Bildung
21. April 2009
harald.walser | 21. Apr, 14:52 |
5 Kommentare
Mäßige Vorstellung der Regierung heute im Parlament. Ministerin Claudia Schmied verteidigte brav den von Faymann und Pröll aufgezwungenen „Kompromiss“ mit der Gewerkschaft, der LehrerInnen viel abverlangt und nichts Zukunftsweisendes beinhaltet: Von Ansätzen einer Bildungsreform ist weit und breit nichts zu erkennen.
Schulden werden von einem Topf in den anderen verschoben, zum x-ten Mal wird ein neues LehrerInnen-Dienstrecht versprochen. In den vergangenen Wochen hat die Ministerin durch die Geldbeschaffungsaktion viel Porzellan zerschlagen und die LehrerInnen demotiviert.
Nur um es in Erinnerung zu rufen: Es geht um unsere Kinder!
Es bräuchte in dieser Situation Visionen für eine zukunftsorientierte Bildungspolitik. Wir brauchen eine Schule, die Neugierde weckt, Fragen stellt und nicht vorgekaute Antworten abprüft, einen Ort der Auseinandersetzung, an dem Fehlermachen Chance zum Lernen, Kinder je nach Begabung individuell gefördert und diese genügend Zeit zur Entwicklung haben, an dem sie (auch) im Team lernen, an dem man sie nicht schon im Alter von zehn Jahren in angeblich Begabte und weniger Begabte sortiert und ihnen ein falsches Elitedenken vermittelt wird.
Und was haben wir?
Viel Druck schon auf VolksschülerInnen und ein Jahr für Jahr massiveres Nachhilfeunwesen. Getan wird wenig dagegen: Nur 20% der SchülerInnen mit Leseschwächen werden durch LesespezialistInnen unterstützt, im europäische Durchschnitt sind es mit 44% mehr als doppelt soviel. In fast 50% der Klassen mit RisikoschülerInnen gibt es überhaupt keine zusätzliche Förderung. Kinder aus begüterten Familien tauchen da dank der finanziellen Möglichkeiten ihrer Eltern durch - die anderen sehen durch die Finger.
Schule ist eine Organisation, in der gut ausgebildete ExpertInnen in einer dummen Organisation arbeiten, hieß es heute von Seiten einer Expertin, die Schule ist ungerecht und ineffizient, bringt schlechte Ergebnisse und frustriert alle Beteiligten – Kinder, LehrerInnen und Eltern.
Das ist das Problem – und über dieses zentrale Problem wurde heute im Parlament viel zuwenig diskutiert. Das Resümee nach fast zwei Monaten sogenannter Bildungsdiskussion: Der Berg kreißte und eine Maus ward geboren!
19. April 2009
harald.walser | 19. Apr, 23:12 |
4 Kommentare
Die „Presse“ macht in ihrer morgigen Ausgabe mit dem Titel auf: „
Einigung: Doch keine Mehrarbeit für Lehrer!“ Die Regierungsspitze soll sich geeinigt und das Thema zur Chefsache gemacht haben.
Das wäre natürlich zu begrüßen, man fragt sich aber schon, warum es zuvor die Demotivation für 120.000 LehrerInnen geben hat müssen. Aber das Positive stünde natürlich im Vordergrund, sollte diese Meldung wirklich der Beschlusslage zwischen Pröll und Faymann entsprechen. Demnach dürfte der von der Regierung angezettelte Schulstreit durch „Budgetumschichtungen“ des Finanzministers beigelegt werden. Interessant, was plötzlich möglich scheint.
Übrigens: Der Bundesobmann der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen, Ulf Scheriau, hat in der Sendung „Im Zentrum“ völlig zurecht schwere Vorwürfe an die GÖD-VertreterInnen gerichtet, die außer einem sturen Nein in dieser Diskussion wenig zuwege gebracht und das Image der LehrerInnen schwer geschädigt hat. Erbärmlich, dass Walter Riegler von der GÖD während der ganzen Sendung offenbar nicht einmal verstanden hat, was Scheriau eingefordert hat und immer nur auf das Budget eingehen wollte.
Ganz glauben kann ich übrigens noch nicht an die Einigung, denn die Regierung würde wohl umgehend mit Protesten aller anderen Berufsgruppen konfrontiert sein, die spätestens am Dienstag bei der Budgetrede von Finanzminister wohl mit weiteren - sie betreffenden - „Grauslichkeiten“ konfrontiert werden.
9. April 2009
harald.walser | 9. Apr, 00:16 |
8 Kommentare
Claudia Schmied ist eine sympathische Frau. Und sie ist fachlich hochqualifiziert. Deshalb hat Werner Faymann sie ja auch als seine Wunsch-Finanzministerin ins Spiel gebracht. Das wäre der Traumjob gewesen für die frühere Bankerin, die 1983 in die Investkredit eingetreten ist, es dort zur Abteilungsleiterin für Unternehmensfinanzierung gebracht hat und 2004 in den Vorstand der Kommunalkredit berufen wurde.
Jetzt ist Claudia Schmied allerdings nicht Finanz-, sondern Bildungsministerin. Auch hier erkennt sie zwar die Problemlage, dass es bei der Durchsetzung von Lösungen ordentlich hapert, ist allerdings mehr als offensichtlich. Am Samstag hat Schmied in einem „Standard“-Kommentar die jetzige Situation aus ihrer Sicht beschrieben. Ebenfalls im „Standard“ nehme ich heute in einem Gastkommentar zu ihrer Performance, ihrer Analyse und ihren Lösungsvorschlägen unter dem drastischen Titel „
Bildungsdiskussion - Eine Debatte zum Kotzen!“ Stellung. Ich nehme bei diesem Titel Anleihe bei einer Aussage des früheren Unterrichtsministers Helmut Zilk. Grundtenor meines Kommentars: Die Probleme sind offenkundig, die Lösungen drängen sich auf – es geschieht aber nichts.
2. April 2009
harald.walser | 2. Apr, 18:14 |
13 Kommentare
Gestern habe ich im Unterrichtsausschuss unter TO 5 einen Antrag auf Gleichbehandlung von LehrerInnen am Landesinstitut für Hörbehinderte in Salzburg mit jenen anderer Institute für Hörbehinderte eingebracht.
Dann hat die schwarz-rote Abstimmungsmaschinerie (wie immer) zugeschlagen: Wir wollen den "wichtigen Antrag" vertagen, weil es noch mehr Informationen braucht etc. In der Begründung hat der Abgeordnete Werner Amon (ÖVP) aber irrtümlich Bezug genommen auf den TO 4, in dem es um einen BZÖ-Antrag auf kostenlosen Nachhilfeunterricht von LehrerInnen in den letzten drei Ferienwochen ging (die Reihenfolge war umgestellt worden, daher der Irrtum). Er hat es trotz meines Einwandes nicht bemerkt, die übrigen Ausschuss-Mitglieder aber schon. Dennoch stimmten Rot-Schwarz einstimmig dem Amon-Antrag auf Vertagung mit seiner völlig sinnwidrigen Begründung ohne weitere Wortmeldung zu. Geht´s noch deutlicher?
Er hat dann beim richtigen TO übrigens nochmals die gleice Rede gehalten. Diesmal hat´s zumindest inhaltlich gepasst!
Auch ein anderer Antrag wurde vertagt: der Entschließungsantrag zur Gleichstellung bzw. Gleichbehandlung von Schulen in freier Trägerschaft mit konfessionellen Privatschulen. Er wurde auf Antrag der Abgeordneten Sonja Ablinger (SPÖ) mit den Stimmen der Regierungsparteien und gegen die Stimmen der Opposition vertagt. Eines konnte immerhin erreicht werden: Im Mai wird ein Unterausschuss eingerichtet, in dem hoffentlich intensive Diskussionen zu diesem Thema möglich sein werden. Es ist aber natürlich sehr schade, dass das seit Jahrzehnten bestehende Problem nicht gleich heute endlich angegangen wurde, zumal an der inhaltlichen Richtigkeit niemand gezweifelt hat. Auch BM Claudia Schmied hat die Tatsache betont, dass nicht einzusehen sei, warum Eltern von SchülerInnen aus Schulen mit freier Trägerschaft sowohl als SteuerzahlerInnen als auch als Eltern zur Kasse gebeten werden. Sie hat auch unsere Argumentation unterstützt, wonach diese Schulen durch innovative und alternative Unterrichtsformen einen entscheidenden Beitrag zur Reform des österreichischen Schulwesens leisten.
1. April 2009
harald.walser | 1. Apr, 08:29 |
1 Kommentar
Alle wissen es seit Jahren. Jetzt ist es durch eine Studie ("frühkindliche Sprachstandsfeststellung") wieder einmal bewiesen worden: Die Sprachdefizite vieler Kinder - auch solcher mit Deutsch als Erstsprache - sind bereits im Vorschulalter eindeutig feststellbar. 60 Prozent der Kindergartenkinder mit Migrationshintergrund haben Sprachförderbedarf, bei Kindern ohne Migrationshintergrund sind es zehn Prozent.
Es gibt spezielle Problemgruppen: Wer beispielsweise keinen Kindergarten besucht, bei dem ist die Sprachkompetenz und somit der Sprachwerwerb signifikant schlechter.
Das ist logisch, denn der Wortschatz entwickelt sich ab dem 3. Lebensjahr rasant und die Aussprache verbessert sich. Im 5. Lebensjahr sollten die Grundlagen des Spracherwerbes eigentlich schon abgeschlossen sein: Die Sprache wird auch für Kinder zum entscheidenden Kommunikationsmittel. Das alles wissen wir.
Und was tut die Regierung? Sie hat ja das verbindliche letzte Kindergartenjahr beschlossen. Immerhin. Nur hat sie die Voraussetzungen dafür nicht geschaffen: Sprechen lernt man bekanntlich durch Sprechen. Die Gruppen müssen daher möglichst klein sein. Und die Realität? Es gibt in allen Regionen zuwenig Plätze. Und die PädagogInnen sollen die Reformen auch noch selbst finanzieren. Das wird sich nicht ausgehen, zumal die ÖVP das vorhersehbare Scheitern der Unterrichtsministerin schon jetzt hämisch kommentiert und sich den Showdown erste Reihe fußfrei anschaut!
31. März 2009
harald.walser | 31. Mär, 00:44 |
8 Kommentare
Das ist so richtig nach dem Geschmack der Rechten: Wir werden wieder einmal „überschwemmt“, von einer „Ausländerflut“ ist die Rede etc.! Gemeint sind die vom Ministerium veröffentlichten Zahlen über den Anteil von SchülerInnen mit nichtdeutscher Muttersprache.
Bei all der rechten Hetze: Man sollte sich das Problem wirklich genau anschauen und ohne Vorurteile nach Lösungen suchen: Ja, es gibt sehr viele Schulen, in denen sich Kinder mit mangelhaften Sprachkenntnissen befinden. In vier Wiener Bezirken stellen Menschen mit Migrationshintergrund sogar schon mehr als 50 Prozent der Gesamtbevölkerung. Beim sogenannten Migrationshintergrund werden die Kinder dieser Menschen dazugezählt. Man muss sich die Statistik aber genau anschauen. Etwas mehr als ein Drittel dieser Menschen stammt aus anderen EU-Ländern, vor allem Deutschland und Polen, ein weiteres Drittel aus den Ländern Ex-Jugoslawiens, etwa ein Achtel aus der Türkei. Und anders als es die blauen-orangen Herrschaften gerne hätten, sind viele MigrantInnen gut ausgebildet. Die Hälfte und somit deutlich mehr als der österreichische Durchschnitt hat mindestens Matura oder gar einen Universitätsabschluss. Allerdings hat mehr als ein Drittel nur einen Pflichtschulabschluss (ebenfalls deutlich mehr als der österreichische Durchschnitt).
Migration kann also auch eine Erfolgsgeschichte sein, wie das der Integrationsexperte der Universität Wien, Heinz Fassmann, angesichts dieser Fakten formuliert hat. Und: Die heute veröffentlichten Migrationszahlen belegen eindrucksvoll, dass Österreich seit Jahrzehnten ein Einwanderungsland ist - egal ob schwarz-blau oder schwarz-orange oder auch rot-schwarz regierte. Darauf hat gestern unsere Integrationssprecherin Alev Korun hingewiesen.
Mich interessiert natürlich vor allem der Bildungsbereich: In der Schule braucht es mehr zielgerichtete Angebote, vor allem für
Kinder mit Sprachdefiziten. Etwa ein Drittel dieser Kinder kommt
inzwischen aus Familien ohne migrantischen Hintergrund. In unserem Bildungsprogramm fordern wir 10% FörderlehrerInnen, die an den Schulen den lokalen Bedürfnissen entsprechend eingesetzt werden können (für die Sprachförderung, Förderkurse etc.) Dazu braucht es zwei kostenlose Kindergartenjahre. Wo Eltern das nicht in Anspruch nehmen, soll zumindest eine Feststellung des Sprachstandes erfolgen, damit die Eltern beraten werden können.
25. März 2009
harald.walser | 25. Mär, 00:36 | 0 Kommentare
Der Rechnungshof, das Wirtschaftsforschungsinstitut und das Institut für Höhere Studien haben heute eine vernichtende Analyse über die ineffiziente österreichische Schulverwaltung abgegeben. Wenn Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka in der Folge Vorschläge für Reformen in der Schulverwaltung ankündigt, dann ist Gefahr in Verzug: Solche Ankündigungen kennen wir nämlich zur Genüge. Seit Jahren kommen die gleichen Vorschläge, seit Jahren die gleichen Versprechungen, seit Jahren herrscht Stillstand. Lopatkas Versprechungen, Parallelstrukturen zwischen Landesschulräten und Landesregierungen zu beseitigen, bessere Personalsteuerung und mehr Controlling einzurichten sind wenig überzeugend, weil sich die ÖVP seit Jahren nicht traut, in den Machtbereich ihrer Landesfürsten einzudringen. Die Landeshauptleute sind nämlich die in Beton gegossene Reformverweigerung, Lopatkas Äußerungen daher abzuhaken.
Derzeit wird zudem alles nur unter dem – sicherlich wichtigen – Aspekt der Einsparungsmöglichkeiten diskutiert. Eine wirkliche Verwaltungsreform muss aber auch inhaltlich begründbar sein. Wir brauchen dezentrale Strukturen und die Entscheidungskompetenz dort, wo Probleme und Reformschritte genau erkannt werden: an den Schulen. Das bedeutet mehr Verantwortung für SchulleiterInnen.
Besonders wichtig: Die dienstrechtlichen Rahmenbedingungen wirken sich auch negativ auf die Unterrichtsqualität aus, was die Experten mit dem Abschneiden Österreichs bei den diversen internationalen Bildungsvergleichsstudien belegen. Der Rechnungshof geht davon aus, dass "die unzureichende Governance-Struktur das Leistungsniveau der Schüler im Durchschnitt um den möglichen Lernfortschritt mehrerer Schuljahre vermindert".
23. März 2009
harald.walser | 23. Mär, 21:08 |
1 Kommentar
Ich habe es zuerst übersehen: Die "Presse" hat am Samstag die letzten beiden Absätze meines Gastkommentars irrtümlich nicht abgedruckt. Hier der ganze Text:
Religionsunterricht in Bedrängnis
Die Krisenzeichen sind überdeutlich: Immer mehr SchülerInnen melden sich vom konfessionellen Religionsunterricht ab, und sogar tiefschwarze PolitikerInnen verteidigen ihn nur noch halbherzig. Das ist das Thema von Marian Heitger in seinem Presse-Kommentar „Eine Frage der Haltung“: Ethik- oder doch lieber Religionsunterricht? Unsere Kinder, so Heitger, müssen wissen, „woher wir kommen“, sie sollen also vertraut werden mit den Wertetraditionen unserer Gesellschaft.
Die Frage ist nur, wie. Können wir es uns leisten, an einem Religionsunterricht festzuhalten, der von vielen Kindern nicht besucht wird? Viele SchülerInnenen melden sich ab, und häufig sind in den Klassen Kinder mit so unterschiedlichen Bekenntnissen (oder keinem), dass an einen gemeinsamen Religionsunterricht gar nicht zu denken ist. Insbesondere in der katholischen Kirche steigt die Zahl der Austritte: Der religiöse Fels in der säkularen Brandung wankt. In Wien leben heute rund 760.000 KatholikInnen, rund 400.000 Menschen ohne Bekenntnis und etwa 390.000 Angehörige anderer Konfessionen (65.000 davon ohne genaue Angabe). Dieser – wachsenden – Vielfalt müssen wir in den Schulen Rechnung tragen.
Ein verbindlicher nichtkonfessioneller Ethik- und Religionen-Unterricht könnte auch eine Antwort auf fundamentalistische und demokratieverachtende Tendenzen in etlichen Religionsgemeinschaften sein – indem fundamentalistische Tendenzen islamischen, christlichen oder anderen Zuschnitts im Unterricht kritisch thematisiert werden. Oder ist das derzeit im jeweiligen konfessionellen Unterricht garantiert?
In unserer multireligiösen beziehungsweise nichtreligiösen Welt sollen Jugendliche mit oft unterschiedlichen Wertvorstellungen konfrontiert werden, mit den Menschenrechten, mit Religionen und ihren Grundsätzen. Das schließt den interkonfessionellen Dialog im Schulunterricht ein, einen Dialog, der Verschiedenheiten nicht aus dem Weg geht und gerade deswegen ein respektvolles Zusammenleben in einer heterogenen Gesellschaft zum Ziel hat.
Niemand soll indoktriniert werden, sondern alle sollen und müssen in der Schule zu einem Gedankenaustausch über unterschiedliche, miteinander oft unvereinbare Werthaltungen animiert werden. In einer Gesellschaft mit wirklicher Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit ist es die Aufgabe des Staates, diese Auseinandersetzung zu fördern. Die Alternative sind weltanschauliche Lager- und Ghettobildungen. Und wer will, soll den gegenwärtigen konfessionell gebundenen Religionsunterricht weiterhin als Freifach wählen können.
Doch woher nehmen wir so schnell die benötigten Ethik- und ReligionenlehrerInnen? Da bieten sich natürlich jene ReligionslehrerInnen an, die jetzt schon in beträchtlicher Zahl ihren Unterricht im Sinne der geschilderten Ziele gestalten.
Sie haben großteils einen wesentlich weniger missionarischen Zugang zu ihrem Beruf, als ihn Marian Heitger einfordert. Er will im Religionsunterricht jenes „Offenbarungsfundament“ vermitteln, „das den Irrtum ausschließt“. Das ist das gute Recht jeder Religionsgemeinschaft und kann in einem freiwilligen Unterricht auch stattfinden. Der in religiöser Hinsicht neutrale Staat hat andere Aufgaben.
22. März 2009
harald.walser | 22. Mär, 14:00 |
2 Kommentare
Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut gemacht: Die Ankündigungen von Bildungsministerin Claudia Schmied in der ORF-Pressstunde waren viel heiße Luft, das einzig Konkrete ist die Forderung nach zwei Stunden Mehrarbeit. Das simple Aufzählen der diversen Budgetposten und der achselzuckende Hinweis, es gebe nicht mehr Geld vom Finanzminister, ersetzen klare Zielvorgaben nicht.
Sinnvoll in der jetzigen Situation wäre es, zwei zusätzliche Werteinheiten pro Lehrkraft nicht in den Regelunterricht zu investieren, sondern den Schulen autonom zur Verfügung zu stellen - ausschließlich gewidmet für Nachmittagsbetreuung, Förderunterricht, Teamteaching, Begabungsförderung und Gruppenteilungen. Das wäre eine echte Investition in die Schulqualität für Kinder und Jugendliche und eine Entlastung für die Eltern.
Es wird LehrerInnen geben, die im kommenden Schuljahr keine Lehrverpflichtung mehr haben. Eine "Beschäftigungsgarantie" ist eine Irreführung der Betroffenen, zumal sie in einem
Standard-Interview kleinlaut zugibt, in den nächsten zwei Jahren gebe es einen Einstellungsstopp. Angesichts Schmieds Argumentationen zu ihrer Budgetnot, stellen sich jedoch zwei konkrete Fragen: Wieso verhandelt sie mit der BIG keine Mietreduktion für die Schulen? Wieso setzt sie keine Umsetzungsschritte für die im Regierungsprogramm vorgesehene Abschaffung der Landesschulräte?
40.000 SchülerInnen müssen jedes Jahr das Schuljahr wiederholen, das kann sich Österreich einfach nicht leisten - das bedeutet, dass strukturelle Reformen dringend notwendig sind.
21. März 2009
harald.walser | 21. Mär, 09:01 |
6 Kommentare
Es ist ein Kreuz mit dem Religionsunterricht. Am Donnerstag hat in der "Presse" der Erziehungswissenschaftler Marian Heitger ein Plädoyer für einen "straffen" Religionsunterricht abgeliefert: "
Eine Frage der Haltung". Einige Kernthesen zum Religionsunterricht im Original:
"Seine Aufgabe ist die Vermittlung der Offenbarung, jenes Wortes, in dem die absolute Wahrheit sich selbst zum Ausdruck gebracht hat."
"Der Religionsunterricht ruht auf einem Offenbarungsfundament, das den Irrtum ausschließt, dem sich die Vernunft in immer neuem und besserem Verstehen zuwendet, ohne ihren Inhalt je ausschöpfen zu können."
"Der Religionsunterricht stiftet Gewissheit, sofern er sein Fundament in der Offenbarung hat, er bleibt fragend und antwortend, sofern er der Auslegung durch das endliche Wort verhaftet bleibt."
Das regt an (zur Diskussion) und auf (zum Widerspruch). Die "Presse" hat mir Gelegenheit gegeben, darauf heute zu antworten:
Religionsunterricht in Bedrängnis.
Meine Thesen ganz kurz: Wir können es uns schlicht nicht mehr leisten (inhaltlich gemeint, nicht finanziell), an einem Religionsunterricht festzuhalten, der von vielen Kindern nicht besucht wird. Zu deutlich sind die Krisenzeichen: Immer mehr Schüler melden sich vom konfessionellen Religionsunterricht ab, und sogar tiefschwarze Politiker verteidigen ihn nur noch halbherzig. Wir müssen (durchaus im Bündnis mit fortschrittlichen ReligionslehrerInnen) neue Wege beschreiten, denn ein Unterricht über unsere Werte und Religion(en) ist unverzichtbar.