immer die Listen mit den Fachgebieten, die bei der Matura abgefragt werden, eine Definition der Inhalte oder an die Anforderungen angepasste Lehrpläne. Die Unsicherheit bei SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern ist dementsprechend groß. Vor allem ist ein Kernproblem ungelöst: die Beurteilung von Leistungen. So lange keine zentrale Beurteilung erfolgt, bleiben die Ergebnisse nicht vergleichbar und die Matura weiterhin nicht wirklich zentral.
• 30.000 SchülerInnen an Oberstufen erreichen jährlich das Klassenziel nicht und haben ein oder mehr Nicht-Genügend im Zeugnis. Statt - wie Schmied - unseriös zu behaupten, das sei mit ihrem Modell der Modularen Oberstufe (MOSt) „kostenneutral“ zu reformieren, sollte man ehrlicherweise zumindest notwendig
den zusätzlichen Förderunterricht einkalkulieren (nach unseren Berechnungen je nach Vorgabe zwischen 20 und 30 Mio €).
• Das ist gut investiertes Geld und eine nachhaltige Investition: Rund 130 Millionen Euro könnten durch das Vermeiden von Sitzenbleiben von dzt. rund 24.000 SchülerInnen eingespart werden, wenn man nur die 5.525 Euro an Lehrpersonalkosten uneinrechnet. Nimmt man Zahlen der OECD als Grundlage, die auch Gebäudekosten, Schulwarte etc. beinhalten, ergeben sich gar 170 Millionen. Die volkswirtschaftliche Rendite durch weniger SitzenbleiberInnen ist hier noch nicht berücksichtigt.
Deshalb habe ich die Ministerin zum Handeln aufgefordert („Walser sieht die Zeit für Schulreformen ablaufen“).
Schließlich hat im Bereich der Schule unser Motto zu gelten: „Kein Kind zurücklassen!“
16. August 2011

Eliteschulen - Mythos und Realität

Es ist ausgerechnet das Handelsblatt, das davon berichtet: US-Forscher haben festgestellt, dass man auf Eliteschulen um keinen Deut mehr lernt als auf normalen Schulen („Der Mythos von der Kaderschmiede“).
Was sagt das für uns in Östereich aus? Den Leistungsgedanken für das Schulsystem tragen in unserem Land genau jene auf den Lippen, die ihn de facto verhindern. Michael Spindelegger predigt Eliteschulen laut „Presse“ wörtlich sogar „als Allheilmittel für Schulen. Er wünscht sich eine klare Trennung der Schüler je nach deren Anlagen“ („ÖVP will "Eliteschulen" in jedem Bundesland“). Wir alle wissen, dass eine sinnvolle Trennung von Kindern nach Leistung mit neuneinhalb Jahren gar nicht möglich ist. In den USA werden die Jugendlichen ja erst nach der Sekundarstufe 1 getrennt - und dort mit zweifelhaftem Erfolg, wie die zitierte Studie belegt (hier ist die Studie der amerikanischen Forscher zum Herunterladen:
Atila Abdulkadiroglu u.a.: „The Elite Illusion.“ Working Paper 17264). Es ist nicht untypisch, dass in Österreich gerade die ÖVP immer wieder die Errichtung von Elteschulen fordert. In Wirklichkeit geht es diesen Herrschaften nämlich nicht um Leistung, sondern darum, die soziale Ungleichheit aufrecht zu erhalten.
Eliteschulen hin oder her, für uns gilt: „Kein Kind zurücklassen!“
2. August 2011

Bildungsvolksbegehren: Eintragungswoche Anfang November!

100x84_vbbi_bannerDer Termin steht nun fest und wurde vom Innenministerium gestern bekanntgegeben: Die Eintragungswoche für das Bildungsvolksbegehren wurde auf 3. bis 10. November festgesetzt,
Der Termin ist natürlich nicht optimal, ermöglicht im Herbst aber intensive Informationswochen. Wir müssen in Österreich endlich runter von der Bildungsbremse und für folgende Ziele werben:
  • Für eine Volksschule ohne Noten
Schulnoten haben in vielen Bereichen negative Rückwirkungen auf das Lernen. Sie führen zu einem verstärkten „learning to the test“, fördern die extrinsische über die intrinsische, sachorientierte Motivation, befördern oberflächliche Lernstrategien und sind vor allem für lernschwache SchülerInnen häufig eine Entmutigung. Der Einsatz dieser fünfstufigen Skala ist so lange wie möglich zu vermeiden und jedenfalls in der Volksschule gänzlich zu streichen.
  • Ein Fünfer ist kein Fünfer – nicht erst in der Oberstufe
„Sitzenbleiben“ ist ein österreichisches Problem. Wegen einer Schwäche in einem einzigen Fach alle anderen, positiv abgeschlossenen Fächer ein ganzes Jahr lang wiederzukäuen, ist leistungsfeindlich, demotivierend und darüber hinaus teuer.
Aufsteigen mit drei Fünfern in der von BM Schmied vorgeschlagenen modulare Oberstufe ist nur die halbe Wahrheit. Die größten Probleme gibt es in den Schulstufen davor. Die bleiben im Entwurf der Regierung aber ausgeklammert.
  • Gemeinsame Schule statt zweitklassiger Bildung
Das Volksbegehren unterstützt zu Recht die Forderung nach einer Gemeinsamen Schule bis zum Ende der Schulpflicht. Die Trennung der Kinder mit neuneinhalb Jahren ist ungerecht! Damit wird die Vererbung von Bildung gefördert und Talent bewusst vergeudet. Das ist volkswirtschaftlich unsinnig und für das Schicksal jedes einzelnen betroffenen Kindes ein persönlicher Schlag. Die Gemeinsame Schule führt nachweislich zu besseren Leistungen und langfristige Laufbahnentscheidungen werden erst dann getroffen, wenn sie sinnvoll getroffen werden können: am Ende der Schulpflicht.
Deshalb gilt für uns Grüne: „Kein Kind zurücklassen!“

Eignungstests für angehende Lehrkräfte?

Ist es wieder nur eine ministerielle Ankündigung („Eignungstest für Lehrer kommt“)? Oder wird ein Aufnahmeverfahren für angehende LehrerInnen auch an den Universitäten bald schon Realität sein?
Prinzipiell sind Aufnahmeverfahren mit Eignungstests für alle angehenden Lehrer und Lehrerinnen durchaus zu begrüßen. Doch wie soll das funktionieren? Immerhin stehen uns schwierige Jahre bevor: Zwischen 2016 und 2018 gehen in Österreich jährlich etwa 4200 Lehrkräfte in Pension, bis 2025 wird bundesweit etwa die Hälfte aller derzeit rund 120.000 Lehrkräfte pensioniert. Die Zahl der AbsolventInnen an den Pädagogischen Hochschulen und den Universitäten lag noch vor drei Jahren bei nicht einmal 2.500. Auch wenn diese Zahlen inzwischen steigen und es leicht sinkende SchülerInnenzahlen geben dürfte: Wie soll sich da eine Prüfungsverfahren ausgehen? Immerhin ist zu bedenken, dass allein die Umwandlung der Hauptschulen in Neue Mittelschulen, wo in den Hauptfächern jeweils zwei Lehrer unterrichten, bis 2018 etwa 3900 zusätzliche Lehrkräfte erfordert. Wir werden also wohl auf (fast) alle angewiesen sein, die diesen Beruf ergreifen wollen.
Zudem darf ich daran erinnern, dass ich von der Ministerin schon vor eineinhalb Jahren Sofortmaßnahmen wie Kurzstudien für fachlich qualifizierte QuereinsteigerInnen an den Pädagogischen Hochschulen gefordert habe. Wir werden diese Lehrkräfte dringend benötigen.
In der Schweiz bewährt sich in einigen Kantonen so ein Modell bereits. Dort haben sich über 1200 Personen mit Berufserfahrung in einem anderen Bereich für eine Lehramtsausbildung beworben, 272 haben schließlich bestanden. Ähnliche Initiativen werden wir auch in Österreich benötigen.
Das ändert aber natürlich nichts daran, dass Eignungsverfahren notwendig sind. Im PISA-Musterland Finnland gibt es so ein Eignungsverfahren schon lange, dort hat man aber auch konsequent darauf hingearbeitet. Letztes Jahr wurden von 6.600 Bewerbern nur 660 - also genau zehn Prozent - bei den Aufnahmetests ausgewählt. Generell hat in Skandinavien LehrerInnenberuf ein hohes Prestige. Wir in Österreich sind nicht in einer so günstigen Situation wie Finnland und werden wegen der Pensionierungswelle wohl zusätzliche Maßnahmen überlegen müssen, um motivierte und begabte PädagogInnen zu bekommen.
Bei allen Reformen im Schulbereich hat ein Grundsatz zu gelten: „Kein Kind zurücklassen!“
26. Juli 2011

Schulreform: Schmied hat resigniert!

Gestern hat mich die Unterrichtsministerin Claudia Schmied in einem Interview aufgefordert, ich solle mich als „ehemaliger AHS-Direktor“ für die Neue Mittelschule stark machen. Zum Grundsätzlichen: Wenn die Unterrichtsministerin von einem Oppositionspolitiker verlangt, er soll ihren Job erledigen, spricht das Bände für Ihre Ratlosigkeit in Sachen Bildungsreform!
In den „Vorarlberger Nachrichten“ konnte ich heute zu den merkwürdigen Angriffen Stellung beziehen. Hier das VN-Interview:

Bildungsministerin Claudia Schmied hat im gestrigen VN-Interview gemeint, Sie könnten als ehemaliger AHS-Direktor ein bisschen für die Teilnahme von Gymnasien an der Neuen Mittelschule werben. Was halten Sie davon?
Walser: Da kann ich nur schmunzeln. Tatsache ist, dass sogar Experten aus ihrer eigenen Partei von der Neuen Mittelschule als zweitem Klassenzug unseres Schulsystems sprechen. Und dann meint die Ministerin allen Ernstes, ich soll für diesen Etikettenschwindel zur Verfügung stehen. Tut mir leid, aber das geht mit mir nicht.
Was würden mit Ihnen gehen?
Walser: Mit den Grünen geht eine ordentliche Schulreform, wie sie alle Bildungsexperten fordern. Das heißt, eine moderne gemeinsame Schule, die leistungsfähig ist, die von sehr guten Schülern Leistungen abfordert, es ihnen ermöglicht, zu ihren Höchstleistungen zu kommen, die aber gleichzeitig auch jene Schülerinnen und Schüler fördert, die Leistungsdefizite haben.
Andererseits gibt es die Befürchtung, dass dann alle Schüler nur noch Mittelmaß sind.
Walser: Das ist genau die Situation, die wir in Österreich schon haben. In Finnland beispielsweise gibt es dreimal mehr Spitzenschüler, aber nur ein Fünftel unserer Risikoschüler. Das belegt: Schüler können gemeinsam lernen und sie können voneinander lernen. Durch das frühe Separieren erreichen wir das nicht, sondern höchstens das Gegenteil.
Das neue Dienst- und Besoldungsrecht soll noch vor den nächsten Wahlen kommen.
Walser: Ich erinnere daran, dass wir in den letzten Monaten einen unausgegorenen Vorschlag nach dem anderen aus dem Bildungsministerium gehört haben. Vorwärts gegangen ist de facto nichts. Glauben tu ich an dieses neue Dienst- und Besoldungsrecht dann, wenn es vorliegt.
Was halten Sie davon, Freizeitpädagogen für die Nachmittagsbetreuung an die Schulen zu bringen?
Walser: Ich halte das für eine fatale Entwicklung. Einerseits sprechen ÖVP und SPÖ davon, dass alle Lehrkräfte universitär ausgebildet werden, und dann entwickelt man ein neues Berufsbild von Freizeitpädagogen, die am Nachmittag die Kinder betreuen sollen, ihnen aufgrund der Schmalspurausbildung aber nicht einmal bei den Hausaufgaben helfen dürfen. Das ist absolut der falsche Weg. Wir wollen eine solide Ausbildung für alle und wir wollen Ganztagsschulen mit einem pädagogischen Konzept und nicht, wie sich das jetzt entwickelt, Aufbewahrungsanstalten für Kinder, die zu Hause keine Aufsicht haben.

Und damit wir nicht vergessen, worum es in der Schule eigentlich geht: „Kein Kind zurücklassen!“
10. Juli 2011

Mobbing in der Schule - und die Behörde sieht zu!

Man stelle sich vor: Eine Landesschulinspektorin (LSI) bezeichnet eine Schuldirektorin schriftlich und mündlich vor anderen Personen als Lügnerin und lässt die Anwesenheit und Arbeitsleistung durch deren Sekretärin kontrollieren. Die Betroffene ist eine sehr mutige Frau und hat sich mit mir gemeinsam der Presse gestellt: Frau Dr. Evelyn Mayer ist Direktorin der Höheren Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe in Biedermannsdorf. Sie wurde von ihrer zuständigen LSI über mehrere Jahre gemobbt („Mobbing: Direktorin klagt wegen Burn-out“).
Versagt haben in dieser Angelegenheit alle Instanzen - der Präsident des NÖ-Landesschulrats, der trotz mehrmaliger Aufforderung keine Hilfe leistete, ebenso wie die Sektionschefs im Ministerium, die seit über einem Jahr informiert sind und untätig blieben. Bezeichnend ist die Stellungnahme des niederösterreichischen Landesschulratspräsidenten Hermann Helm: „Sie hat sich zwei Mal an mich gewandt und ich habe ihr unmittelbar geholfen. Das liegt aber zwei bis drei Jahre zurück. Ich schätze Evelyn Mayer sehr und bedauere ihre Situation.“ „Bedauern“ ist etwas wenig für den Verantwortlichen. Und Helm legt das ganze Dilemma der österreichischen Schulsystems gleich unfreiwillig offen: „Ich habe den Wirkungsbereich der Inspektorin eingeschränkt und ihr die Weisung gegeben, dass sie Mayer nur mehr Anweisungen geben darf, sofern ich sie vorher absegne. Rechtlich kann ich nicht mehr machen. Sie ist Fachexpertin und pragmatisiert.“ Wenn Sie nichts machen können, Herr Präsident, frage ich mich, warum Sie diese position innehaben.
Nähere Infos zum Fall und zum Thema Mobbing sind hier in unseren Presseunterlagen herunterladbar: Presseunterlage_Fall-Mayer (doc, 34 KB)
Es ist sehr selten, dass ein Mobbingopfer so mutig ist wie Frau Dr. Mayer und an die Öffentlichkeit geht. Ihr gebührt großer Respekt und Dank im Namen aller anderen Opfer.

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